Franz Xaver Schnyder von Wartensee

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* 18.4.1786 Luzern, † 27.8.1868 Frankfurt am Main (D).

Der aus einer Luzerner Patrizierfamilie stammende S. sollte nach dem Willen seines Vaters die Beamtenlaufbahn einschlagen, nach kurzer Tätigkeit im Verwaltungsdienst wandte er sich aber ganz der Musik zu. Er bildete sich weit gehend autodidaktisch und erlernte mehrere Instrumente, unter anderem die Glasharmonika. Während seines Aufenthaltes in Zürich 1810/11 lernte er den Musikpädagogen, Verleger und Komponisten Hans Georg Nägeli kennen. 1811 Kompositionsunterricht bei Johann Christoph Kienlen in Wien und Komposition seiner ersten (heute verschollenen) Oper "Ubaldo". 1812 Rückkehr in die Schweiz, nachdem S. beim Brand von Baden bei Wien seine Manuskripte verloren hatte. In Luzern und im elterlichen Schloss Wartensee am Sempachersee widmete sich S. dem Komponieren, daneben trat er als Pianist auf. Finanzielle Schwierigkeiten zwangen ihn 1815, das Schloss zu verkaufen und eine Stelle als Musiklehrer an →Heinrich Pestalozzis Erziehungsinstitut in Yverdon anzunehmen. 1817 Übersiedlung nach Frankfurt am Main, wo er als Komponist, Pianist, Orchesterdirigent, Publizist und Lehrer tätig war und enge Kontakte zu musikalischen und literarischen Autoritäten der Zeit hatte. 1928 Gründung des Frankfurter "Liederkranzes" und Verbreitung von Nägelis Gedankengut über den Chorgesang. 1831 wurde am Frankfurter Theater S.s Zauberoper "Fortunat mit dem Säckel und Wünschhütlein" uraufgeführt. 1838 war S. massgebend am Frankfurter Sängerfest beteiligt, für das er das Oratorium "Zeit und Ewigkeit" komponiert hatte. 1844 kehrte er für einige Zeit nach Luzern zurück, übersiedelte aber 1847 endgültig nach Frankfurt am Main. Die Schweiz besuchte er regelmässig anlässlich von ­Musik- und Sängerfesten. 1847 gründete er die Schny­der­-von-Wartensee-Stiftung mit Sitz in Zürich. Die heute noch bestehende Stiftung unterstützt die Herausgabe wissenschaftlicher und künstlerischer Arbeiten. Ihre erste Veröffentlichung war 1887 die Autobiografie "Lebenserinnerungen" des Stifters. Stilistisch zwischen Klassik und Romantik stehend, gilt S. als einer der vielseitigsten Komponisten der Schweiz. Er komponierte Lieder, Vokal- und Instrumentalmusik. Peter Otto Schneider, der sich besonders für das Schaffen S.s einsetzte, bearbeitete dessen komische Oper "Estelle oder leichter Sinn und Liebesmacht" (1825) und brachte sie 1946 unter dem Titel "Minuzzolo" in Zürich zur konzertanten Aufführung. Die von Schneider und →Max Terpis als Regisseur und Choreograf geschaffene Neufassung des "Fortunat" wurde am 16.10.1941 am →Stadttheater Basel aufgeführt. Weitere Bühnenwerke: "Heimweh und Heimkehr" (Operette, Uraufführung 14.12.1855 in Zürich).

Literatur

  • Hesse, Hermann (Hg.): Ein Luzerner Junker vor hundert Jahren. Aus den Lebenserinnerungen von X. S., 1920. Erinnerungen X. S.s, herausgegeben von Willi Schuh, 1940.
  • Peter Otto Schneider: S.s musikgeschichtliche Stellung. In: Schweizerische Musikzeitung 8–9/1943.

Nachlass

  • Zentralbibliothek Zürich.


Autorin: Ingrid Bigler-Marschall



Bibliografische Angaben zu diesem Artikel:

Bigler-Marschall, Ingrid: Franz Xaver Schnyder von Wartensee, in: Kotte, Andreas (Hg.): Theaterlexikon der Schweiz, Chronos Verlag Zürich 2005, Band 3, S. 1627.

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