Fritz Diez

Aus Theaterlexikon
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* 27.2.1901 Meiningen (D), † 19.10.1979 Weimar (DDR), ∞ 1923 Martha Beschort (* 21.6.1902 Göttingen, † 12.9.1981 Weimar), Schauspielerin.

Gelernter Elektriker; 1920–22 Studium an der Hochschule für Schauspielkunst Meiningen. Erstes Engagement als Schauspieler 1922/23 am Landestheater Meiningen (Debüt als Melchthal in Schillers "Wilhelm Tell"), dann darstellendes Mitglied an den Stadttheatern Eisenach (1923/24), Hanau (1924–26), Flensburg (1926–29), Bremerhaven (1929–33), Würzburg (1933/34) und an den Städtischen Schauspielen in Baden-Baden (1934/35). Ab 1932 Mitglied der Kommunistischen Partei Deutschlands. Auf Grund seines politischen Engagements verfolgt, emigrierte D. 1935 mit seiner Frau in die Schweiz. 1935–46 war er am →Stadttheater St. Gallen als Charakterheld und jugendlicher Liebhaber engagiert. Wichtige Rollen waren unter anderem Petruchio in Shakespeares "Der Widerspenstigen Zähmung", die Titelrolle in Ibsens "Peer Gynt", Pylades in Goethes "Iphigenie auf Tauris", Chlestakow in Gogols "Der Revisor", Max Piccolomini in Schillers "Wallenstein", Georg Wächter in →Werner Johannes Guggenheims "Bomber für Japan" und Ulrich von Erlach in dessen "Schweizergarde", Bruno Mechelke in Hauptmanns "Die Ratten" und Moritz Jäger in Hauptmanns "Die Weber", die Titelrolle in Hebbels "Gyges und sein Ring", Major Tuchner in →Max Gertschs (* 1893) "Diktatur" und Bonaparte in dessen "Menschenrechte" (Uraufführung 1937), die Titelrollen in Goethes "Egmont" und Schillers "Don Carlos", Martin in →Cäsar von Arx’ "Land ohne Himmel" und Karl in Schillers "Die Räuber". Ab 1937 wirkte D. zudem als Regisseur des Schauspiels. Unter anderem inszenierte er Harald Bratts "Gustav Kilian, Manufakturen", Hofmannsthals "Jedermann" (wobei er selbst die Rolle des guten Gesellen spielte), Molières "Der Geizige" (und Rolle des Valère), →Carl Zuckmayers "Katharina Knie" (und Rolle des Rothacker), Schillers "Maria Stuart" (und Rolle des Mortimer), Hamiltons "Gaslicht", Shakespeares "Ein Sommernachtstraum" (und Rolle des Demetrius) und Alfred Möller/Hans Lorenz’ "Die grosse Chance". 1943 bildete D. zusammen mit seiner Ehefrau und Walther Pollatschek den lokalen Ausschuss der Bewegung "Freies Deutschland" und war Redaktionsmitglied von deren Monatszeitschrift. 1946–54 war er am Meininger Theater zunächst Oberspielleiter, dann ab 1947 Intendant. 1954–58 Generalintendant des Landestheaters Halle, wo er unter anderem →Bertolt Brechts "Mutter Courage und ihre Kinder" mit Beschort in der Titelrolle inszenierte. Dann wiederum als Schauspieler am Staatsschauspiel Dresden (1958–62) und ab 1962 in Ostberlin am Deutschen Theater, an der Volksbühne und am Maxim-Gorki-Theater. Zahlreiche Rollen in Film und Fernsehen, mehrfach verkörperte D. Adolf Hitler. Kulturpolitische Tätigkeit.

Auszeichnungen

  • Ehrenmitglied des Meininger Theaters,
  • 1979 Ehrenbürger der Stadt Meiningen.


Autorin: Marie-Louise Michel



Bibliografische Angaben zu diesem Artikel:

Michel, Marie-Louise: Fritz Diez, in: Kotte, Andreas (Hg.): Theaterlexikon der Schweiz, Chronos Verlag Zürich 2005, Band 1, S. 469.

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