Fritz Lehmann

Aus Theaterlexikon
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* 1.8.1915 Wien (A), † 16.4.1999 Wien (A). ∞ Maria Kramer, Schauspielerin. Vater der Schauspielerin Maria Martina.

Jura-Studium, 1936–39 Schauspielausbildung an der Staatsakademie Wien. 1939 wurde L. von Lothar Müthel ans Wiener Burgtheater geholt. Auf Grund der Mitarbeit in der österreichischen Freiheitsbewegung wurde L. am 31.7.1940 verhaftet, im April 1943 entlassen. Er erhielt Spielverbot und wurde zum Militär einberufen. 1945–49 wirkte er erneut am Burgtheater Wien, wo er unter anderem den dünnen Vetter in Hofmannsthals "Jedermann", Schneider Zimmerl in Ortners "Das Paradiesgärtlein", Geheimschreiber in Goethes "Egmont", Cléante in Molières "Der eingebildete Kranke", Güldenstern in Shakespeares "Hamlet", Kosinsky in Schillers "Die Räuber" (Regie: →Walter Felsenstein) spielte. 1949/50 war L. an den Vereinigten Bühnen Graz engagiert, in den folgenden zehn Jahren wirkte er vorwiegend an Schweizer Bühnen: Ab der Saison 1950/51 spielte L. bei →Egon Karter an der neu gegründeten →Komödie in Basel (unter anderem Peter Peter in →Curt Goetz’ "Ingeborg", Fadinard in Labiches "Der Florentinerhut", Arlecchino in Goldonis "Der Lügner", Adhémar de Gratignan in Sardou/de Najacs "Cyprienne") sowie 1951–53 auch am →Stadttheater Basel (unter anderem Claudio in Shakespeares "Viel Lärm um Nichts", Regie: →Leonard Steckel; Mitwirkung in mehreren Operetten). Daneben gastierte L. 1953/54 am Badischen Staatstheater Karlsruhe, 1955/56 am Jungen Theater Stuttgart, 1954–57 spielte L. auch am Theater am Kurfürstendamm in Berlin (unter anderem Herr von Lips in Nestroys "Der Zerrissene"). Mehrfach gastierte er am →Schauspielhaus Zürich (1957 Amédé Lafont in der Uraufführung von Henri Becque/→Paul Burkhards "Die Pariserin" mit →Käthe Gold, Regie: →Oskar Wälterlin; 1958 Guido in Nestroys "Das Haus der Temperamente", Regie: Gustav Manker). 1960 wurde L. von Ernst Haeussermann wieder ans Burgtheater geholt. In jenen Jahren war L. als Bischof von Ely in Shakespeares "König Heinrich V."(Regie: →Leopold Lindtberg), Octavius in Camus’ "Caligula" (Regie: →Werner Düggelin), Max in Schnitzlers "Anatol", Monsieur Marquis in Nestroys "Der Talisman" (Regie: Rudolf Steinboeck), Bagot in Shakespeares "König Richard II."(Regie: Lindtberg), Mister in Horváths "Geschichten aus dem Wiener Wald" (Regie: Otto Schenk), Filippo in Goldonis "Die Trilogie der Sommerfrische" (Regie: →Giorgio Strehler) zu sehen. Neben Fred Liewehr und Alexander Trojan galt L. als der legendäre jugendliche Liebhaber des Wiener Burgtheaters. Später reüssierte L. vor allem in Schnitzler-Rollen; sein letzter Auftritt am Burgtheater war an der Seite von Alma Seidler in "Mich hätten Sie sehen sollen". 1975 schied L. aus dem Ensemble des Burgtheaters aus. Seither wirkte er hauptsächlich als freiberuflicher Rezitator. 1974 wurde L. der Titel "Kammerschauspieler" verliehen.



Autorin: Julia Danielczyk



Bibliografische Angaben zu diesem Artikel:

Danielczyk, Julia: Fritz Lehmann, in: Kotte, Andreas (Hg.): Theaterlexikon der Schweiz, Chronos Verlag Zürich 2005, Band 2, S. 1093.

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