Günter Missenhardt

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* 29.3.1938 Augsburg (D). ∞ Agnes Baltsa, Opernsängerin.

M. war zunächst einige Jahre als Textilkaufmann tätig. Gesangsausbildung am Konservatorium Augsburg und privat bei Helge Rosvaenge in München. Engagements 1965–68 an der Bayerischen Staatsoper München, 1968–73 an den Städtischen Bühnen Frankfurt am Main und 1973–79 am →Stadttheater Bern, wohin er seither mehrmals als Gast zurückkehrte. Seit 1979 freischaffend. M.s Repertoire setzt sich aus den grossen Fachpartien für seriösen und Spielbass zusammen. In Bern stellte er sich 1973 als Pimen in Mussorgskys "Boris Godunow" vor. Weitere wichtige Aufgaben an diesem Haus waren unter anderem: Rocco in Beethovens "Fidelio", die Titelrolle in Donizettis "Don Pasquale", Plumkett in Flotows "Martha", van Bett in Lortzings "Zar und Zimmermann", die Mozart-Partien Don Alfonso in "Così fan tutte", Commendatore und Leporello in "Don Giovanni", Osmin in "Die Entführung aus dem Serail", Sarastro in "Die Zauberflöte", Don Basilio und Dr. Bartolo in Rossinis "Il barbiere di Siviglia" und Mustafa in dessen "L’Italiana in Algeri", Kezal in Smetanas "Die verkaufte Braut", die Richard-Strauss-Partien Graf Waldner in "Arabella", Musiklehrer in "Ariadne auf Naxos", Baron Ochs in "Der Rosenkavalier", die Verdi-Partien Padre Guardiano in "La forza del destino", Zaccaria in "Nabucco", Jacopo Fiesco in "Simon Boccanegra" sowie Kaspar und Eremit in Webers "Der Freischütz". Hervorzuheben sind ausserdem M.s Rollen in den Schweizer Erstaufführungen von Johann Simon Mayrs "Medea in Corinto" (1975, Creonte), Monteverdis "Il ritorno d’Ulisse in patria" (1976, Nettuno) und Purcells "King Arthur" (1977, Merlin). Am →Grand Théâtre in Genf sang er 1996 Osmin, am →Opernhaus Zürich trat er als Sarastro (1977/78 und 1980/81), Osmin (1991/92) und Baron Ochs (1991/92 und 1993/94) auf. Besonders die beiden letztgenannten Partien zählen zu seinen Glanzrollen, die er an zahlreichen Bühnen verkörperte. So sang M. Osmin an der Deutschen Oper Berlin, in Darmstadt, Dresden, Düsseldorf, Hamburg, an der Mailänder Scala, in Washington sowie an der Staatsoper Wien. Baron Ochs, dem in M.s Interpretation trotz aller Derbheit immer eine gewisse, geradezu berührende Grandezza eigen war, gab er in Aachen, Barcelona, Bremen, Brüssel, Darmstadt, Düsseldorf, Essen, Karlsruhe, Leipzig, am Teatro Real Madrid, in Mannheim, an der Opéra de Paris im Palais Garnier, in Salzburg und an der Staatsoper Wien. Weitere Höhepunkte seiner Karriere waren Verpflichtungen an die Komische Oper Berlin, nach Brüssel (1988 Schigolch in Berg/Cerhas "Lulu"), Essen (1990 Sir John Falstaff in Nicolais "Die lustigen Weiber von Windsor"), Hamburg (2000 Dreieinigkeitsmoses in →Bertolt Brecht/Weills "Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny"), an die Covent Garden Opera London (1992 Rocco), die Bayerische Staatsoper München (unter anderem 1982–87 Lunardo in Wolf-Ferraris "Die vier Grobiane"), das Théâtre du Châtelet Paris (2002 Graf Waldner), die Opéra de Paris und nach Strassburg (1985 beziehungsweise 1987 Doktor in Bergs "Wozzeck") sowie an die Staatsoper Wien (1991 Warlaam in Mussorgskys "Boris Godunow"). Wirkt auch als Konzertsänger.



Autor: Paul Suter



Bibliografische Angaben zu diesem Artikel:

Suter, Paul: Günter Missenhardt, in: Kotte, Andreas (Hg.): Theaterlexikon der Schweiz, Chronos Verlag Zürich 2005, Band 2, S. 1252, mit Abbildung auf S. 1252.

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