Georg Binder

Aus Theaterlexikon
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* um 1495 Zürich, † 17.7.1545 Zürich.

B. stammte aus einer Handwerkerfamilie; 1513–19 studierte er bei Vadian in Wien. B. entschied sich für das reformatorische Anliegen Ulrich Zwinglis und wurde dessen Helfer. Durch Zwinglis Vermittlung wurde B. 1524 Lehrer an der Schule des Chorherren-Stifts am Grossmünster in Zürich, wo er bis 1543 Latein und Griechisch unterrichtete. B. leitete das Schul­theater und führte mit seinen Schülern griechische, lateinische (Terenz) und deutsche Komödien auf. Am 1.1.1531 inszenierte B. im Vorlesungssaal des Chorherrengebäudes eine Aufführung von Aristophanes’ "Plutos" in griechischer Sprache. Als Darsteller traten Zürcher Humanisten wie Johannes Fries und der damals vierzehnjährige Konrad Gessner auf; Zwingli komponierte die Begleitmusik für die Chöre, B. selbst spielte die Titelrolle und sprach den von Rudolf Ambüel (Collin) verfassten lateinischen Prolog. B. übertrug Guilielmus Gnapheus’ lateinisch verfassten "Acolastus" (1529), eines der frühesten und einflussreichsten Stücke des protestantischen Schuldramas, ins Deutsche. B.s "Acolastus. Ein Comedia oder Spil von dem verlornen Sun" ist eine freie, deutsche Bearbeitung, die an Neujahr 1535 in Zürich gespielt wurde. Das Stück wurde wiederholt aufgeführt (beispielsweise 1543 und 1560 in Solothurn, 1627 in Steckborn) und selbst wiederum bearbeitet. B. übersetzte auch lateinische Schriften Zwinglis und anderer Reformatoren.

Literatur

  • Bonorand, Conradin: Personenkommentar II zum Vadianischen Briefwerk, 1983.
  • Michael, Wolfgang F.: Das deutsche Drama der Reformationszeit, 1984.


Autor: Reto Caluori



Bibliografische Angaben zu diesem Artikel:

Caluori. Reto: Georg Binder, in: Kotte, Andreas (Hg.): Theaterlexikon der Schweiz, Chronos Verlag Zürich 2005, Band 1, S. 204.

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