Georg Kaiser

Aus Theaterlexikon
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* 25.11.1878 Magdeburg (D), † 4.6.1945 Ascona TI.

1895 gründete K. in Magdeburg den Leseverein "Sappho", für den er seine ersten Stücke schrieb und inszenierte. Nach einer kaufmännischen Ausbildung folgte 1898–1901 ein Aufenthalt in Buenos Aires, wo K. als Kontorist tätig war. Danach lebte K. als freier Schriftsteller in Deutschland. Seinen Durchbruch als Dramatiker hatte er mit der Uraufführung von "Die Bürger von Calais" 1917 am Neuen Theater in Frankfurt am Main. Von da an zählte K. zu den erfolgreichsten deutschen Bühnenautoren und erlangte Weltruhm mit seinen expressionistischen Stücken, besonders mit "Von morgens bis mitternachts" (1917, Münchner Kammerspiele) sowie "Gas" (1918, Neues Theater in Frankfurt am Main und Schauspielhaus Düsseldorf) und "Gas II" (1920, Vereinigte Deutsche Theater Brünn). Unter der nationalsozialistischen Diktatur wurde er in Deutschland kaum mehr gespielt und war schliesslich aus politischen und ökonomischen Gründen zur Emigration gezwungen. K. folgte der Einladung →Cäsar von Arx’, mit dem er während des Exils in engem und freundschaftlichem Kontakt stand, und traf im August 1938 in Engelberg ein. Auch wenn das Verhältnis zur Schweiz häufig von gegenseitigem Unverständnis geprägt war, gilt K. gleichwohl als der in der Schweiz am meisten gedruckte und inszenierte deutsche Exildramatiker. Insgesamt schrieb K. etwa siebzig Bühnenwerke verschiedener Gattungen. Im Exil verfasste er zehn Schauspiele, von denen vier durch Schweizer Theater uraufgeführt wurden: "Der Soldat Tanaka" (2.11.1940, →Schauspielhaus Zürich, Regie: →Franz Schnyder), "Die Spieldose" (12.10.1943 durch das →Stadttheater Basel im gelben Saal der Mustermesse Basel, Regie: →Robert Trösch), "Zweimal Amphitryon" (29.4.1944, Schauspielhaus Zürich, Regie: →Leopold Lindtberg) und "Das Floss der Medusa" (24.2.1945, Stadttheater Basel, Regie: →Robert Pirk). In der Schweiz entstanden ausserdem "Napoleon in New Orleans" (1937–41, Uraufführung Badisches Staatstheater Karlsruhe 1950), "Klawitter" (1939–40, Städtische Bühnen Brandenburg 1949), "Das gordische Ei" (1941, Schauspiel Marburg 1958), "Der englische Sender" (1942, ausgestrahlt vom Deutschen Dienst der BBC 1947), "Pygmalion" (1943–44, Studio Fink München 1953), "Bellerophon" (1944, Stadttheater Saarbrücken 1953).

Auszeichnungen

unter anderem

  • 1944 Gottfried Keller-Preis.

Literatur

  • Pausch, Holger A./Reinhold, Ernest (Hg.): G. K., 1980.
  • Kieser, Rolf: Erzwungene Symbiose. Thomas Mann, Robert Musil, G. K. und Bertolt Brecht im Schweizer Exil, 1984.

Nachlass

  • Archiv der Akademie der Künste, Berlin;
  • eine Sammlung K. (aus dem Nachlass Cäsar von Arx’) befindet sich im Schweizerischen Literaturarchiv in Bern.


Autor: Reto Caluori



Bibliografische Angaben zu diesem Artikel:

Caluori, Reto: Georg Kaiser, in: Kotte, Andreas (Hg.): Theaterlexikon der Schweiz, Chronos Verlag Zürich 2005, Band 2, S. 955–956.

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