Georg Lederer

Aus Theaterlexikon
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* 5.2.1843 Marienburg (Malbork, heute: PL), † 2.10.1910 Schlachtensee bei Berlin (D).

Zunächst Studium der Pharmazie und kurze Zeit Tätigkeit als Apotheker in Görlitz. L. bildete sich anfänglich auf autodidaktischem Weg zum Sänger aus. Bei Vereinsanlässen und Konzerten wurde man auf seine ausserordentliche Stimme aufmerksam. 1868/69 erstes Engagement am Stadttheater Magdeburg (Debüt mit Max in Webers "Der Freischütz"), 1869–71 an der Königlichen Hofoper Berlin. In Berlin Gesangsstudien bei Eduard Mantius und Luise Ress. 1871–73 war L. als erster Tenor am Stadttheater Hamburg verpflichtet. In Hamburg sang er 1872 in zwei Benefiz-Konzerten zu Gunsten der geplanten Bayreuther "Ring"-Aufführungen Auszüge aus →Richard Wagners "Die Walküre" und "Siegfried", die der Komponist persönlich dirigierte. Weitere Engagements 1873/74 an der Schouwburg Rotterdam, 1874/75 am Grossherzoglichen Hoftheater Schwerin, 1875–78 am Stadttheater Bremen und 1878–89 am Stadttheater Leipzig. Danach als Gast tätig, ehe er 1891–99 am →Stadttheater Zürich wieder ein festes Engagement annahm. Zur Eröffnung des neu erbauten Stadttheaters trat L. in der Titelrolle von Wagners "Lohengrin" auf. Im Zürcher Repertoire des Heldentenors nahmen denn auch die Werke Wagners eine dominierende Stellung ein. In Zürich war er daneben in zahlreichen, heute eher selten aufgeführten Opern zu sehen: so beispielsweise als Fra Diavolo in Aubers "Fra Diavolo" und Masaniello in dessen "Muette de Portici", Eléazar in Jacques Fromental Halévys "La Juive", Mathias Freudhofer in Wilhelm Kienzls "Der Evangelimann", Joseph in Etienne Nicolas Méhuls gleichnamiger Oper, in den Meyerbeer-Partien Vasco da Gama in "L’Africaine", Raoul de Nangis in "Les Huguenots", Jean de Leyde in "Le Prophète" und Robert in "Robert le diable", als Tito in Mozarts "La clemenza di Tito", Adolar in Webers "Euryanthe" und Hüon von Bordeaux in dessen "Oberon". 1895 sang L. den Jüngling in der Uraufführung des dramatischen Idylls "Das Fest der Jugend" von →Lothar Kempter (Regie: Adolf Uttner, musikalische Leitung: Kempter) und wirkte in mehreren Schweizer Erstaufführungen mit, etwa 1896 als Massaro Giorgio in Pietro Floridias "Maruzza" und in der Titelrolle von Smetanas "Dalibor", 1897 als Assad in Karl Goldmarks "Die Königin von Saba" sowie 1898 in der Titelpartie von Verdis "Otello". Nach 1899 war L. während kurzer Zeit am Deutschen Theater Riga tätig, bevor er sich in Schlachtensee bei Berlin als Gesangspädagoge niederliess. L. betätigte sich auch als Konzertsänger.

Auszeichnungen

  • 1884 Ernennung zum Grossherzoglich Sondershausenschen Kammersänger.


Autor: Paul Suter



Bibliografische Angaben zu diesem Artikel:

Suter, Paul: Georg Lederer, in: Kotte, Andreas (Hg.): Theaterlexikon der Schweiz, Chronos Verlag Zürich 2005, Band 2, S. 1091–1092.

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