George Gruntz

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* 24.6.1932 Basel.

1948–51 Berufslehre als Elektro-Maschinenzeichner, Anstellung bei Brown Boveri im aargauischen Baden. 1938 erster Klavierunterricht, ab 1954 Jazzmusiker im Nebenberuf, musikalische Weiterbildung (unter anderem Musiktheoriekurse am Konservatorium Zürich), 1963 Beginn der professionellen Musikerlaufbahn. 1964 Leader der Formation "Swiss All Stars" bei der Schweizerischen Landesausstellung Expo 64 in Lausanne. Während der sechziger Jahre zahlreiche Europatourneen, als Pianist Zusammenarbeit mit internationalen Jazzgrössen, tourte weltweit mit der "Phil Woods European Rhythm Machine". 1972–94 künstlerische Leitung der "Berliner Jazztage" (ab 1985 "JazzFest Berlin"). 1972 Mitgründung und Leitung von "The Band" (ab 1978 "The George Gruntz Concert Jazz Band"), einer der meistbeachteten europäischen, international besetzten Big-Band-Formationen. 1973 Gründung der "Piano Conclave" (bestand bis 1982). 1968 erste Arbeit als Schauspielmusiker am →Schauspielhaus Zürich (Shakespeares "Antonius und Cleopatra", Regie: →Bernhard Wicki), dort 1970–84 Leiter der Abteilung Musik unter den Direktoren →Harry Buckwitz, →Gerhard Klingenberg und →Gerd Heinz. Bis 1987 Schauspielmusik für über vierzig Inszenierungen, unter anderem für Jarrys "Vater Ubu" (1970, Regie: Paul Pörtner), →Bertolt Brechts "Die Ausnahme und die Regel" (1970, Regie: →Michael Hampe), Joseph Papps "William Shakespeares ‹nackter’ Hamlet" (1971, Regie: Günter Büch), →Friedrich Dürrenmatts "König Johann" (1971, Regie: Václav Hudecek), Peter Weiss’ "Die Verfolgung und Ermordung Jean Paul Marats" (1972, Regie: Buckwitz), Dürrenmatts "Der Mitmacher" (Uraufführung 8.3.1973, Regie: Andrzej Wajda), Tom Stoppards "Travesties oder Zürich 1917" (1977 im →Corso-Theater Zürich, Regie: →Leopold Lindtberg), →Jürg Federspiels "Brüderlichkeit" (Uraufführung 1977, Studio Tiefenbrunnen, Regie: Max Peter Ammann), →Herbert Meiers "Bräker" (Uraufführung 1979, Regie: Roberto Guicciardini), →Hansjörg Schneiders "Der liebe Augustin" (Uraufführung 1979, Regie: Hans Gratzer), →Max Frischs "Triptychon" (1981, Regie: Heinz), Dorsts "Merlin oder Der Traum von König Artus’ Tafelrunde" (1982, Studio Tiefenbrunnen, Regie: Gratzer). Gastverpflichtungen unter anderem an den Württembergischen Staatstheatern Stuttgart (1971 Uraufführung von Peter Weiss’ "Hölderlin", Regie: Peter Palitzsch), am Burgtheater Wien (1974 deutschsprachige Erstaufführung von Albees "Seeskapade", 1976 Grillparzers "König Ottokars Glück und Ende" anlässlich der 200-Jahr-Feier des Burgtheaters, 1982 Uraufführung von Martin Walsers "In Goethes Hand"), am Tübinger Zimmertheater, am Tiroler Landestheater Innsbruck (1999 Shakespeares "König Lear"). Zudem komponierte G. 1980 die Musik für →Heinz Spoerlis Ballett "Thundermove" an den →Basler Theatern (Direktion: →Horst Statkus). 1982 fand die Uraufführung einer fragmentarischen Version seiner "World Jazz Oper" (Libretto: Amiri Baraka, USA) unter dem Titel "Money" im Theater La Mama E. T. C. in New York statt, 1985 die Uraufführung des szenischen Oratoriums "The Holy Grail of Jazz and Joy" (am Festival "Steirischer Herbst" in Graz) und 1988 die Uraufführung der zusammen mit →Rolf Liebermann für die Hamburgische Staatsoper verfassten Jazzoper "Cosmopolitan Greetings" auf Kampnagel in Hamburg (Regie und Bühnenbild: Robert Wilson, Text: Allen Ginsberg). 1990 übernahm er die musikalische Leitung der Aufführungen von →Frank Martins "Totentanz zu Basel" im Basler Münster. 1976 Produktion der deutschen Fassung von Tony Palmers siebzehnteiliger Fernsehsendung zur Geschichte der Popmusik "All You Need Is Love" (Bayerischer Rundfunk). Auch Hörspiel- und Filmmusik, beispielsweise für →Hannes Schmidhausers "Seelische Grausamkeit" (1961), Wickis "Das falsche Gewicht" (1971), Fred Haines’ "Steppenwolf" (1974). 2002 gab G. seine Autobiografie "Als weisser Neger geboren. Ein Leben für den Jazz" heraus.

Auszeichnungen

unter anderem

  • erste Preise an den Zürcher Jazzfestivals von 1954, 1955 und 1957,
  • 1990 Spartenpreis des Kantons Basel-Landschaft,
  • 1995 Bundesverdienstkreuz erster Klasse des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland.


Autor: Christian Jauslin



Bibliografische Angaben zu diesem Artikel:

Jauslin, Christian: George Gruntz, in: Kotte, Andreas (Hg.): Theaterlexikon der Schweiz, Chronos Verlag Zürich 2005, Band 1, S. 760–761.

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