Gerold Späth

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* 16.10.1939 Rapperswil SG.

Schulen in Rapperswil, kaufmännische Ausbildung und Tätigkeit in Zürich, Vevey, London und Freiburg; bis 1975 gelegentliche Mitarbeit im väterlichen Orgelbaubetrieb. Verschiedene Reisen und Stipendienaufenthalte führten S. zu Beginn der achtziger Jahre nach Berlin und Rom, später bezog er sein Domizil in der Toskana und in Irland, kehrte aber regelmässig nach Rapperswil zurück, das in seinem Werk eine wesentliche Rolle spielt. Der Durchbruch als Schriftsteller gelang S. 1970 bereits mit seinem ersten Buch "Unschlecht", einem in der Kleinstadt am oberen Zürichsee angesiedelten Schelmenroman, an den S. thematisch mit den Romanen "Balzapf oder Als ich auftauchte" (1977) und "Barbarswila" (1988) anknüpfte. Zu einer vielstimmigen Erzähltechnik griff S. im Roman "Commedia" (1980), in dessen erstem Teil rund 200 Charaktere durch innere Monologe, Statements oder Briefe vorgestellt werden. Neben S.s Vorliebe für Rollenprosa zeigt sich darin ein kunstfertiger Umgang mit Helvetismen sowie Sprach- und Wortspielen. Davon zeugen auch die über ein Dutzend – meist von Schweizer Radio DRS produzierten – Hörspiele, die S. seit 1971 verfasst hat, sowie seine Mundart-Übertragungen für die Bühne und das Radio, so Marieluise Fleißers "De schtarch Schtamm" (Uraufführung 1974, →Theater für den Kanton Zürich), Hauptmanns "Schluck und Jau" (Uraufführung 1977, Theater für den Kanton Zürich) und John Millington Synges "Kesselflickers Hochzeit" (1985 Aufführung der →Schauspiel-Akademie Zürich im Depot Tiefenbrunnen Zürich, Regie: →Paul Lohr). Vergleichsweise wenig bekannt blieben S.s eigene Bühnenwerke: "Unser Wilhelm! Unser Tell!"(Uraufführung in französischer Sprache unter dem Titel "Notre Guillaume Tell" in der Übersetzung von Claude Chenou am 30.4.1985 am →Théâtre de Carouge, Regie: →Jean-Charles Simon), "Die Witwe" (Uraufführung 8.3.1986, Kammertheater Linth, Regie: Bruno H. Weder), "Commedia" (Uraufführung 18.3.1988, Urania Theater Köln, Regie und Bühnenfassung: Kurt Lambrigger) und "Sindbadland" (nach S.s gleichnamigem Episodenroman, Uraufführung 1990, Urania Theater Köln).

Auszeichnungen

unter anderem

  • 1970 Conrad-Ferdinand-Meyer-Preis,
  • 1979 Alfred-Döblin-Preis,
  • 1984 Georg-Mackensen-Literaturpreis,
  • 1987 Hörspielpreis der Stiftung Radio Basel,
  • 1992 Preis der Schweizerischen Schillerstiftung.

Literatur

  • Isele, Klaus/Loquai, Franz (Hg.): G. S., 1993.
  • Aske, Charlotte E.: G. S. und die Rapperswiler Texte, 2002.


Autor: Reto Caluori



Bibliografische Angaben zu diesem Artikel:

Caluori, Reto: Gerold Späth, in: Kotte, Andreas (Hg.): Theaterlexikon der Schweiz, Chronos Verlag Zürich 2005, Band 3, S. 1707.

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