Gertrud Ramlo

Aus Theaterlexikon
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  • 4.4.1913 Wien (A), † 8.4.1997 Wien (A), eigentlich Gertrude Kugel, auch Udi R. ∞ 1937–47 →Hans Weigel, Schriftsteller und Theaterkritiker.

1929–32 Besuch des Max-Reinhardt-Seminars in Wien. Schauspieldebüt 1932 am Salzburger Landestheater. Zwei Monate nach der Unterzeichnung des Vertrags mit dem Stadttheater Nürnberg wurde ihr gekündigt, weil sie Halbjüdin war. 1933 fand sie ein Engagement im elsässischen Strassburg, 1935 kehrte sie nach Wien zurück, wo sie im Kabarett "Literatur am Naschmarkt" auftrat. Dort lernte sie ihren späteren Mann Hans Weigel kennen. In Wien gastierte R. am Theater in der Josefstadt und am Volkstheater. 1936 trat sie als Ann in Dodie Smiths "Der erste Frühlingstag" (Regie: →Leonard Steckel) am →Schauspielhaus Zürich auf, worauf sie dort für die Saison 1936/37 ein Jahresengagement erhielt, sie spielte unter anderem Klärchen in Goethes "Egmont", Dora in der Uraufführung von Else Lasker-Schülers "Arthur Aronymus und seine Väter", Bertha in Schillers "Die Verschwörung des Fiesco zu Genua" (Regie jeweils: →Leopold Lindtberg) und Klara in der Uraufführung von →Albert Jakob Weltis "Blaubart" (Regie: Steckel). Nach Ablauf des Vertrags und ohne Schweizer Aufenthalts- und Arbeitsbewilligung musste R. nach Wien zurückkehren, wo sie an kleineren Theatern auftrat. Nach dem Einmarsch der deutschen Truppen in Österreich emigrierte R. über München in die Schweiz. Nach erfolglosem Vorsprechen am →Stadttheater Bern erhielt sie am →Stadttheater Basel (quasi als Ersatz für die auf Druck der Reichstheaterkammer nicht aus Wien nach Basel zurückkehrende Lisl Kinateder) unter Direktor →Egon Neudegg einen Stückvertrag. Nach ihrem Erfolg als Franziska in Lessings «Minna von Barn­helm» folgte ein Jahresvertrag. In Basel spielte R. unte­r anderem in der deutschsprachigen Erstaufführung von T. S. Eliots "Mord in der Kathedrale" (Regie: →Wilfried Scheitlin) eine der Domfrauen. 1939 verliess R. das Stadttheater Basel, im Sommer 1940 spielte sie wieder am Schauspielhaus Zürich vier kleinere Rollen in Goethes "Faust II" (Regie: Lindtberg), danach beim →Quodlibet in Basel in Hamiltons "Gaslicht" (Regie: Fritz Ritter). Im Exil wurde R. ausgebürgert, sodass sie als Staatenlose auf die Toleranzbewilligung durch die Schweizer Behörden angewiesen war. Im September 1945 kehrte R. gemeinsam mit ihrem Mann nach Wien zurück, wo sie unter anderem am Theater in der Josefstadt spielte. Als Gast wirkte R. unter anderem bei den Salzburger Festspielen (1962 Sepherl in Nestroys "Lumpazivagabundus", Regie: Lindtberg), am Theater im Zoo in Frankfurt am Main und auf Tourneen. Diverse Filmrollen, unter anderem in "Die Vier im Jeep" (Regie: Lindtberg).

Literatur

  • Blubacher, Thomas: Befreiung von der Wirklichkeit?, 1995.


Autorin: Julia Danielczyk



Bibliografische Angaben zu diesem Artikel:

Danielczyk, Julia: Gertrud Ramlo, in: Kotte, Andreas (Hg.): Theaterlexikon der Schweiz, Chronos Verlag Zürich 2005, Band 3, S. 1459–1460.