Gruppe Olten

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Die G. war ein nationaler Berufsverband von Schriftstellerinnen und Schriftstellern. Sie entstand 1971 als Folge des Austritts einer Gruppe prominenter Autoren aus dem →SSV. Der Austritt wurde 1970 durch Maurice Zermattens Mitarbeit am Buch "Zivilverteidigung" ausgelöst, da der damalige SSV-Präsident in seiner französischen Übersetzung die antikommunistischen und antiintellektuellen Tendenzen der deutschen Vorlage noch verstärkt hatte. Weitere Gründe bildeten Enthüllungen über das Verhalten des SSV vor und während des Zweiten Weltkriegs und der Wunsch nach einem politischen Engagement des Verbands. Zu den 22 Ausgetretenen – deren Anteil an der Verbandstätigkeit später indes gering war – gehörten unter anderen Peter Bichsel, →Walter Matthias Diggelmann, →Friedrich Dürrenmatt, →Jürg Federspiel, →Max Frisch, Ludwig Hohl, →Kurt Marti, →Adolf Muschg, →Walter Vogt und →Otto F. Walter. Am 25.4.1971 versammelten sich diese sowie weitere Autorinnen und Autoren in Biel, um auf der Grundlage der von →Mani Matter entworfenen Statuten die G. als Verein zu konstituieren. Der erste Vorstand setzte sich aus →Anne Cuneo (Präsidentin), Nicolas Bouvier, Werner Schmidli, →Manfred Schwarz und Hans Mühlethaler zusammen. Nach anfänglichen Schwierigkeiten konsolidierte sich die G. 1974 durch eine Statutenrevision, die ihr eine funktionierende Organisationsgrundlage gab. Damit war eine Namensänderung verbunden ("Schweizer Autoren G.", später: "Schweizer Autorinnen und Autoren G."), und mit dem Bekenntnis zum demokratischen Sozialismus wurde ein politischer Zweckartikel eingeführt. Die G. verfolgte gewerkschaftliche, kulturelle und politische Ziele: Als Berufsverband betrieb sie die Wahrung der wirtschaftlichen, urheberrechtlichen und juristischen Interessen ihrer Mitglieder und – teilweise zusammen mit dem SSV – der Schriftstellerinnen und Schriftsteller in der Schweiz. Die G. setzte sich für die Verbreitung der Literatur und den literarischen Austausch zwischen Sprachregionen und Ländern ein. Auf nationaler und internationaler Ebene unterstützte sie politische Initiativen, die eine gerechte Verteilung der Güter, die Demokratisierung der Wirtschaft und der öffentlichen Institutionen sowie den Schutz der Welt vor militärischer und ziviler Zerstörung und die Einhaltung der Menschenrechte anstrebten. Oberstes Organ der G. bildete die Generalversammlung, sie wählte den Vorstand und den Sekretär. Letzterer erledigte zusammen mit dem Vorstand, der aus Vertreterinnen und Vertretern der drei wichtigsten Sprachregionen bestand, die Tagesgeschäfte. 1971–87 war Mühlethaler Sekretär der G., danach bis 2001 Jochen Kelter. Präsidenten wurden nach Anne Cuneo Manfred Schwarz (1972), Peter Lehner (1974), Vogt (1976), Jean-Louis Cornuz (1980), →René Regenass (1982), →Lukas Hartmann (1985), Dres Balmer (1988), Manfred Züfle (1991), →Klaus Merz (1995), →Peter Höner (1997) und Daniel de Roulet (2000). Die französisch- und die italienischsprachige Schweiz bildeten eigene Sektionen, selbstständig organisiert waren ebenso die literarischen Übersetzerinnen und Übersetzer sowie die Dramatikerinnen und Dramatiker. Die Fachgruppe Dramatik entstand Anfang der achtziger Jahre im Zusammenhang mit Diskussionen um die adäquate Förderung der zeitgenössischen Schweizer Dramatik. Von Höner und →Werner Wüthrich ins Leben gerufen, schufen sich die Theaterautorinnen und -autoren mit ihr ein eigenes Forum, was besonders nach der 1985 erfolgten Auflösung der →GSD wichtig war. Die Tätigkeit der Fachgruppe bestand hauptsächlich in der juristischen Beratung von Dramatikerinnen und Dramatikern und in der Unterstützung der Realisierung und Aufführung von Theatertexten. Die Fachgruppe Dramatik gab im Namen der G. 1983, 1985 und 1990 ein "Theaterstückverzeichnis" heraus. Ab 1999 unterhielt die G. mit der Internetplattform "Theaterprojektionen" einen virtuellen Stückemarkt mit dem Ziel, Kontakte zwischen Schreibenden und Theaterschaffenden zu fördern. Als Vertreter der Fachgruppe Dramatik waren Wüthrich, →Christoph Keller und →Urs Richle im Vorstand der G. tätig. Die Mitgliederzahl der G. wuchs von 68 (1971) über 230 (1988) auf 350 (2001) Mitglieder aus allen Sprachregionen und literarischen Sparten. Die G. finanzierte sich durch staatliche Subventionen und Mitgliederbeiträge. Sie gab unter anderem die Anthologien "Almanach du Groupe d’Olten" (1973) "Taschenbuch der G."(1974), "Almanach 1974" (1974) und "Zwischensaison" (1975 und 1976) heraus. Sie publizierte regelmässig (1996–2002 vierteljährlich) ein Mitteilungsblatt in deutscher und französischer Sprache sowie jährlich ein Mitgliederverzeichnis. In den späten neunziger Jahren begannen Gespräche über die Möglichkeit einer Wiedervereinigung mit dem SSV. Am 12.10.2002 lösten sich die beiden Verbände formell auf, um gleichzeitig einen neuen gemeinsamen Verband zu gründen. Seit dem 1.1.2003 nimmt die Vereinigung "Autorinnen und Autoren der Schweiz (AdS)", mit Sitz in Zürich, die Interessen der Schreibenden in der Schweiz wahr.

Literatur

  • Mühlethaler, Hans: Die G., 1989.
  • Schmid, Peter A./Roth-Hunkeler, Theres (Hg.): Abschied von der Spaltung. Fin d’une division, 2003.


Autor: Reto Caluori



Bibliografische Angaben zu diesem Artikel:

Caluori, Reto: Gruppe Olten, in: Kotte, Andreas (Hg.): Theaterlexikon der Schweiz, Chronos Verlag Zürich 2005, Band 1, S. 761–762.