Hans Curjel

Aus Theaterlexikon
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* 1.5.1896 Karlsruhe (D), † 3.1.1974 Zürich.

Studium der Kunstgeschichte in Freiburg im Breisgau, München, Wien und Berlin, das er 1920 mit einer Dissertation über Hans Baldung Grien abschloss. 1923–24 Besuch des Konservatoriums in Karlsruhe (Violine, Dirigieren). 1924/25 Kapellmeister am Schauspielhaus Düsseldorf. 1925–27 stellvertretender Direktor der Badischen Kunsthalle Karlsruhe. Anschliessend wirkte C. als Dramaturg, Regisseur und stellvertretender Direktor an der Krolloper in Berlin, deren avantgardistisches Profil er während ihrer Existenz (1927–31) durch Engagements der Bühnenbildner Oskar Schlemmer und László Moholy-Nagy sowie der Regisseure Gustaf Gründgens und Jürgen Fehling entscheidend mitprägte. Dort inszenierte C. unter anderem Puccinis "Madame Butterfly" und Janáčeks "Aus einem Totenhaus" (Bühnenbild: →Caspar Neher). 1931–33 Gastregisseur an der Städtischen Oper in Berlin. 1933 Emigration in die Schweiz, danach bis 1939 Oberspielleiter am →Corso-Theater Zürich, wo er Max Ernst als Bühnenbildner für Varieté-Nummern gewinnen konnte. 1942–49 war C. Direktor der Theater- und Tournéegenossenschaft Zürich, mit der er 1945–48 das →Stadttheater Chur, Chur GR leitete. Während der viermonatigen Spielzeit standen jeweils etwa neun Eigenproduktionen und zahlreiche Gastspiele auf dem Spielplan. Dabei legte C. auf hohe künstlerische Qualität und ein ausgewogenes Verhältnis von Lustspielen, Klassikern und zeitgenössischen Stücken wert. Unter C.s Direktion wirkten beispielsweise die Regisseure →Vasa Hochmann und →Kurt Horwitz, die Bühnenbildner →Teo Otto und →Max Röthlisberger sowie im Schauspielensemble →Brigitte Horney, →Walter Roderer und →Valerie Steinmann am Stadttheater Chur. 1948 ermöglichte er dort →Bertolt Brecht und Neher die Uraufführung von Brechts "Die Antigone des Sophokles". Nach 1948 war C. als freier Regisseur unter anderem in Berlin, Paris, Rom und Zürich sowie an den Salzburger Festspielen (1949 Mozarts "La clemenza di Tito") und der Biennale in Venedig (1949 zweite Fassung von Brecht/Weills "Mahagonny") tätig. Zudem arbeitete er als Publizist, Musik- und Kunstkritiker sowie Ausstellungsorganisator. Er verfasste unter anderem die Bände "Synthesen. Vermischte Schriften zum Verständnis der neuen Musik" (1966) und "Experiment Krolloper 1927–1931" (1975, aus dem Nachlass, herausgegeben von Eigel Kruttge).

Nachlass

  • Deutsches Literaturarchiv Marbach.


Autorin: Ingrid Bigler-Marschall



Bibliografische Angaben zu diesem Artikel:

Bigler-Marschall, Ingrid: Hans Curjel, in: Kotte, Andreas (Hg.): Theaterlexikon der Schweiz, Chronos Verlag Zürich 2005, Band 1, S. 423.

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