Hans Franzen

Aus Theaterlexikon
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* 5.2.1935 Verl (D), † 17.9.1993 Küsnacht ZH.

Zunächst Arbeit als Textilkaufmann, dann Gesangsausbildung 1956–58 am Konservatorium Bielefeld (bei Richard Capellmann), 1958–61 an der Staatlichen Hochschule für Musik in Köln bei Heinz Marten und 1961/62 am Opernstudio der Bühnen der Stadt Köln. Engagements 1962–71 am Opernhaus in Köln, 1971–73 am Opernhaus in Kiel, 1973–75 am Nationaltheater Mannheim. Von 1975 bis zu seinem Tod war F. am →Opernhaus Zürich, Zürich ZH engagiert, wo er als Rocco in Beethovens "Fidelio" debütierte. Er gestaltete hier eine Vielzahl verschiedenster Partien sowohl aus dem seriösen, schweren Bassfach als auch manche Paraderollen für Spiel- und Charakterbass: Conte Rodolfo in Bellinis "La sonnambula", Narbal in Berlioz’ "Les Troyens", Raimondo in Donizettis "Lucia di Lammermoor", Frère Laurent in Gounods "Roméo et Juliette", Bürgermeister van Bett in Lortzings "Zar und Zimmermann", die Mozart-Partien Commendatore in "Don Giovanni", Osmin in "Die Entführung aus dem Serail", Figaro in "Le nozze di Figaro" und Sarastro in "Die Zauberflöte", Sir John Falstaff in Nicolais "Die lustigen Weiber von Windsor", Don Basilio in Rossinis "Il barbiere di Siviglia", Lodovico Nardi in der Schweizer Erstaufführung von Franz Schrekers "Die Gezeichneten", Kezal in Smetanas "Die verkaufte Braut", Fürst Gremin in Tschaikowskys "Eugen Onegin", die Verdi-Partien Grande Inquisitore in "Don Carlo", Padre Guardiano in "La forza del destino" und Sparafucile in "Rigoletto", Daland in →Richard Wagners "Der fliegende Holländer" und König Heinrich in dessen "Lohengrin", Joe in →Bertolt Brecht/Weills "Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny". Besondere Erwähnung verdient F.s Mitwirkung im Zürcher Monteverdi-Zyklus: F. sang Caronte in "L’Orfeo", Nettuno in "Il ritorno d’Ulisse in patria" und "Das achte Madrigalbuch" (Regie: Jean-Pierre Ponnelle, musikalische Leitung: →Nikolaus Harnoncourt). Als markanter Sängerdarsteller wurde F. häufig zu Gastspielen verpflichtet, so unter anderem an das Gran Teatre del Liceu Barcelona, an die Deutsche Oper Berlin, an das Théâtre Royal de la Monnaie in Brüssel, an die Staatsopern von Hamburg und München, an das Teatro di San Carlo in Neapel, an das Teatro dell’Opera in Rom, an die Salzburger und Bayreuther Festspiele, an das Staatstheater Stuttgart, an die Staatsoper Wien und an das Staatstheater Wiesbaden. Seit 1981 sang er regelmässig an der Komischen Oper Berlin, vorwiegend in Inszenierungen von Harry Kupfer. Seine letzte Premiere – im September 1993 – war an diesem Hause die Titelpartie in Rimski-Korsakows "Das Märchen vom Zaren Saltan". Umfangreiche Tätigkeit auch als Konzertsänger. Mehrere Einspielungen auf Tonträger.



Autor: Paul Suter



Bibliografische Angaben zu diesem Artikel:

Suter, Paul: Hans Franzen, in: Kotte, Andreas (Hg.): Theaterlexikon der Schweiz, Chronos Verlag Zürich 2005, Band 1, S. 625.

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