Hans Heinz Moser

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* 9.5.1936 Bern, auch Hans-Heinz M. ∞ Anja van Bosch, Schauspielerin.

Nach dem Abbruch des Gymnasiums und der kaufmännischen Lehre verschiedene Hilfstätigkeiten an der →Komödie Basel unter →Egon Karter, etwa als Platzanweiser, Sekretär, Inspizient, Regieassistent und Statist. Dazwischen 1955–56 halbjährige Schauspielausbildung bei →Margarethe Schell-von Noé am →Konservatorium für Musik Bern sowie erste (teilweise grössere) Rollen am →Theater der Untern Stadt in Bern und am →Stadttheater Luzern. 1957/58 erstes festes Engagement als Schauspieler wiederum an der Komödie, 1958–59 Auftritte am Theater im Zimmer und an den Kammerspielen in Hamburg. 1959–64 wirkte M. als Ensemblemitglied und 1964/65 als Gast am →Stadttheater St. Gallen, wo er rund vierzig Haupt- und Nebenrollen verkörperte, so beispielsweise Tom in Williams’ "Die Glasmenagerie", Lövborg in Ibsens "Hedda Gabler", Horatio in Shakespeares "Hamlet", Franz Moor in Schillers "Die Räuber" und Wurm in dessen "Kabale und Liebe", Orin in O’Neills "Trauer muss Elektra tragen" sowie die Titelrolle in Camus’ "Caligula". Ab 1965 trat M. in kleineren Rollen am →Schauspielhaus Zürich auf, 1968 kehrte er wieder ans Stadttheater St. Gallen zurück (unter anderem Hwang Ti, Kaiser von China, in →Max Frischs "Die chinesische Mauer", Schweyk in →Bertolt Brechts "Schweyk im Zweiten Weltkrieg" und König Heinrich II. in Anouilhs "Becket oder Die Ehre Gottes"). Es folgten Engagements an Theatern in Deutschland: 1969–71 an den Bühnen der Landeshauptstadt Kiel (beispielsweise Edek in Mrożeks "Tango", Titelrolle in →Friedrich Dürrenmatts "König Johann", Luther in Dieter Fortes "Martin Luther und Thomas Münzer oder Die Einführung der Buchhaltung") und 1971–73 an den Niedersächsischen Staatstheatern Hannover (unter anderem Jago in Shakespeares "Othello", Polizeichef Brown in Brecht/Weills "Die Dreigroschenoper"). 1973–79 gehörte M. unter der Direktion von →Walter Oberer zum Ensemble des →Stadttheaters Bern. Zu den wichtigsten seiner rund dreissig Rollen gehörten dort der Mohr Hassan in Schillers "Die Verschwörung des Fiesco zu Genua", der Fleischkönig Mauler in Brechts "Die heilige Johanna der Schlachthöfe", Schigolch in →Frank Wedekinds "Lulu", die Titelrolle in →Herbert Meiers "Stauffer-Bern" sowie erneut Hwang Ti, Luther und Schweyk. Daneben spielte M. 1976 beim →Theater für den Kanton Zürich Chlaus Lymbacher, die Titelrolle in der Uraufführung von →Meinrad Inglins "Der Robbenkönig". Ab 1979 freischaffend tätig, wurde M. Ende der siebziger Jahre – in der Nachfolge →Heinrich Gretlers – schweizweit bekannt und populär als Wachtmeister Studer in mehreren Fernsehverfilmungen von Friedrich Glausers Kriminalromanen (1977 "Krock & Co.", 1979 "Der Chinese", 1980 "Matto regiert"). Bis Mitte der achtziger Jahre blieb der kraftvolle Charakterdarsteller mit dem markanten Gesicht und der ihm eigenen Präsenz aber weiterhin hauptsächlich für die Bühne tätig und verkörperte als Gast tragende Rollen am Theater für den Kanton Zürich, am →Sommertheater Winterthur, am Stadttheater St. Gallen (1981 Hoederer in Sartres "Die schmutzigen Hände", 1982 Titelrolle in Shakespeares "König Lear"), am Stadttheater Luzern, an den →Basler Theatern (1984 Titelrolle in →Cäsar von Arx’ "Die Geschichte vom General Johann August Sutter"), in der Wasserkirche in Zürich (1984 Titelrolle in Hofmannsthals "Jedermann", einer Produktion von →Eynar Grabowsky) und in Bern am →Atelier-Theater sowie – unter der Schauspieldirektion und Regie von →Peter Borchardt – regelmässig am Stadttheater (unter anderem 1982 Brown in Brecht/Weills "Die Dreigroschenoper", 1983 Mephisto in Goethes "Faust I", 1984 Titelrolle in Shakespeares "Der Kaufmann von Venedig", 1985 Dorfrichter Adam in Kleists "Der zerbrochene Krug" und Puntila in Brechts "Herr Puntila und sein Knecht Matti" sowie 1986 Titelrolle in dessen "Leben des Galilei"). Mitte der achtziger Jahre verlegte M. den Schwerpunkt seines Wirkens auf Fernsehen und Film, wobei er vor allem durch verschiedene Serien-Hauptrollen im gesamten deutschsprachigen Raum Bekanntheit erlangte. Er spielte etwa den Zirkuskoch Domröse in "Roncalli" (ARD, 1986–87), den Prokuristen in "Stahlkammer Zürich", den Tüftler Ernst Bornicke in "Der Prins muss her" (beide ARD, 1987), den Tierarzt Hannes Bayer in "Ein Heim für Tiere" (ZDF, 1988–92), den Polizeioberkommissar Maybach in "Die Wache" (RTL, 1994–96) und den Klinikchef Waizmann in "St. Angela" (ARD, 1997–99). Seit 1999 verkörpert M. den Schokoladenfabrikanten Jean-Jacques Blanc in der Soap "Lüthi & Blanc" des Schweizer Fernsehens DRS. Neben seinen Film- und Fernseharbeiten trat M. weiterhin gelegentlich in Theaterproduktionen auf, so unter anderem beim →Landschaftstheater Ballenberg (1997 Jau in Hauptmanns "Schluck und Jau") und auf Tourneen (beispielsweise 1992 mit einer Wiederaufnahme der "Jedermann"-Produktion von 1984).



Autorin: Tanja Stenzl



Bibliografische Angaben zu diesem Artikel:

Stenzl, Tanja: Hans Heinz Moser, in: Kotte, Andreas (Hg.): Theaterlexikon der Schweiz, Chronos Verlag Zürich 2005, Band 2, S. 1279–1280.

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