Hans Rosbaud

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* 22.7.1895 Graz (A), † 29.12.1962 Lugano TI, eigentlich Johann R.

Der aus einer Musikerfamilie stammende R. studierte am Hoch’schen Konservatorium in Frankfurt am Main (Klavier bei Alfred Hoehn, Komposition und theoretische Fächer bei Bernhard Sekles). 1921–28 Direktor der städtischen Musikschule Mainz, Dirigierverpflichtungen in Konzert und Oper, 1929–37 Leiter der Musikabteilung beim Frankfurter Rundfunk und erster Kapellmeister des Rundfunk-Symphonie-Orchesters. Danach Generalmusikdirektor in Münster (1937–41) und Strassburg (1941–44). 1945–48 war R. Chefdirigent der Münchner Philharmoniker. 1948 bis zu seinem Tod Chefdirigent des Südwestfunk-Orchesters Baden-Baden, mit dem er zahlreiche Konzerttourneen unternahm. Als Gast dirigierte R. in der Spielzeit 1951/52 erstmals am →Stadttheater Zürich (anlässlich der Neuinszenierung von Mozarts "Die Zauberflöte" durch →Oskar Wälterlin). Dort leitete er 1952/53 Richard Strauss’ "Elektra" (mit →Inge Borkh) und 1953/54 dessen "Frau ohne Schatten" sowie die Schweizer Erstaufführungen von →Rolf Liebermanns "Penelope" (1954) und "Die Schule der Frauen" (1957). 1955–57 war R. am selben Haus musikalischer Oberleiter und begeisterte durch seine Interpretationen von Beethovens "Fidelio", Bergs "Wozzeck" (mit →Willy Ferenz), →Arthur Honeggers "Antigone", Mozarts "Don Giovanni" und "Die Zauberflöte", Johann Strauß’ "Die Fledermaus", Richard Strauss’ "Salome" und →Richard Wagners "Die Meistersinger von Nürnberg" und "Parsifal". Das herausragende Ereignis dieser Ära war die szenische Uraufführung von Schönbergs "Moses und Aron" (6.6.1957), die R. in Zusammenarbeit mit →Karl-Heinz Krahl (Regie) und Paul Haferung (Ausstattung) leitete. Dieses Werk hatte er bereits am 12.3.1954 in der Musikhalle Hamburg zur konzertanten Uraufführung gebracht. Die Musik Schönbergs, mit dem R. persönlich befreundet war, lag ihm besonders am Herzen. Im Rahmen des Holland Festivals 1958 in Amsterdam und Den Haag dirigierte er dessen Kurz­opern "Erwartung" und "Von heute auf morgen". Seit 1948 enge Zusammenarbeit mit dem Festival von Aix-en-Provence, wo er nicht nur zahlreiche Konzerte gab, sondern auch besondere Reputation als Dirigent Mozart’scher Opern erwarb. R. setzte sich als bedeutender Vermittler der Moderne von Anbeginn beharrlich für zeitgenössische Musik ein und gelangte mit →Paul Hindemith, Strawinsky, Bartók, Webern, Berg, Karl Amadeus Hartmann, Boris Blacher und anderen in engen Kontakt. Nach dem Zweiten Weltkrieg internationale Karriere als Konzertdirigent (Europa, Nord- und Südamerika). Im November 1949 leitete R. erstmals das Tonhalleorchester Zürich, das er fortan jährlich in rund zwanzig Konzerten dirigierte. Seit 1957 wirkte er – parallell zu seiner Tätigkeit in Baden-Baden – als Chefdirigent der Tonhallegesellschaft Zürich. Klassik, Spätromantik (Bruckner, Richard Strauss, Mahler), Moderne und zeitgenössische Musik (darunter zahlreiche Uraufführungen von Schweizer Komponisten) waren die Pfeiler seiner Zürcher Programmgestaltung.

Auszeichnungen

  • Ehrenmitglied der Internationalen Gesellschaft für Neue Musik,
  • 1952 Schönberg-Medaille,
  • 1961 Hans-Georg-Nägeli-Medaille der Stadt Zürich.

Literatur

  • Evans, Joan: H. R. A Bio-Bibliography, 1992.

Nachlass

  • Washington State University Libraries.


Autor: Paul Suter



Bibliografische Angaben zu diesem Artikel:

Suter, Paul: Hans Rosbaud, in: Kotte, Andreas (Hg.): Theaterlexikon der Schweiz, Chronos Verlag Zürich 2005, Band 3, S. 1523–1524.

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