Hans Sahl

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* 20.5.1902 Dresden (D), † 26.4.1993 Tübingen (D). S. wuchs als Sohn jüdischer Eltern in Berlin auf.

Studium der Literatur- und Kunstgeschichte in München, Berlin, Leipzig und Breslau, dort 1924 Promotion, dann Rückkehr nach Berlin. Erste Erzählungen und Feuilletons; die Serie "Klassiker der Leihbibliothek" machte S. in Berlin mit einem Schlag berühmt. 1927–33 Buch-, Theater- und insbesondere Filmkritiker für "Der Montag-Morgen" (Berlin) und den "Berliner Börsen-Courier", freier Mitarbeiter weiterer Zeitungen. S. veröffentlichte Satiren und Glossen unter den Pseudonymen Peter Munk, Frans Floris und Salpeter. 1933 Emigration nach Prag, seit 1934 in Ascona und Zürich, zeitweise in Paris. S. schrieb Texte für diverse Exilzeitungen, aber auch für die Kabaretts Die →Pfeffermühle, Zürich, und das →Cabaret Cornichon, Zürich. 1937 verfasste S. als Auftragswerk zum 15. Schweizerischen Arbeiter-Sängerfest das in der Tradition des Agitproptheaters stehende Oratorium "Jemand. Ein Chorwerk" (Musik: Victor Halder, Pseudonym von →Tibor Kasics). Die Uraufführung mit 800 Mitwirkenden fand am 1.5.1938 im Limmathaus Zürich statt, im Juli folgten zwölf weitere Aufführungen in einem Festzelt am Bellevueplatz; 1943 Nachinszenierung durch die Neue Volksbühne Basel. Diverse Rundfunkarbeiten, unter anderem für Radio Beromünster. 1939–40 Internierung wie Walter Benjamin im französischen Nevers, im März 1941 Emigration über Marseille nach New York, dort Gelegenheitsarbeiten. 1942 wurde in den USA S.s Hörspiel "Urlaub vom Tod" ("Furlough from Death") ausgestrahlt. 1947 Reise nach Europa. 1947–53 Theater- und Kunstkritiker der "Neuen Zürcher Zeitung" in New York, Mitarbeit am Drehbuch zu →Leopold Lindtbergs Film "Die Vier im Jeep" (1951). 1952 wird S. amerikanischer Staatsbürger und kehrt 1953 vorübergehend nach Deutschland zurück. 1958 trotz beruflicher Erfolge wieder in die USA, 1958–75 New Yorker Kulturkorrespondent für "Die Welt" (Berlin) und die "Süddeutsche Zeitung" (München). 1989 Übersiedlung in die BRD. Ab den siebziger Jahren vermehrt wieder literarische Produktion: "Wir sind die Letzten" (Gedichte, 1976), "Die Wenigen und die Vielen" (Roman, 1977), 1978–80 Texte für →Elsie Attenhofers Cabaret Sanduhr, "Memoiren eines Moralisten" (1983), zuletzt "Der Tod des Akrobaten" (Erzählungen, 1992). Weitere Bühnenwerke: "Hausmusik" (Uraufführung 14.11.1981, American Jewish Theatre New York), die Anti­oper "Rubinstein oder Der Bayreuther Totentanz" (1984; Uraufführung 31.10.1991 am Landestheater Württemberg-Hohenzollern in Tübingen). S. übersetzte zahlreiche englischsprachige Schauspiele, darunter Thornton Wilders "Eine kleine Stadt" und "Wir sind noch einmal davongekommen", Tennessee Williams "Die letzte meiner echtgoldenen Uhren" und "Süsser Vogel der Jugend", Arthur Millers "Der Preis", "Nach dem Sündenfall" und "Zwischenfall in Vichy" und Arthur Kopits "Oh Vater, armer Vater, Mutter hing dich in den Schrank, und ich bin ganz krank". Vorstandsmitglied des Schutzverbands Deutscher Schriftsteller (bis August 1939), Mitglied des PEN-Zentrums deutscher Autoren im Ausland (London), 1962 Mitglied der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung, Darmstadt, Ehrenmitglied der Else Lasker-Schüler-Gesellschaft. Seit 1995 verleiht der Autorenkreis der Bundesrepublik einen nach S. benannten Literaturpreis.

Auszeichnungen

  • 1959 Bundesverdienstkreuz 1. Klasse der Bundesrepublik Deutschland,
  • 1979 Thornton Wilder Prize der Columbia University, New York,
  • 1984 Andreas-Gryphius-Preis,
  • 1993 Carl-Zuckmayer-Medaille.

Literatur

  • Marti, Erwin: Aufbruch, 1977.
  • Mittenzwei, Werner: Exil in der Schweiz, 1981.
  • Skwara, Erich Wolfgang: H. S. Leben und Werk, 1986.
  • Ackermann, Gregor/Brodersen, Momme: H. S.: Eine Bibliografie seiner Schriften, 1995.

Nachlass

  • Deutsches Literaturarchiv, Marbach.


Autor: Werner Wüthrich



Bibliografische Angaben zu diesem Artikel:

Wüthrich, Werner: Hans Sahl, in: Kotte, Andreas (Hg.): Theaterlexikon der Schweiz, Chronos Verlag Zürich 2005, Band 3, S. 1550–1551, mit Abbildung auf S. 1551..

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