Hans Züllig

Aus Theaterlexikon
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* 1.2.1914 Rorschach SG, † 8.11.1992 Essen (D).

Erste Tanzstunden an der Schule der Geschwister Wanda und Herta Bentele in St. Gallen. Berufsausbildung 1931–34 bei Kurt Jooss und →Sigurd Leeder an der Folkwangschule Essen und im englischen Dartington Hall, tanzte bereits 1932 beim Choreografie-Wettbewerb in Paris den jungen Soldaten in der Uraufführung von Jooss’ Choreografie "Der grüne Tisch" (Musik: Fritz Cohen). Bis 1947 Tänzer bei den Ballets Jooss mit Rollenkreationen 1935 in "Ballade" und "Tonight", 1939 in "A Spring Tale", 1944 in Jooss’ "Pandora" (Musik: Roberto Gerhard), 1946 in Leeders "Sailor’s Fancy" (Musik: Martin Penny) und seinem eigenen "Le Bosquet" (Musik: Jean Philippe Rameau) sowie in unvergessenen, massstabsetzenden Interpretationen des Arbeiters in "Grossstadt" (Musik: Alexandre Tansman) und des Kriegsgewinnlers in "Der grüne Tisch". 1948/49 war er als moderner Tänzer und viel bewunderter Solist beim klassischen Sadler’s Wells Theatre Ballet in London, wo er in Andrée Howards "Selna" (Musik: Rossini) und John Crankos "Sea Change" (Musik: Sibelius) Rollen kreierte. Z. kehrte mit Jooss nach Deutschland zurück und tanzte 1951–53 als Solist beim Folkwang Tanztheater in Essen. 1953/54 kam er als Solotänzer und Pädagoge ans →Stadttheater Zürich, gab als Leiter und Lehrer der →Schweizerischen Theatertanzschule neue Impulse und tanzte zum Beispiel in →Jaroslav Bergers "La Création du monde" (Musik: Milhaud) und →Hans Mackes "Pêle-Mêle" (Musik: Franz Tischhauser). 1954 folgte er Jooss als Solist und zweiter Ballettmeister an die städtischen Bühnen Düsseldorf und war 1956–61 als Tänzer, Choreo­graf und Pädagoge an der Universität Santiago de Chile. Z. unterrichtete schon während seiner Tänzerkarriere und war einer der einflussreichsten und prägendsten Pädagogen an der Folkwang Hochschule in Essen. Er zählt zu den wichtigsten Vermittlern der Tanzkunst im 20. Jahrhundert. 1968–83 leitete er mit dem Titel eines Professors die Abteilung Tanz und das Folkwang Tanzstudio, bildete die meisten Protagonisten des deutschen Tanztheaters aus und war zudem von 1973 bis zu seinem Tod Trainingsleiter beim Tanztheater Wuppertal von Pina Bausch. Als Gastlehrer war er in Frankreich, Italien, Spanien, Holland, China, Costa Rica, Hongkong, Taiwan und an den Sommerkursen des →SBTG in der Schweiz tätig.



Autorin: Ursula Pellaton



Bibliografische Angaben zu diesem Artikel:

Pellaton, Ursula: Hans Züllig, in: Kotte, Andreas (Hg.): Theaterlexikon der Schweiz, Chronos Verlag Zürich 2005, Band 3, S. 2159.

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