Hans von Rüte

Aus Theaterlexikon
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* unbekannt (um 1500), † 23.3.1558 Zofingen AG, auch Rüti.

Vermutlich Studium der Rechte an einer Hochschule, Schreiberlehre in Solothurn. Kontakt mit der Reformation, 1528 Umzug nach Bern und Erwerb des Burgerrechts, 1530 Unterschreiber, 1531 Gerichtsschreiber und Mitglied des Grossen Rats. Das Amt des Gerichtsschreibers hatte R. mit einer Unterbrechung in den Jahren 1545–46 bis zu seinem Weggang nach Zofingen im Jahr 1555 inne. Ab 1555 bis zu seinem Tod versah er das Amt des Stiftsschaffners in Zofingen. Neben juristischen Werken verfasste R. eine Reihe von Dramen, die von der Burgerschaft in Bern gespielt wurden. Das am 19.3.1531 aufgeführte Spiel "Ein Fassnachtspiel den ursprung, haltung und Baepstlicher Abgoettereyen allenklich verglychende" ist zugleich das letzte →Fastnachtspiel des stadtbernischen Spielbetriebs. Mit beissender Schärfe nimmt R. nochmals die schon von →Niklaus Manuel geübte Kritik am Papsttum auf. In der Folge waren solche Tendenzstücke nicht mehr erwünscht, und R. wandte sich dem biblischen Drama zu: "Joseph" (1538), "Gedeon" (1540), "Noe" (1546), "Ein kurtzes Osterspil" (1552, eigentlich 4. und 5. Kapitel der Johannesoffenbarung), "Goliath" (1555, basierend auf einem älteren Text). Für R.s Bibeldramen ist kennzeichnend, dass er die alttestamentlichen Stoffe mit der eidgenössischen Geschichte des 16. Jahrhunderts verband.

Literatur

  • Baechtold, Jakob: Geschichte der deutschen Literatur in der Schweiz, 1892.
  • R., H. v.: Sämtliche Dramen, herausgegeben von Friederike Christ-Kutter, Klaus Jaeger und Hellmut Thomke, 2000.


Autor: Heidy Greco-Kaufmann



Bibliografische Angaben zu diesem Artikel:

Greco-Kaufmann, Heidy: Hans von Rüte, in: Kotte, Andreas (Hg.): Theaterlexikon der Schweiz, Chronos Verlag Zürich 2005, Band 3, S. 1546–1547.

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