Hede Weimann

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* 31.12.1888 Berlin (D), † 3.11.1979 Luzern, eigentlich Hedwig W. ∞ →Rudolf Weisker, Sänger, Schauspieler und Regisseur.

Engagements (teilweise auch unter dem Namen Weisker-W.) 1916–19 am Grossherzoglichen Hoftheater Darmstadt, 1921–25 am →Stadttheater Basel, 1925–28 am →Stadttheater Bern, 1928–31 am Reußischen Theater Gera, 1931–34 an den Vereinigten Städtischen Theatern Kiel und 1941–73 am →Stadttheater Luzern. Die ungewöhnliche Zusammensetzung ihres Repertoires weist W. als Solistin aus, die sich in verschiedensten Stimmfächern behaupten konnte. So sang sie am Stadttheater Basel nicht nur die grossen Sopranpartien in Operetten (Titelpartie in Kálmáns "Gräfin Mariza", Angèle Didier in Lehárs "Der Graf von Luxemburg", Rosalinde in Johann Strauß’ "Die Fledermaus", Kurfürstin Marie in Zellers "Der Vogelhändler"), sondern übernahm mit Hänsel in Humperdincks "Hänsel und Gretel", Meg Page in Verdis "Falstaff" sowie den Wagner-Partien Venus in "Tannhäuser", Erda in "Das Rheingold" und Fricka in "Die Walküre" auch Aufgaben für Mezzosopran und tiefen Alt. In Bern wirkte W. – ausser in Opern (etwa Nicklausse in Offenbachs "Les Contes d’Hoffmann", Olga in Tschaikowskys "Eugen Onegin" und Maddalena in Verdis "Rigoletto") – vor allem als erste Operettensängerin: unter anderem Helene in Leo Falls "Der liebe Augustin", Nadja Nadjakowska in Bruno Granichstaedtens "Der Orlow", Titelpartien in Walter Wilhelm Goetzes "Adrienne", Offenbachs "La Belle Hélène" und Oscar Straus’ "Riquette" sowie Gabriele in Johann Strauß’ "Wiener Blut". Sie sang dort ausserdem in mehreren Schweizer Erstaufführungen, so Lucia in Suppés "Die grosse Unbekannte", Fürstin Maria Anna Elisa in Lehárs "Paganini", Fürstin Fedora Palinska in Kálmáns "Die Zirkusprinzessin" und Prinzessin Nastja in Robert Stolz’ "Der Mitternachtswalzer" (alle 1926). In späteren Jahren gestaltete W. am Stadttheater Luzern nicht nur markante Rollenporträts als komische Alte (beispielsweise Madame Beau­buisson in Richard Heubergers "Opernball", Palmatica in Millöckers "Der Bettelstudent", Junon in Offenbachs "Orphée aux enfers"), sondern war als beliebte Charakter- und Mutterdarstellerin in zahlreichen Schauspielrollen zu sehen, so etwa als Marthe Schwerdtlein in Goethes "Faust I", Frau Brigitte in Kleists "Der zerbrochene Krug", Madame Pernelle in Molières "Tartuffe", Julias Amme in Shakespeares "Romeo und Julia", Frau Higgins in Shaws "Pygmalion" und Bobbi in →Carl Zuckmayers "Katharina Knie" sowie als Ruza von Jankovic in der Uraufführung von Tilla Durieux’ "Zagreb 1945" (1946, Regie: →Paul Schill) und in den Schweizer Erstaufführungen von Anouilhs "Romeo und Jeannette" (1950 als Mutter, Regie: →Albert Wiesner), Albert Hussons "Eine schöne Bescherung" (1952 als Amelie, Regie: →Ernst Dietz), Graham Greenes "Das Geheimnis" (1958 als Mrs. Potter, Regie: Gert Omar Leutner), Williams’ "Der steinerne Engel" (1958 als Frau Winemiller, Regie: Imo Moszkowicz), Horváths "Glaube Liebe Hoffnung" (1963 als Frau Amtsgerichtsrat, Regie: Klaus Kessler) und Peter Weiss’ "Die Verfolgung und Ermordung Jean Paul Marats" (1965 als Coulmiers Frau, Regie: →Horst Gnekow).



Autor: Paul Suter



Bibliografische Angaben zu diesem Artikel:

Suter, Paul: Hede Weimann, in: Kotte, Andreas (Hg.): Theaterlexikon der Schweiz, Chronos Verlag Zürich 2005, Band 3, S. 2064–2065, mit Abbildung auf S. 2065.

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