Heinrich Keller

Aus Theaterlexikon
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* 17.2.1771 Zürich, † 21.12.1832 Frascati bei Rom (I), Pseudonyme: H. J. Burke, F. H. Thelo, Heinrich von Itzenloe. Neffe des Geschichtsforschers, Schriftstellers und Staatsmanns Hans Heinrich Füssli.

Ab 1789 Jura-Studium in Bern, 1791–94 Schüler des Bildhauers Joseph Anton Maria Christen in Stans und Luzern. 1794 reiste K. über Florenz nach Rom, wo noch vor seiner Abreise Alexander Trippel verstorben war, in dessen Werkstatt K. sich hatte weiterbilden wollen. In Rom betrieb er praktische Anatomie, studierte die Antike und trat in Kontakt zu Altertumsforschern wie dem Archäologen Georg Zoëga und dem Kunstkritiker Carl Ludwig Fernow, Künstlern wie Asmus Jacob Carstens, Angelika Kaufmann und Bertel Thorvaldsen, Schriftstellern wie Friederike Brun und Karl Viktor von Bonstetten. Mit wenigen Hauptwerken wie "Diomedes mit dem Palladium" (1796, Kunsthaus Zürich) und "Geburt der Venus" (1799) etablierte sich K. als Vertreter der deutsch-klassizistischen Skulptur. Nach seiner Konversion zum Katholizismus war K. ab 1804 als Dolmetscher-Sekretär der römischen "Propaganda" (der späteren Missionskongregation) tätig. Geschwächt durch ein Lungenleiden und die Folgen eines Unfalls, schuf K. in der zweiten Lebenshälfte nur mehr wenige Werke, etwa den "Kenotaph Friedrichs von Graffenried" (1812, Bernisches Historisches Museum). K. wandte sich vermehrt dem Marmorhandel sowie der schon zuvor betriebenen Schriftstellerei zu, verfasste Artikel, Übersetzungen, Elegien und Gedichte sowie einen Führer durch die Römer Ateliers ("Elenco di tutti gli pittori scultori architetti […]", 1824). Erste dramatische Arbeiten bildeten 1803 das Schauspiel "Latona", das Marionettenspiel "Der Pfauen Tod" und Entwürfe zu "Ines del Castro" (gedruckt 1808). Seine anonym oder unter Pseudonym veröffentlichten, von der Romantik beeinflussten Bühnenwerke "Franzeska und Paolo" (1808) und "Judith" (1809) lieferten den Nazarenern später Stoffe für Illustrationen. Die zweibändige Ausgabe "Vaterländische Schauspiele" (1813–14) enthält die in jambischen Versen verfassten Stücke "Karl der Kühne", "Hans Waldmann" und "Heimkehr in die Alpen". Ein dritter Band brachte 1816 "Die Eroberung von Byzanz" und "Johanna I., Königin von Neapel" heraus. Mehrere weitere Schauspiele sind heute verschollen.

Literatur

  • Wyss, Bernhard: H. K., 1891.
  • Zollikofer, Kaspar: Der Zürcher Bildhauer H. K. in Rom. In: Holzhey, Helmut/Zurbuchen, Simone (Hg.): Alte Löcher – neue Blicke. Zürich im 18. Jahrhundert, 1997.

Nachlass

  • Kunsthaus Zürich.


Autor: Reto Caluori



Bibliografische Angaben zu diesem Artikel:

Caluori, Reto: Heinrich Keller, in: Kotte, Andreas (Hg.): Theaterlexikon der Schweiz, Chronos Verlag Zürich 2005, Band 2, S. 979–980.

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