Heinrich Sutermeister

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* 12.8.1910 Feuerthalen ZH, † 16.3 1995 Vaux-sur-Morges VD. Bruder des Autors →Peter S., Urenkel des Komponisten Cornelius S.

S. studierte zunächst Musikgeschichte und moderne Sprachen in Basel und Paris. Beindruckt von →Arthur Honeggers Schaffen, das er in Paris kennen gelernt hatte, brach er sein Studium ab und besuchte 1931–34 die Staatliche Akademie der Tonkunst in München, wo er Schüler von Walter Courvoisier, Hans Pfitzner und Carl Orff war. 1934/35 Korrepetitor am →Stadttheater Bern. Danach lebte er als freier Komponist, seit 1942 in seinem Anwesen in Vaux-sur-Morges. 1963–75 leitete er eine Kompositionsklasse an der Staatlichen Hochschule für Musik in Hannover. Nach ersten erfolgreichen Kompositionen von Kammer- und Orchesterwerken sowie Liedern entstand 1936 seine erste Oper "Die schwarze Spinne" (Libretto: Albert Rösler nach →Jeremias Gotthelf, Erstsendung 15.10.1936 von Radio Bern, Bühnenfassung 16.2.1949 am →Stadttheater St. Gallen, Regie: →Karl Gotthilf Kachler, musikalische Leitung: →Silvio Varviso). S.s Durchbruch erfolgte 1940, als "Romeo und Julia" (Libretto: S. nach Shakespeare) am 13. April an der Sächsischen Staatsoper Dresden von Karl Böhm uraufgeführt und von mehreren Bühnen nachgespielt wurde. Im selben Opernhaus fand am 30.10.1942 "Die Zauberinsel" (Libretto: S. nach Shakespeares "Der Sturm") begeisterte Aufnahme. In der Schweiz hingegen war es für S. – nach den erfolgreichen Aufführungen im deutschen Reich – nicht leicht, anerkannt und objektiv beurteilt zu werden. Sein Monodrama "Niobe" (Libretto: Peter S.), am 22.6.1946 am →Stadttheater Zürich uraufgeführt, fand beim Publikum nur ein geringes Interesse. Die nächsten Uraufführungen fanden daher in Stockholm an der Königlichen Oper statt (14.10.1948 "Raskolnikoff", Libretto: Peter S. nach Dostojewskis "Schuld und Sühne", und 22.11.1951 "Der rote Stiefel", Libretto: S. nach Hauffs "Das kalte Herz"). Am 14.4.1958 brachte das →Stadttheater Basel die Uraufführung von "Titus Feuerfuchs" heraus (Libretto: S. nach Nestroys "Der Talisman", Regie: →Hermann Wedekind, musikalische Leitung: Silvio Varviso). Im Auftrag des Berner Radiostudios enstanden mehrere Kompositionen, später schrieb S. auch Fernsehopern, beispielsweise "Seraphine der Die stumme Apothekerin" (Libretto: S. nach Rabelais, 10.6.1959 im Schweizer Fernsehen DRS, Bühnenfassung am 25.2.1960 im Cuvilliés-Theater München) und "Das Gespenst von Canterville" (Libretto: S. nach Wilde am 6.9.1964 im ZDF). Am 26.5.1967 wurde am →Opernhaus Zürich "Madame Bovary" uraufgeführt (Libretto S. nach Flaubert, Regie: →Michael Hampe, musikalische Leitung: Reinhard Peters), am 22.7.1985 im Cuvilliés-Theater München mit grossem Erfolg seine letzte Oper "Le Roi Bérenger" (Libretto: Ionesco und S. nach Ionescos "Der König stirbt", Regie: Jorge Lavelli, musikalische Leitung: Wolfgang Sawallisch). S. schrieb ausserdem die Musik für das Festspiel "Das Laupenspiel", Festvorstellung im Zyklus 750 Jahre Bern, das am 20.9.1941 im Stadttheater Bern uraufgeführt wurde (Libretto: →Werner Juker, Regie: →Franz Schnyder, musikalische Leitung: Kurt Rothenbühler) sowie für →Erwin Kohlunds Neuinszenierung von Calderóns "Das grosse Welttheater" 1960 in Einsiedeln (→Welttheater Einsiedeln). Diverse Hörspielmusiken, die Filmmusik zu "Der Mann, der nicht nein sagen konnte" (1985, Regie: →Kurt Früh) sowie Instrumental- und Vokalwerke. 1958–80 war S. Präsident der Schweizerischen Urheberrechtsgesellschaft Mechanlizenz und ab 1977 korrespondierendes Mitglied der Bayrischen Akademie der schönen Künste.

Auszeichnungen

unter anderem

  • 1962 Preis der Société des auteurs et compositeurs dramatiques,
  • 1965 Opernpreis der Stadt Salzburg,
  • 1967 Preis des Schweizerischen Tonkünstlervereins für "Madame Bovary",
  • 1981 Fendt-Binet-Preis des schweizerischen Bundesrats,
  • 1991 Prix Pierre Meylan.

Literatur

  • Larese, Dino: H. S., 1972.
  • Birkner, Günter: H. S. Der Weg des Bühnenkomponisten, 1985.

Nachlass

  • Zentralbibliothek Zürich.


Autorin: Ingrid Bigler-Marschall



Bibliografische Angaben zu diesem Artikel:

Bigler-Marschall, Ingrid: Heinrich Sutermeister, in: Kotte, Andreas (Hg.): Theaterlexikon der Schweiz, Chronos Verlag Zürich 2005, Band 3, S. 1781–1782.

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