Heinz Rosen

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* 3.7.1908 Hannover (D), † 25.12.1972 Kreuzlingen TG, eigentlich Heinz Levi Rosenthal. ∞ II. 1961 Ilse Elkins (Ilse Doris Karola Dammann), Schauspielerin, Theater- und Filmagentin.

Tanzausbildung bei →Harald Kreutzberg, Yvonne Georgi und →Rudolf von Laban und Victor Gsovsky in Berlin. Er tanzte zuerst bei der Kammertanzbühne Laban Berlin und 1930–34 bei den Ballets Jooss, war also dabei, als die Gruppe 1932 in Paris mit "Der grüne Tisch" (Musik: Fritz Cohen) am Internationalen Choreografie-Wettbewerb die Goldmedaille gewann. Er war eines der drei jüdischen Mitglieder gegen deren Entlassung Kurt Jooss 1933 vergeblich intervenierte. Dies war einer der Gründe für die Emigration der Jooss-Truppe nach England. 1934 Emigration in die Schweiz. 1934–36 Tänzer und Ballettmeister am →Stadttheater St. Gallen; R. choreografierte dort "Coppélia" (Musik: Léo Delibes), "Die Puppenfee" (Musik: Josef Bayer) und "Der Dreispitz" (Musik: de Falla). 1936–45 arbeitete er am →Stadttheater Zürich, zuerst 1936–38 als Tänzer und stellvertretender Ballettmeister, 1938/39 als Solotänzer und einziger Ballettmeister und 1939–45 als Solotänzer und zweiter Ballettmeister. R. schuf 1939 eine eigene Version von Glucks "Don Juan", war sonst jedoch neben →Pia und Pino Mlakar und →Hans Macke vor allem für die Balletteinlagen der Opern und Operetten verantwortlich. Die Truppe liebte die Arbeit mit ihm, weil er das Tänzerisch-Musikalische besonders pflegte und seine Choreografien stets auf die Persönlichkeit der Interpreten abstimmte. Auch Choreografien für das →Schauspielhaus Zürich und das →Städtebundtheater Biel-Solothurn. 1945 wechselte er an das →Stadttheater Basel, nahm einen Teil der Zürcher Truppe mit und konnte als Leiter des Balletts seine Vorstellung einer Synthese von Handlung und Tanz in vielen Werken verwirklichen, so in "Vom Krieg zum Frieden" (Musik: →Marko Rothmüller), "Den Opfern" (Musik: Heitor Villa-Lobos), in den Uraufführungen von "L’Indifférent" (Musik: →Hans Haug) sowie "Visions en masques" (Libretto: R./Walter Korff, Musik: →Max Lang) und in vielen Neufassungen bekannter Ballette wie Bayers "Die Puppenfee", "Scheherazade" (Musik: Rimski-Korsakow), "Carnaval" (Musik: Robert Schumann), "Polowetzer-Tänze" (Musik: Alexander Borodin), "Façade" (Musik: William Walton), Delibes’ "Coppélia" und Tschaikowskys "Die Nussknackersuite". Er kehrte 1951 nach Deutschland zurück und machte als Choreograf und Regisseur für Musical, Oper und Schauspiel Karriere. Weltberühmt wurde er mit der Uraufführung von Jean Cocteaus Ballett "Die Dame und das Einhorn" (Musik: Jacques Chailley) am 9.5.1953 am Theater am Gärtnerplatz München (Choreografie und Regie: R., Bühnenbild und Kostüme nach Entwürfen Cocteaus). Es folgten Tourneen mit wechselnden Balletttruppen unter anderem in Paris, New York, Buenos Aires. Gastinszenierungen unter anderem an der Bayerischen Staatsoper (1958 Richard Strauss’ "Josephslegende" und Carl Orffs "Trionfi") und an der Deutschen Oper am Rhein, Düsseldorf-Duisburg. 1959–67 war er Ballettdirektor an der Bayerischen Staatsoper München (Werner Egks "Joan von Zarissa" und "Danza", Strawinskys "Renard" und "Der Feuervogel"). Rücktritt 1967 nach Auseinandersetzungen mit der Intendanz sowie antisemitischen Äusserungen und anonymen Drohungen. Gastchoreograf unter anderem in Paris, Berlin, Wien. Daneben choreografierte er für Filme wie "Das tanzende Herz" (1953) und "Stern von Rio" (1955).

Auszeichnungen

  • Preis des Ballettfestivals Paris für "Renard".

Literatur

  • R., H. (Hg.): Ballett Theater, 1963.

Nachlass

  • Deutsches Theatermuseum München.


Autorin: Ursula Pellaton



Bibliografische Angaben zu diesem Artikel:

Pellaton, Ursula: Heinz Rosen, in: Kotte, Andreas (Hg.): Theaterlexikon der Schweiz, Chronos Verlag Zürich 2005, Band 3, S. 1524.

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