Helmuth Lohner

Aus Theaterlexikon
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* 24.4.1933 Wien (A), auch Helmut L. ∞ I. und II. Susanne Cramer, Schauspielerin, ∞ III. Karin Baal, Schauspielerin, ∞ IV. Ricarda Reinisch, Journalistin. Vater der Schauspielerin Therese L.

Nach einer Grafiklehre Besuch der Arbeiterhochschule, danach privater Schauspielunterricht. L. debütierte als Chorist am Stadttheater Baden bei Wien, als Operetten-Buffo war er am Stadttheater Klagenfurt engagiert. 1954–61 war L. am Theater in der Josefstadt in Wien engagiert. Sein Filmdebüt gab er 1955 in "Hotel Adlon", es folgten zahlreiche Rollen, zumeist in kommerziellen Unterhaltungsfilmen. L. wirkte an fast allen grossen deutschsprachigen Bühnen, unter anderem spielte er 1963 am Theater am Kurfürstendamm in Berlin den Dichter in Strindbergs "Ein Traumspiel" (Regie: Oscar Fritz Schuh). An den Münchner Kammerspielen war er unter anderem 1965 als Ferdinand in Schillers "Kabale und Liebe" (Regie: Fritz Kortner) und 1967 als Alfred in Horváths "Geschichten aus dem Wiener Wald" zu sehen. 1966 gastierte L. am Deutschen Schauspielhaus in Hamburg als Henri in Schnitzlers "Der grüne Kakadu" (Regie: Schuh). Am Thalia-Theater Hamburg verkörperte er 1971 Prisipkin in Erdmanns "Der Selbstmörder" und 1973 den Färber in Nestroys "Der Färber und sein Zwillingsbruder", 1991 reüssierte er dort als Archie Rice in Osbornes "Der Entertainer". Am Düsseldorfer Schauspielhaus spielte L. 1972 die Titelrollen in Shakespeares "Richard III."und "Hamlet" sowie Mephisto in Goethes "Faust". L. wirkte regelmässig in der Schweiz: an der →Komödie Basel (1961 Titelrolle in Shakespeares "Hamlet" zur Eröffnung des umgebauten Hauses; 1964 Dauphin in Shaws "Die heilige Johanna"; 1964 Titelrolle in Vitracs "Victor oder Die Kinder an die Macht", Regie: Veit Relin) und vor allem über viele Jahre am →Schauspielhaus Zürich (unter anderem: 1964 Titelrolle in →Max Frischs "Don Juan oder Die Liebe zur Geometrie", Regie: →Kurt Hirschfeld; 1964 Alfred in Horváths "Geschichten aus dem Wiener Wald", Regie: Michael Kehlmann; 1967 Titus Feuerfuchs in Nestroys "Der Talisman", Regie: →Michael Hampe; 1971 Orin in O’Neills "Trauer muss Elektra tragen", Regie: Karl-Heinz Stroux; 1973 Mosca in Jonsons "Volpone", Regie: Kehlmann; 1974 Titelrolle in Shakespeares "Richard III.", Regie: Manfred Wekwerth; Luzifer in Millers "Die Erschaffung der Welt"; 1975 Bunting in der Uraufführung von →Carl Zuckmayers "Der Rattenfänger", Regie: →Leopold Lindtberg; 1976 Flieger in →Bertolt Brechts "Der gute Mensch von Sezuan", Regie: Wekwerth; 1987 Hofreiter in Schnitzlers "Das weite Land", Regie: →Hans Hollmann). 1970 ging er mit der →Bühne 64 Zürich auf Tournee als Oswald in Ibsens "Gespenster". 1975 spielte er am →Opernhaus Zürich Henry Higgins in Loewe/Lerners "My Fair Lady". 1993 inszenierte er dort Offenbachs "La Belle Hélène" (musikalische Leitung: →Nikolaus Harnoncourt), 1997 Lehárs "Die lustige Witwe" (musikalische Leitung: →Franz Welser-Möst). 1982 wurde L. Ensemblemitglied des Wiener Burgtheaters, wo er unter anderem die Titelrolle in Goethes "Faust" (Regie: Otto Schenk) und Gajew in Tschechows "Der Kirschgarten" spielte. L. wirkte regelmässig bei den Salzburger Festspielen mit, unter anderem gab er den Bleichenwang in Shakespeares "Was ihr wollt", Titus Feuerfuchs in Nestroys "Der Talisman" (1976, Regie: Schenk), die Titelrolle in Nestroys "Der Zerrissene", Stephan von Sala in Schnitzlers "Der einsame Weg" (Regie: Thomas Langhoff, L. wurde dafür 1988 von der Zeitschrift "Theater heute" zum Schauspieler des Jahres gewählt) sowie Hofmannsthals "Jedermann" und den Astragalus in Raimunds "Alpenkönig und Menschenfeind" (Regie: →Peter Stein, mit Schenk als Rappelkopf). 1998 verkörperte L. an der Bayerischen Staatsoper München den Frosch in Johann Strauß’ "Die Fledermaus". 1997–2003 war L. Direktor des Theaters in der Josefstadt Wien, an dem er schon in den Jahren zuvor als Schauspieler und Regisseur gewirkt hatte. 2004 kehrte er nach dem vorzeitigen Rücktritt seines Nachfolgers Hans Gratzer als künstlerischer Berater ans Theater an der Josefstadt zurück.

Auszeichnungen

  • 1980 Josef-Kainz-Medaille der Stadt Wien,
  • 1988 Nestroy-Ring, 1991 Goldene Ehrenmedaille der Stadt Wien,
  • 1993 österreichischer Kammerschauspieler.


Autorin: Julia Danielczyk



Bibliografische Angaben zu diesem Artikel:

Danielczyk, Julia: Helmuth Lohner, in: Kotte, Andreas (Hg.): Theaterlexikon der Schweiz, Chronos Verlag Zürich 2005, Band 2, S. 1125–1126.

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