Herbert Wernicke

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* 24.3.1946 Auggen (D), † 16.4.2002 Basel. ∞ →Desirée Meiser, Schauspielerin.

1965–66 Musikstudium am Konservatorium Braunschweig (Klavier, Flöte, Dirigieren). 1967–71 Ausbildung zum Bühnenbildner bei Rudolf Heinrich an der Kunstakademie München. 1971 Bühnen- und Kostümbildner in Landshut, 1972–74 in Wuppertal. Ab 1975 war er freiberuflich tätig, unter anderem in München, Mannheim, Wiesbaden, Berlin (Zusammenarbeit vor allem mit Götz Friedrich und Kurt Horres). 1978 Regiedebüt mit Händels Oratorium "Belsazar" in Darmstadt, wo W. auch Lullys "Alceste" und Vivaldis "Juditha triumphans" inszenierte. 1983 begann dort die langjährige Zusammenarbeit mit dem Dramaturgen →Albrecht Puhlmann, die sich unter anderem in Kassel, Basel und Salzburg fortsetzte. W.s Inszenierungen waren wegen ihrer oft überraschenden Neudeutungen häufig umstritten. An der Hamburgischen Staatsoper inszenierte er 1983 Zemlinskys "Der Kreidekreis" und 1984 →Richard Wagners "Die Meistersinger von Nürnberg". Zwischen 1984 und 1987 erarbeitete W. am Staatstheater Kassel einen Zyklus über die barocke Idee des "Goldenen Zeitalters" (Florentiner Intermedien von 1589 unter dem Titel "Die Prophezeihung des Goldenen Zeitalters und der Schrecken der Hölle", Lullys "Phaéton", vier Kantaten von Johann Sebastian Bach unter dem Titel "O Ewigkeit, Du Donnerwort" und Glucks "Orfeo ed Euridice"). An der Frankfurter Oper Inszenierungen von Offenbachs "Les Contes d’Hoffmann", Richard Strauss’ "Elektra" und Schönbergs "Moses und Aron". Am Théâtre Royal de la Monnaie in Brüssel (unter der Generalintendanz von Gérard Mortier) in Zusammenarbeit mit dem Dirigenten Sylvain Cambreling Inszenierungen von Wagners Tetralogie "Der Ring des Nibelungen" (1991) sowie von Francesco Cavallis "La Calisto" (1993), Debussys "Pelléas et Mélisande" (1996) und Offenbachs "Orphée aux enfers" (1997). Regiearbeiten bei den Salzburger Festspielen (unter der Leitung Mortiers) unter anderem: 1993 Monteverdis "L’Orfeo", 1994 Mussorgskys "Boris Godunow", 1995 Richard Strauss’ "Der Rosenkavalier", 1996 Beethovens "Fidelio" sowie 1998 Verdis "Don Carlos". 2001 Debüt an der Metropolitan Opera New York mit Richard Strauss’ "Die Frau ohne Schatten". Eine langjährige Zusammenarbeit verband W. mit den Basler Theatern/dem →Theater Basel. Nach ersten Ausstattungen (unter anderem 1976 Bronnens "Exzesse" und Monteverdis "Die Krönung der Poppea", 1978 Hauptmanns "Die Ratten") und Inszenierungen (1982 Mozarts "Die Entführung aus dem Serail" und 1984 Verdis "Simon Boccanegra") verlagerte sich der Schwerpunkt von W.s künstlerischer Arbeit ab 1988 an dieses Theater: Aufsehen erregend und unkonventionell waren die Inszenierungen von fünf Operetten in W.s eigener Bearbeitung: 1988 Johann Strauß’ "Wiener Blut" in einer Transkription für sechs Konzertflügel, 1990 →Ralph Benatzkys "Im weissen Rössl", 1991 Offenbachs "La Belle Hélène", 1992 Johann Strauß’ "Die Fledermaus" und 1993 Giménez/de Burgos’ "Die Hochzeit des Luis Alonso oder Die Nacht vor dem Stierkampf". Ausserdem inszenierte er dort unter anderem 1989 Richard Strauss’ "Salome", 1992 Mozarts "Don Giovanni", 1994 Bizets "Carmen" und Händels "Theodora", 1996 dessen "Alcina", 1997 Mauricio Kagels "Aus Deutschland" (Koproduktion mit dem Holland Festival und den Wiener Festwochen), 1998 Bruno Madernas "Satyricon" und Händels "Giulio Cesare in Egitto", 1999 Lehárs "Die lustige Witwe" (im Badischen Bahnhof) sowie 2000 sechs Bachkantaten unter dem Titel "Actus tragicus" (2001 mit dem Bayerischen Theaterpreis ausgezeichnet). Weitere Operninszenierungen unter anderem an den grossen Opernhäusern in Amsterdam, Berlin, Brüssel, Hannover, London, Madrid, München, Paris, Salzburg und Wien.



Autoren: Thomas Blubacher/Paul Schorno



Bibliografische Angaben zu diesem Artikel:

Blubacher, Thomas/Schorno, Paul: Herbert Wernicke, in: Kotte, Andreas (Hg.): Theaterlexikon der Schweiz, Chronos Verlag Zürich 2005, Band 3, S. 2083–2084, mit Abbildung auf S. 2083.

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