Herisauer Bühne, Herisau AR

Aus Theaterlexikon
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Amateurtheater mit Aufführungen in lokaler Mundart

Am 3.4.1892 wurde auf Anregung von Pfarrer August Steiger der Dramatische Verein Herisau gegründet. Bis zum Ende des Jahrhunderts spielte der Dramatische Verein hauptsächlich Stücke, die Persönlichkeiten oder Ereignisse der Schweizer Geschichte thematisierten, wie beispielsweise →Charlotte Birch-Pfeiffers "Ulrich Zwinglis Tod", Carl Georg Jakob Sailers "Die Nonne von Wyl" und dessen "Gräfin von Toggenburg", Theodor Curtis "Hans Waldmann" und Fedor Sommers "Pestalozzi in Stans" sowie Lust- und Schauspiele (Volksstücke). Ab den zwanziger Jahren des 19. Jahrhunderts fanden immer mehr Lustspiele, Possen und Schwänke Eingang in den Spielplan (unter anderem von Blumenthal/Kadelburg, August Corrodi, →Emil Sautter, →Alfred Huggenberger, →Jakob Stebler). Nach dem Zweiten Weltkrieg setzte man zwar weiterhin vornehmlich auf leichte und heitere Themen, suchte aber gleichzeitig nach zeitgenössischen Stücken und neuen Aufführungsformen, unter anderem führte man 1968 Robert Thomas’ Kriminalstück "Die Falle" auf und bestritt 1969 den Hauptteil der Freilichtaufführungen von Friedrich von Schillers "Wilhelm Tell" in einem Zelt mit 1200 Sitzplätzen im Herisauer Schachen (Regie und Hauptrollen übernahmen Mitglieder der H.). Das 100-Jahr-Jubiläum wurde mit Ödön von Horváths "Himmelwärts" als Freilichtspiel auf dem Areal der Kantonalen Psychiatrischen Klinik Herisau und mit einer Ausstellung begangen. Die H., die seit 1975 unter diesem Namen auftritt, erarbeitet in der Regel eine Produktion, die im Herbst gezeigt wird, und wartet in der Vorweihnachtszeit zusätzlich mit einem Märchen auf. Zudem werden für verschiedene gesellschaftliche Anlässe Einakter angeboten. Gastspiele werden in den umliegenden Gemeinden gegeben. Entwurf und Anfertigung von Kostümen, Bühnenbildern und Masken werden durch Vereinsmitglieder wahrgenommen. Die H. trat anfänglich in Sälen von örtlichen Restaurants, Hotels und bis 1938 in der Tonhalle auf, danach hauptsächlich im Casino Herisau. Sie war Mitinitiantin und 1906 Gründungsmitglied des Zentralverbands Schweizerischer Dramatischer Vereine (heute →ZSV).



Autor: Sigi Blarer



Bibliografische Angaben zu diesem Artikel:

Blarer, Sigi: Herisauer Bühne, Herisau AR, in: Kotte, Andreas (Hg.): Theaterlexikon der Schweiz, Chronos Verlag Zürich 2005, Band 2, S. 828.