Hermann Vallentin

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* 24.5.1872 Berlin (D), † 1.11.1945 Tel Aviv (heute: IL). Bruder der Schauspielerin Rosa Valetti.

Schauspielausbildung bei Heinrich Oberländer in Berlin, zugleich Volontär am dortigen königlichen Schauspielhaus. 1893 Mitglied des Centraltheaters Berlin, 1895/96 Engagement am Lobe-Theater Breslau, 1896/97 am Theater des Westens Berlin, 1897/98 am Lessingtheater Berlin, 1898–1906 am Hoftheater Wiesbaden, 1906–14 am Königlichen Hoftheater Berlin. Danach an verschiedenen Berliner Bühnen, unter anderem am Deutschen Theater (1924 Bischof von Beauvais in Shaws "Die heilige Johanna", Regie: Max Reinhardt, 1931 Wormser in der Uraufführung von →Carl Zuckmayers "Der Hauptmann von Köpenick", Regie: →Heinz Hilpert), an den Barnowsky-Bühnen und im Ensemble von Erwin Piscator. Schauspieler und Autor für diverse Kabaretts, darunter das Cabaret Grössenwahn, häufig Auftritte zusammen mit seiner Schwester Rosa Valetti. 1931–33 Mitglied des Kabaretts der Komiker, Lehrer an der Schauspielschule des Deutschen Theaters, zahlreiche Filmrollen, unter anderem unter der Regie von Friedrich Wilhelm Murnau, Fritz Lang und Robert Siodmak. Bis 1932 Vizepräsident des Verwaltungsrats der Genossenschaft deutscher Bühnen-Angehöriger und Präsident des Deutschen Bühnenclubs Berlin. 1933 Berufsverbot in Deutschland. 1933 Tournee mit →Alexander Moissi durch die Schweiz (Polonius in Shakespeares "Hamlet"), Gastauftritte am Neuen Deutschen Theater Prag. 1933 Emigration in die Schweiz. 1933/34 unter →Egon Neudegg Charakterkomiker für das Schauspiel und Operettenkomiker und -regisseur sowie Abendspielleiter am →Stadttheater Basel (unter anderem: Holzapfel in Shakespeares "Viel Lärm um nichts", Trivulzio in →Cäsar von Arx’ "Der Verrat von Novara", Titelrolle in Shakespeares "Julius Caesar", Regie jeweils: →Alwin Kronacher; Cauchon in Shaws "Die heilige Johanna", Regie: Fritz Ritter; Inszenierung von Edmund Eyslers "Die gold’ne Meisterin" und Robert Stolz’ "Zwei Herzen im 3/4-Takt"). 1934 wurde trotz V.s Bereitschaft zu einer Gagenreduktion und der Übernahme auch kleinerer Rollen sein Vertrag von der Theaterkommission nicht verlängert. 1934/35 Schauspieler in Aussig, 1935/36 in Mährisch-Ostrau. 1938 erneut Emigration in die Schweiz, 1938/39 Engagement am →Schauspielhaus Zürich (unter anderem: Pandarus in Shakespeares "Troilus und Cressida", Regie: →Oskar Wälterlin; Sir George Crofts in Shaws "Frau Warrens Gewerbe"; Munifiesel in der Uraufführung von Cäsar von Arx’ "Der kleine Sündenfall", Regie: →Leonard Steckel; Bischof von Bamberg in Goethes "Götz von Berlichingen", Regie: →Leopold Lindtberg; Theaterdirektor Staible in →Peter Haggenmachers "Die Venus vom Tivoli", Regie: →Richard Schweizer; Arzt in der deutschsprachigen Erstaufführung von →Alfred Gehris "Sechste Etage", Regie: Steckel; Kanonikus Appelstubbe in der Uraufführung von Zuckmayers "Bellman" und Generaldirektor in der Uraufführung von →Walter Leschs "Jedermann 1938", Regie jeweils: Lindtberg; Joe Stoddard in Wilders "Eine kleine Stadt", Regie: Wälterlin; Inszenierung von Robert Grötzschs "Dyckerpotts Erben"). 1939 Emigration nach Palästina, Mitwirkung in geschlossenen Rezitationsabenden und szenischen Lesungen, Sprecher in deutschsprachigen Rundfunksendungen.

Literatur

  • Blubacher, Thomas: Befreiung von der Wirklichkeit? Das Schauspiel am Stadttheater Basel 1933–1945, 1995.


Autorin: Thomas Blubacher



Bibliografische Angaben zu diesem Artikel:

Blubacher, Thomas: Hermann Vallentin, in: Kotte, Andreas (Hg.): Theaterlexikon der Schweiz, Chronos Verlag Zürich 2005, Band 3, S. 1992–1993.

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