Hermann Wedekind

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* 18.11.1910 Coesfeld (D), † 16.1.1998 Saarbrücken (D). Bruder des Regisseurs und Theaterleiters Werner W. ∞ Grete Schaun, Schauspielerin. Vater des Regisseurs →Michael W. und der Schauspielerin Claudia W., Grossvater der Schauspielerin Viola W.

1931 Schauspieldebüt als Autodidakt und 1932/33 Volontär bei Paul Smolny am Stadttheater Hagen, 1933–35 Schauspieler am Stadttheater Bielefeld, 1935–43 unter der Direktion von →Heinz Hilpert Schauspieler und zeitweise Regieassistent am Deutschen Theater Berlin (unter anderem Florizel in Shakespeares "Das Wintermärchen", von Bernstorff in Burtes "Katte", Centurio in Shaws "Androklus und der Löwe", Grimm in Schillers "Die Räuber"), 1943/44 jugendlicher Heldentenor am Staatstheater Danzig (erste Partie: Alvaro in Verdis "Die Macht des Schicksals"); einen Fünfjahresvertrag an der Staatsoper Dresden konnte W. 1944 wegen der Schliessung der reichsdeutschen Theater nicht antreten. 1946–51 Oberspielleiter der Oper und Operette an den Bühnen der Stadt Bonn und zusammen mit Erich Thormann Leiter der angeschlossenen Schauspielschule. 1951–55 Intendant der Städtischen Bühnen Münster. 1954–60 war W. Direktor des →Stadttheaters Basel. Er inszenierte dort unter anderem Mozarts "Die Zauberflöte", Verdis "Don Carlos", →Richard Wagners "Lohengrin", Richard Strauss’ "Salome", Offenbachs "Hoffmanns Erzählungen" und die Uraufführung von →Heinrich Sutermeisters "Titus Feuerfuchs". Zum Opernensemble gehörte beispielsweise die später berühmte Sängerin Montserrat Caballé, das Ballett leitete mit grossem Erfolg der Choreograf →Wazlaw Orlikowsky. Prägende Regisseure des Schauspiels waren Dietrich Haugk, Rudolf Hofmann und →Adolph Spalinger, Chefdramaturg →Fred Alten. Zum Schauspielensemble gehörten (zeitweise) Klaus Abramowsky, Gardy Brombacher, Herbert Dardel, →Eva-Maria Duhan, →Günter Heising, →Ann Höling, →Ebba Johannsen, Henry Kielmann, →Max Knapp, →Alfred Schlageter, Louise von Schwerin, Wolfgang Weiser, Joachim Wichmann und →Hilde Ziegler. 1960–71 war W. Intendant, 1971–76 Generalintendant des Stadttheaters/des Saarländischen Staatstheaters Saarbrücken. Mit grossem Erfolg initiierte er dort die seit den sechziger Jahren jährlich durchgeführten InternationalenTheatertage sowie die 1975 geschlossene Partnerschaft der Stadt Saarbrücken mit Tbilissi, der Hauptstadt Georgiens. Gastinszenierungen unter anderem am Staatstheater Mainz, am Theater Die Insel in Karlsruhe (dessen Direktion W.s Bruder Werner führte), am Raimund-Theater Wien sowie in Polen (als erster deutscher Regisseur nach dem Krieg). 1983 inszenierte W. am →Bernhard-Theater Zürich die Uraufführung von →Frank Geerks "Der Reichstagsbrand" und spielte darin selbst die Rollen des Anklägers/Verteidigers (anschliessend auf einer Tournee der Scala Theater AG Basel).

Auszeichnungen

  • Ehrenmitglied des Staatstheaters Saarbrücken,
  • Professor honoris causa,
  • Theodor-Heuss-Preis,
  • Bundesverdienstkreuz.
  • Ehrenbürger Georgiens,
  • das Jugendtheater Kutaissi (Georgien) wurde zu Ehren W.s nach diesem benannt.

Literatur

  • Garber, Heinz/Gvenetadze, Tamaz: H. W. erzählt sein Leben, 1997.


Autor: Thomas Blubacher



Bibliografische Angaben zu diesem Artikel:

Blubacher, Thomas: Hermann Wedekind, in: Kotte, Andreas (Hg.): Theaterlexikon der Schweiz, Chronos Verlag Zürich 2005, Band 3, S. 2057.

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