Hochschule für Musik und Theater (HMT), Bern BE

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Der Studienbereich Theater an der H. ist neben der →Theaterhochschule Zürich die einzige offiziell anerkannte Ausbildungsstätte für Sprechtheater in der deutschsprachigen Schweiz mit dem Status einer Fachhochschule.

Die H. entwickelte sich aus dem Konservatorium für Musik in Bern: Im Wintersemester 1927/28 nahm die seit 1858 bestehende Musikschule unter der Direktion von Alphonse Brun (1925–63) ihren Betrieb als eigentliche Berufsschule neben dem bisherigen allgemeinen Musikunterricht auf. Das "Konservatorium für Musik in Bern" nutzte, wie bereits die Musikschule, zunächst verschiedene Räumlichkeiten, bis es 1940 den Neubau an der Kramgasse 36 auf dem Areal der alten Schaal, der ehemaligen Schlacht- und Fleischmarkthalle, beziehen konnte. Die öffentliche Hand unterstützte die Musikschule und das Konservatorium von Anfang an. Bereits 1860/61 unterrichtete Emma von Balitzka als erste Lehrerin das Fach Sologesang unter der Direktion von Eduard Franck, der die Ausbildungsstätte 1859–67 leitete. Unter Francks Nachfolger Adolf Reichel, der bis 1888 Direktor der Schule war, gehörte das Fach ab 1867 fest zum Lehrangebot. Die erste Berufsklasse für Sologesang führte 1916 der Direktor Dominik von Reding (1915–25) ein. 1918 kam zum Gesangsunterricht erstmals Deklamationsunterricht hinzu (Dozentin: Elise Appenzeller). Spätere prominente Sologesanglehrer waren beispielsweise der Opernsänger →Ernst Haefliger (1943–45) und der Konzert- und Opernsänger →Felix Loeffel (1945–75). Die Ausbildung konzentrierte sich damals auf den musikalischen Bereich, sie bereitete nicht spezifisch auf eine Bühnentätigkeit vor. Erst 1932 eröffnete man auf Anregung des damaligen Direktors des →Stadttheaters Bern, Karl Lustig-Prean, am Konservatorium eine Theaterschule, die bis Anfang der vierziger Jahre bestand. Zu Sprechtechnik und Stimmbildung, die bereits seit 1927 von Paula Ottzenn unterrichtet wurden, kamen nun die Fächer Rollenstudium (Lehrkräfte: →Fritz Jeßner, Eberhardt Krummschmidt, Grete Leibundgut-Wittels), Ensemblespiel und Ausdrucksgymnastik hinzu. Nach einer rund zweijährigen Unterbrechung eröffnete unter der Leitung von →Margarethe Schell-von Noé 1942/43 eine kleine Abteilung, die Sprechtechnik und Vortragskunst für Sängerinnen und Sänger sowie eine Schauspielausbildung – als Vorläufer der Schauspielschule – anbot. In Aufführungen auf der Bühne im Konservatoriumssaal und in Freilichtinszenierungen präsentierte die Schauspielschule regelmässig ihre Arbeiten. 1962 wurde diese Abteilung aufgelöst. Auf Wunsch der Studierenden, die zu dem Zeitpunkt noch in Ausbildung waren, führte der Regisseur und Schauspieler →Paul Roland diese zum Diplom. Drei Jahre später, im Oktober 1965, betraute ihn die Bernische Musikgesellschaft mit der Aufgabe, am Konservatorium eine Schauspielschule aufzubauen und zu leiten. Zum ersten Lehrerteam gehörten neben Roland (szenischer Lehrer) →Ernst G. Böttger (Pantomime), →Hans Gaugler (stellvertretender Leiter, szenischer Lehrer), Luise Gaugler (Sprecherziehung), →Harald Kreutzberg (Tanz) und →Margit von Tolnai (Sprecherziehung). Die Schule unterrichtete zu Beginn halbtags, die Ausbildung dauerte sechs Semester. Als Schauspielabteilung des Konservatoriums bot sie dessen Sologesangsstudentinnen und -studenten erneut die Möglichkeit, neben der Sprecherziehung auch Kurse in Bewegung und szenischer Darstellung als Vorbereitung auf eine mögliche Bühnenlaufbahn zu belegen. Ausserdem wurde bereits 1965 das Laienspiel-Seminar ins Leben gerufen, das bis heute besteht. 1973 trat die Schule erstmals seit der Neugründung mit einer Abschlussproduktion an die Öffentlichkeit (Howard Brentons "Der Kinder Segen", Regie: Roland, →Galerietheater Die Rampe), seit 1976 fanden jährlich öffentliche Abschlussproduktionen statt in Zusammenarbeit mit Regisseuren wie Jaroslav Gillar, →Eike Gramss, →Volker Hesse, →Wolfram Krempel, Lore Stefanek, →Mark Zurmühle. Die Schauspielabteilung des Konservatoriums (ab 1978 offiziell Konservatorium für Musik und Theater genannt) war auch immer wieder an Koproduktionen beteiligt (beispielsweise mit dem →Stadttheater Basel, dem Stadttheater Bern, dem →Theater am Neumarkt Zürich, dem →Studio am Montag Bern). Wegen der unhaltbaren Raumsituation startete sie 1977 eine "Selbsthilfe-Aktion" und mietete sich – dank einer grosszügigen Spende von privater Hand – in der Liegenschaft Laupenstrasse 45 in Bern ein. 1983 eröffnete sie als eigene kleine Spielstätte die Remise an der Laupenstrasse 51 (späteres →Theater Remise). Die Dauer der Ausbildung wurde 1980 auf acht Semester verlängert. 1986 führte die Schule das erste Seminar zu Regie und Schauspiel für den Film mit den international bekannten polnischen Regisseuren Krzysztof Kieslowski und Edward Zebrowski durch. 1989 zog sie in ein neues Provisorium, in die Schaerer-Fabrik am Quellenweg 6 in Wabern. 1990 konnte die Schule zu ihrem 25-jährigen Bestehen im ausgebauten Dachstock der alten Ryf-Fabrik an der Sandrainstrasse 3 in Bern einziehen. Dies und ihr Jubiläum feierte sie mit einem grossen "Internationalen Theaterspektakel" (Oktober/November 1990), das Eigenproduktionen sowie Gastspiele, auch von ehemaligen Studentinnen und Studenten, präsentierte. Zu den Lehrkräften, die über all die Jahre in der Abteilung Schauspiel am Konservatorium für Musik und Theater unterrichteten, gehörten nebst den oben genannten unter anderen: →Peter Borchardt, Ev Ehrle (Sprechen), →Martin Gelzer, Heidi Hutterli (Theorie) und →Norbert Klassen (szenischer Unterricht). 1996 übernahm →Leonie Stein, die seit 1977 Tanz und Akrobatik an der Schauspielschule unterrichtet hatte, die Leitung. Zum Lehrkörper kamen neu dazu: →Peter Jecklin (szenischer Unterricht), Wolfgang Rodler (szenischer Unterricht, Gastdozent von der Hochschule für Schauspielkunst Ernst Busch Berlin), Beatrix Ruf (Tanz, Bewegung), Enrico Tettamanti (Akrobatik) und Manuela Trapp (stellvertretende Leiterin und szenischer Unterricht). Bewarben sich in der ersten Aufnahmeprüfung im März 1966 zwölf Kandidatinnen und Kandidaten um acht Studienplätze, so sind es mittlerweile jährlich zwischen 150 und 200 um zwölf Studienplätze. Seit Herbst 1999 ist die Schauspielschule des Konservatoriums als Studienbereich Theater der neuen, im Rahmen der Berner Fachhochschule gegründeten Hochschule für Musik und Theater in Bern und Biel (HMT) unter der Direktion von Roman Brotbeck angeschlossen. Der H. gehören auch das Konservatorium Biel einschliesslich des →Schweizer Opernstudios Biel und die Swiss Jazz School Bern an. Im Herbst 2003 fusionierten die H. und die Berner Hochschule für Gestaltung, Kunst und Konservierung (HGKK) zur Hochschule der Künste Bern (HKB), der ersten schweizerischen Kunsthochschule. Subventioniert wird die Schule zu rund zwei Dritteln vom Kanton Bern; den verbleibenden Drittel tragen gemäss Fachhochschulvereinbarung die Kantone, aus welchen jeweils Studierende an der Schule sind.

Auszeichnungen

  • 1991 am Treffen deutschsprachiger Schauspielschulen in Hamburg alle drei Förderpreise (den Courage-Preis, den Szene-Preis und den Ensemble-Preis) für die szenische Arbeit aus Genets "Unter Aufsicht" und aus Joyce Carol Oates’ "Nackt steh ich vor euch",
  • 1994 am Treffen deutschsprachiger Schauspielschulen in Hannover erster Preis für die Tanztheaterproduktion: "Heimat – oder ein Stück von mir".

Literatur

Juker, Werner: Musikschule und Konservatorium für Musik in Bern 1858–1958, 1958. Schauspielschule Bern. Zum 25-jährigen Bestehen der Schauspielschule Bern, herausgegeben vom Konservatorium für Musik und Theater Bern, [1990]. Müller, Tobi: New Speak oder alte Schule? Die Schauspiel(hoch)schulen in Zürich und Bern. In: Theater heute 2/2002.


Autorin: Sandra Leis



Bibliografische Angaben zu diesem Artikel:

Leis, Sandra: Hochschule für Musik und Theater (HMT), Bern BE, in: Kotte, Andreas (Hg.): Theaterlexikon der Schweiz, Chronos Verlag Zürich 2005, Band 2, S. 853–854.