Horst Gnekow

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* 25.7.1916 Hamburg (D), † 10.7.1982 Luzern.

Studium der Rechte, 1942 Promotion über "Das Recht des Regisseurs" in Göttingen. 1941–43 Spielleiter-Anwärter am Staatlichen Schauspielhaus in Hamburg, 1943/44 Dramaturg und Spielleiter an den Städtischen Bühnen Essen, 1945–47 Dramaturg und Spielleiter an der Städtischen Bühne Bochum, 1947–49 Leiter des künstlerischen Betriebsbüros, Spielleiter und Chefdramaturg an den Bühnen der Landeshauptstadt Kiel, 1949/50 Intendant des Nordfriesischen Landestheaters Westerland, 1950–60 Intendant des Nordmark-Landestheaters Schleswig. 1960–68 war G. Direktor des →Stadttheaters Luzern. Mit seinem pluralistischen Spielplan versuchte er, unmittelbar auf das Publikum und die Region Luzern einzugehen; seitens des Publikums entstand ein ungewöhnliches Interesse am Theater. Neben Inszenierungen von Schweizer Dramatikern (darunter →Peter Lotars "Das Bild des Menschen" und →Max Frischs "Andorra", Regie jeweils: Christian Mettin) wurden →Bertolt Brechts "Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny" (Schweizer Erstaufführung, Regie: →Walter Jockisch), "Der gute Mensch von Sezuan" (Regie: G.), "Pauken und Trompeten" (Regie: G., auch Fernsehaufzeichnung) sowie weniger bekannte Werke wie Brechts Bearbeitung von Lenz’ "Der Hofmeister" (Regie: G.), die Schweizer Erstaufführung von Horváths "Glaube Liebe Hoffnung" und die Uraufführung der Erstfassung von Grillparzers "Die Ahnfrau" (Regie: G.) gezeigt. Unter den Klassikern dominierte auf dem Spielplan neben Goethe und Schiller vor allem Shakespeare, von dem G. auch seltener gespielte Dramen wie "König Heinrich IV.", "Liebe leidet mit Lust" und "Troilus und Cressida" mit Erfolg inszenierte; dabei stützte er sich konsequent auf die umstrittenen Übersetzungen von Hans Rothe. Internationalen Erfolg hatte G. mit seiner In­szenierung der Schweizer Erstaufführung von Peter Weiss’ "Die Verfolgung und Ermordung Jean Paul Marats" (auch als Gastspiel im →Schauspielhaus Zürich). Mit der Einführung der Studio-Abende schuf G. in Luzern ein Forum für zeitgenössische Literatur. Im Musiktheater standen vermehrt auch grosse Opern auf dem Spielplan (darunter →Richard Wagners "Der fliegende Holländer" und Verdis "Aida"); mit zum Teil überregionalem Erfolg wurden erstmals in Luzern Musicals aufgeführt (darunter Cole Porters "Kiss Me, Kate"). Für einige Ensemblemitglieder bildete ihr Luzerner Engagement unter der Direktion G.s den Beginn einer beachtlichen Karriere, so beispielsweise für →Christiane Hammacher, →Michael Hampe, Hans Neuenfels, →Klaus Wildbolz und Hanne Wieder. 1968 inszenierte G. als Gast am →Stadttheater BernCarl Zuckmayers "Der Hauptmann von Köpenick", 1968–73 war er Generalintendant der Städtischen Bühnen Münster, danach als freischaffender Regisseur tätig in München, Baden-Baden, erneut am Stadttheater Bern (1976 Goethes "Egmont") sowie am →Atelier-Theater Bern (1978 Lessings "Nathan der Weise" und Shaws "Frau Warrens Beruf"). Für das Schweizer Tournée-Theater von →Eynar Grabowsky inszenierte G. →Rolf Hochhuths "Die Hebamme" (mit →Heidemarie Hatheyer) und Zuckmayers "Des Teufels General" (mit Hans-Joachim Kulenkampff). 1978–80 war er Intendant des Städtebundtheaters Hof.

Literatur

  • Kaufmann, Robert: 125 Jahre Stadttheater Luzern, 1964.
  • Dezernat des Stadttheaters Luzern (Hg.): Luzern und sein Theater, 1989.


Autrice: Anne-Christine Gnekow



Bibliografische Angaben zu diesem Artikel:

Gnekow, Anne-Christine: Horst Gnekow, in: Kotte, Andreas (Hg.): Theaterlexikon der Schweiz, Chronos Verlag Zürich 2005, Band 1, S. 727–728.

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