Hugo Wolfgang Philipp

Aus Theaterlexikon
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* 2.2.1883 Dortmund (D), † 18.3.1969 Zürich. Pseudonym: Walter Wolfgang Vidal. ∞ Elisabeth Liebrich, Sängerin.

1900 übersiedelte P. nach Berlin, wo er eine kaufmännische Lehre absolvierte und Vorlesungen an der Friedrich-Wilhelm-Universität besuchte. 1904 erste Bühnenerfahrungen ohne fachspezifische Ausbildung. 1905–07 Besuch des Stern’schen Konservatoriums in Berlin, Ausbildung zum Opernsänger (Spielbass). 1907 als Mitglied des Gastspielensembles Below-Oper Debüt als Basilio in Rossinis "Der Barbier von Sevilla" am Theater des Westens Berlin. 1908/09 Sänger und Regisseur am Stadttheater Kattowitz, 1909/10 Sänger am Stadttheater Barmen, 1911/12 Sänger und Regisseur am Stadttheater Ulm (Falstaff in Nicolais "Die lustigen Weiber von Windsor"), 1914 an den Bayreuther Festspielen; dazwischen freischaffend. Ein Engagement am Stadttheater Stettin trat P. wegen des Kriegsausbruchs nicht mehr an und meldete sich als Kriegsfreiwilliger. 1917 Verwundung. 1918–24 freier Schriftsteller, 1918 Debüt als Dramatiker ohne grosse Resonanz. Erster grosser Erfolg 1922 am Mainzer Stadttheater mit dem Lustspiel "Das glühende Einmaleins", wofür P. 1923 mit dem Hebbel-Preis der Stadt Hamburg ausgezeichnet wurde. Zu Berühmtheit gelangte er mit "Der Clown Gottes" (Uraufführung 1923, gleichzeitig am Stadttheater Magdeburg und am Dortmunder Stadttheater). Diese "groteske Tragödie" wurde an zahlreichen Bühnen nachgespielt, unter anderem an den Kammerspielen Hamburg (mit Gustaf Gründgens als Aloysius Wolkenwind) sowie im nicht deutschsprachigen Ausland, zum Beispiel in New York und in Moskau (Regie: Tairow). 1923 wurde P. Oberspielleiter des Albert-Theaters Dresden, das er 1927–29 zusammen mit Hermine Körner leitete und dessen Direktor er 1932/33 war. 1933 Entlassung. Nach dem Ausschluss aus der Reichstheaterkammer 1936 Emigration über Jugoslawien nach Italien, 1938 in die Schweiz. P. erhielt Arbeits- und Publikationsverbot. 1938/39 wurde "Das glühende Einmaleins" am →Stadttheater St. Gallen aufgeführt (Regie: →Fritz Diez). P. schrieb während des Kriegs den äusserst umfangreichen Berlin-Roman "Auf den Hintertreppen des Lebens", der bis heute erst in Bruchstücken publiziert ist. Ausserdem machte P. eine Druckerlehre und entwickelte ein neues Verfahren für den Druck von Musiknoten, das 1948 für Else Appenzellers "Harmonielehre" zum ersten Mal angewendet wurde. Nach dem Krieg konnte P. nicht an seine früheren schriftstellerischen Erfolge anknüpfen; seine Dramen wurden kaum mehr gespielt. P. arbeitete als Gesangspädagoge und Stimmbildner. Zwischen 1948 und 1964 veröffentlichte er die vier Bände seiner «Grammatik der Schau­spielkunst. Eine Funktionslehre der Sprache», ein kontrovers diskutiertes Lehrbuch. Weitere Bühnenwerke: "… Mit ihm sein Land Tirol" (Trauerspiel, Uraufführung 1918, Märkisches Wandertheater in der Urania Berlin); "Peter Sigmair" (Tragödie, Uraufführung 1918 Berlin), "Todeslegende" (Uraufführung 1919, Brandenburger Stadttheater, mit Adele Sandrock), "Die Bacchantinnen" (Uraufführung 1925, Württembergisches Landestheater Stuttgart, mit Leopold Biberti als Pentheus), "Cherub des Unheils" (Tragödie, Uraufführung 1953, Oldenburgisches Staatstheater), "Gagarin oder Tristan und der Spion des Jenseits" (1963), "Der Golem oder Napoleon und Bonaparte" (Uraufführung möglicherweise 1928). Im Februar 1983 fand im Vestibül der Zentralbibliothek Zürich eine Ausstellung mit Dokumenten zu P.s Leben und Schaffen statt.

Auszeichnungen

  • 1967 Bundesverdienstkreuz.

Literatur

  • Heuer, Renate: H. W. P. (1883–1969). Leben und Werke, 1973 [mit Bibliografie].

Nachlass

  • Zentralbibliothek Zürich.


Autor: Tobias Hoffmann-Allenspach



Bibliografische Angaben zu diesem Artikel:

Hoffmann-Allenspach, Tobias: Hugo Wolfgang Philipp, in: Kotte, Andreas (Hg.): Theaterlexikon der Schweiz, Chronos Verlag Zürich 2005, Band 2, S. 1407–1408.

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