Igor Bauersima

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* 23.6.1964 Prag (heute: CZ).

Ab 1968 in Bern aufgewachsen. Studium der Architektur in Zürich (1990 Diplom). Seit 1989 ist B. als Drehbuchautor, Film- und Theaterregisseur tätig. 1993 Mitbegründer der →Off Off Bühne, Zürich ZH, deren erste Produktion, David Mamets "Sexual Perversity in Chicago", er 1994 inszenierte. B. schrieb die weiteren Stücke der Off Off Bühne und setzte sie auch meist selbst in Szene: "Tourist Saga" (Uraufführung 9.6.1995 im Kleiderladen "Box", Marktgasse 6 in Zürich), ein Plutonium-Thriller um einen Flugzeugabsturz, vermischte Film- und Theaterelemente zu einer eigenen Erzählform. Es folgten unter anderem B.s von Improvisationen inspirierte Stücke "Die Pflicht, glücklich zu sein" (Uraufführung 31.5.1996 in der Halle 11 auf dem Schöller-Areal in Zürich), "Snobs", eine Collage über den Maler und Grafiker Christian Schad und den Dadaisten Walter Serner (Uraufführung 24.8.1997 im Rahmen der Christian-Schad-Ausstellung im Zürcher Kunsthaus), und die Tenniskomödie "Mixed" (Uraufführung 27.9.1997 im Hof des →Theaterhauses Gessnerallee), bei der zwei Paare während eines Freundschaftsspiels in Beziehungskonflikte geraten. Am 18.2.1998 wurde die Film-Theater-Performance "Forever Godard" im Theaterhaus Gessnerallee uraufgeführt (Regie: B.), für welche die Off Off Bühne am Festival "Impulse ’98", einer wichtigen Werkschau des freien deutschsprachigen Theaters, mit dem Preis für die beste freie Theaterproduktion des Jahres ausgezeichnet wurde. B.s nachfolgendes Stück "Context" thematisiert die Schwierigkeit, Freundschaften am Leben zu erhalten, wenn Biografien auseinander driften. Es entstand als Auftragsarbeit des Theaterhauses Gessnerallee, wurde dort am 26.5.1999 in B.s Regie uraufgeführt, ebenfalls am "Impulse"-Festival sowie im Februar 2000 am Festival "Junge Talente" in Konstanz gezeigt. Weitere im Theaterhaus Gessnerallee von der Off Off Bühne uraufgeführte Stücke B.s waren: "Exil" (12.2.2000, Regie: B.), eine Auseinandersetzung mit Ingeborg Bachmanns gleichnamigem Gedicht, "Factory" (12.12.2001, Regie: Daniel Rademacher), das Fernseh-Realityshows thematisiert. Den Durchbruch erzielte B. mit seinem Stück "norway.today", das auf einer Pressemeldung basiert: Zwei junge Menschen, die sich noch nie zuvor gesehen haben, verabreden sich im Internet zum gemeinsamen Selbstmord in Norwegen. Uraufgeführt in B.s eigener Regie am 15.11.2000 am Düsseldorfer Schauspielhaus, wurde "norway.today" von zahlreichen Bühnen nachgespielt, in der Schweiz unter anderem 2002 vom →Theater an der Sihl in Zürich, vom →Stadttheater Bern, Bern BE und vom →Theater Basel, Basel BS. In der Kritikerumfrage der Zeitschrift "Theater heute" wurde B. 2001 zum "Nachwuchsautor des Jahres" gewählt. Seither wirkt er als Regisseur und Autor an verschiedenen Bühnen im deutschsprachigen Raum. Er inszenierte die Uraufführungen seiner – seit 2002 in Zusammenarbeit mit Réjane Desvignes entstandenen – Stücke: "Launischer Sommer" nach Vladislav Vancura (13.10.2001 Düsseldorfer Schauspielhaus), "Futur de luxe" (23.2.2002 Schauspiel Hannover), "Tattoo" (1.6.2002 Düsseldorfer Schauspielhaus), "Film" (6.3.2003 Schauspiel Hannover), "Bérénice de Molière" (27.2.2004 Akademietheater Wien), für die er jeweils auch die Ausstattung schuf. Ausserdem inszenierte B. 2002 im Rahmen der Reihe "Young Directors Project" an den Salzburger Festspielen Neil LaButes "Das Mass der Dinge". Er veröffentlichte auch diverse Tonträger, unter anderem als Saxophonist der Gruppe "Recrash W".

Auszeichnungen

unter anderem

  • 2002 Young Directors Project Award an den Salzburger Festspielen.

Literatur

  • Porträt in der Reihe "Autoren zu entdecken". In: Theater heute 1/2001.


Autor: Thomas Blubacher



Bibliografische Angaben zu diesem Artikel:

Blubacher, Thomas: Igor Bauersima, in: Kotte, Andreas (Hg.): Theaterlexikon der Schweiz, Chronos Verlag Zürich 2005, Band 1, S. 132–133.

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