Ilma Rakusa

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* 2.1.1946 Rimavská Sobota (heute: SK).

Aufgewachsen in Budapest, Ljubljana, Triest und ab 1951 in Zürich. 1965–71 Studium der Slavistik und Romanistik in Zürich, Paris und Leningrad. 1971 Promotion: "Studien zum Motiv der Einsamkeit in der russischen Literatur". 1971–77 Assistentin am Slavischen Seminar der Universität Zürich. Seit 1977 Lehrbeauftragte an der Universität Zürich. Daneben freiberuflich tätig als Schriftstellerin, Übersetzerin und Publizistin. Ihre schriftstellerische Arbeit umfasst Erzählungen: "Die Insel" (1982), "Miramar" (1986), "Steppe" (1990); Gedichte: "Ein Strich durch alles. Neunzig Neunzeiler" (1997), "Love After Love. Acht Abgesänge" (2001) und literaturtheoretische Essays: "Farbband und Randfigur. Vorlesungen zur Poetik" (1994). Zahlreiche Veröffentlichungen zur russischen und französischen Literatur. Als Dramatikerin experimentiert R. mit Minidramen, so genannten Dramoletten. Diese entwerfen, monologisierend oder dialogisierend, Fragmente von Episoden beziehungsweise absurde Konstellationen, wobei die lyrisch-durchrhythmisierte Sprache die Grenze von Traum und Realität auflöst und zum reinen Stimmentheater tendiert: "Jim. Sieben Dramolette" (Uraufführung von fünf Dramoletten am 3.3.1994 im →Theater Tuchlaube in Aarau, Regie: →Peter Schweiger, Musik: →Daniel Fueter), "Didim oder der Dritte. Ein Dramolett" (1996), "Sand wie Land. Ein Dramolett" (1997). R. übersetzte zahlreiche Werke, unter anderem aus dem Russischen von Alexej Remisow, Marina Zwetajewa ("Phoenix. Versdrama in drei Bildern", 1990) und Anton Čechov ("Die Möwe", Neuübersetzung für →Luc Bondys Inszenierung an den Wiener Festwochen 2000), aus dem Serbokroatischen von Danilo Kiš, aus dem Französischen von Marguerite Duras ("Der Liebhaber", 1985), aus dem Ungarischen von Imre Kertész und Peter Nádas ("Ohne Pause. Theaterstücke", 1999).

Auszeichnungen

unter anderem

  • 1987 Hieronymus-Ring,
  • 1991 Petrarca-Preis für Übersetzung,
  • 1998 Leipziger Buchpreis zur Europäischen Verständigung und
  • Schiller-Preis der Zürcher Kantonalbank.
  • Mitglied der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung.

Literatur

  • R., I./Weber, Caroline: Theater aus der Sprache [Interview]. In: Damendramen, Dramendamen, Dramatikerinnen der Schweiz, herausgegeben von Frauen im Theater, 1994.


Autorin: Ute Kröger



Bibliografische Angaben zu diesem Artikel:

Kröger, Ute: Ilma Rakusa, in: Kotte, Andreas (Hg.): Theaterlexikon der Schweiz, Chronos Verlag Zürich 2005, Band 3, S. 1458–1459.

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