Inge Borkh

Aus Theaterlexikon
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* 26.5.1921 Mannheim (D), eigentlich Ingeborg Simon. ∞ II. Alexander Welitsch, Bariton.

Volksschule Mannheim. 1935 Emigration der Familie nach Genf, dann nach Wien. Dort privater Schauspielunterricht bei →Margit von Tolnai, Ballettstunden bei Grete Wiesenthal, Klavierunterricht bei Gertrude Wiesenthal, Gesangsunterricht bei der Mutter. Im November 1936 Prüfung für den Artistenpass, Auftritte bei Privatanlässen, Veranstaltungen in Vereinen und in Kurhotels. Engagements als Schauspielerin unter dem Namen Inge Simon 1937/38 in Linz und 1938/39 am →Stadttheater Basel. 1940 Gesangsausbildung bei Vittorio Moratti in Mailand. 1940–45 Engagement am →Stadttheater Luzern, wo sie unter anderem folgende Partien sang: Gräfin Ceprano in Verdis "Rigoletto", Pamina in Mozarts "Die Zauberflöte", Eurydike in Glucks "Orpheus und Eurydike", Martha in d’Alberts "Tiefland", Senta in →Richard Wagners "Der fliegende Holländer". 1945–51 Ensemblemitglied am →Stadttheater Bern, Bern BE, dort unter anderem Lady Macbeth in Verdis "Macbeth", Marie in Bergs "Wozzeck", Leonore in Beethovens "Fidelio" und die Titelpartien in Richard Strauss’ "Salome" und "Elektra". 1948 als Gast am →Stadttheater Zürich, 1950/51 als Gast am Stadttheater Basel, dort als Magda Sorel in der deutschsprachigen Erstaufführung von Gian Carlo Menottis "Der Konsul" internationaler Durchbruch als dramatischer Sopran. B. sang 1952 bei den Bayreuther Festspielen die Sieglinde in Wagners "Die Walküre". Verträge in Wiesbaden, Hamburg, Berlin, München (unter anderem Senta in Wagners "Der fliegende Holländer"), Paris, Frankfurt am Main, San Francisco (1953 Titelpartie in Richard Strauss’ "Elektra" unter Georg Solti), Stuttgart, Mailand, Rom, Chicago, Wien, Barcelona, Salzburg, New York (1958 Debüt an der Metropolitan Opera mit Richard Strauss’ "Salome") und Buenos Aires. Ab 1960 zunehmend in München tätig (unter anderem 1963 Färberin in Richard Strauss’ "Die Frau ohne Schatten" zur Wiedereröffnung des Nationaltheaters), weiterhin internationale Gastspiele. 1968 zur Eröffnung des neu erbauten →Stadttheaters St. Gallen Leonore in Beethovens "Fidelio" sowie Lady Macbeth in Ernest Blochs "Macbeth" am →Grand Théâtre in Genf. Abschiedsvorstellung 1973 in Palermo als "Elektra". 1975 Recital mit Liedern von →Bertolt Brecht im Stadtcasino Basel, ab 1976 Gastspiele mit Chanson-Programmen an Schweizer Kleinkunstbühnen. Diverse Schauspielrollen (unter anderem Volumnia in Shakespeares "Coriolan", Regie: →Hans Hollmann, Thalia-Theater Hamburg). Lehrtätigkeit an der →Musik-Akademie der Stadt Basel, Basel BS. Zahlreiche Schallplattenaufnahmen. B. galt als überragende Darstellerin mit einer technisch glänzend geschulten, durchschlagskräftigen und sehr beweglichen Stimme. 1996 veröffentlichte B. ihre Autobiografie unter dem Titel "Ich komm’ vom Theater nicht los …".

Auszeichnungen

  • 1960 Grand Prix du Disque (Gesamtaufnahme der "Elektra" unter Karl Böhm),
  • 1963 Bayeri­sche Kammersängerin,
  • 1973 →Hans Reinhart-Ring der →SGTK.


Autor: Thomas Blubacher



Bibliografische Angaben zu diesem Artikel:

Blubacher, Thomas: Inge Borkh, in: Kotte, Andreas (Hg.): Theaterlexikon der Schweiz, Chronos Verlag Zürich 2005, Band 1, S. 243–244.

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