Ioan Cristian Toma

Aus Theaterlexikon
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* 12.12.1953 Orasul Stalin (Kronstadt/Bra¸sov, heute: RO).

1972–76 Studium der Theaterregie in Bukarest. 1976 Wechsel nach Deutschland. Studium der Theaterwissenschaft in München. 1978–81 als Schauspieler und Regieassistent am →Stadttheater Bern, 1981–84 als Regieassistent und Schauspieler am Theater der Stadt Essen (Zusammenarbeit mit dem Regisseur David Esrig). 1985 Gründung der experimentellen Gruppe Theater im Würfel in München, deren erste Produktion, Gogols "Tagebuch eines Wahnsinnigen", in den Fernsehfilm des Bayerischen Rundfunks "Die verschwiegene Freude des Sisyphos" integriert wurde. 1988–92 Regisseur am Landestheater Linz (Direktion: Roman Zeilinger). 1992–95 Oberspielleiter am →Stadttheater St. Gallen (Direktion: Hermann Keckeis), wo er unter anderem 1992 Jarrys "Ubu Roi", 1993 Shakespeares "Romeo und Julia", Tankred Dorsts "Merlin oder Das wüste Land" und Molières "Der Bürger als Edelmann", 1994 Elias Canettis "Die Befristeten" und 1995 Goldonis "Krach in Chiozza" inszenierte. T. wirkte immer auch an anderen Theatern als Regisseur, unter anderem am Theater am Turm in Frankfurt am Main, am Stadttheater Klagenfurt (Büchners "Leonce und Lena"), am Theater Gasteig und am Theater Rechts der Isar in München, bei der Gruppe 80 in Wien sowie seit 1991 kontinuierlich am Theater des Kindes in Linz. Hervorzuheben sind insbesondere T.s eigene Bearbeitungen, unter anderem von Kafkas "Beschreibung eines Kampfes" (Uraufführung 1987, Akademie der bildenden Künste München) und von Ovid, sowie für das Kindertheater Carrolls "Alice im Wunderland" und "Abenteuer Don Quichote" nach Cervantes. T.s Arbeiten stehen für ein vitales, sinnliches, virtuoses Theatererleben, für fantasievolle, intelligente Bilder, für eine kreative Philosophie, die den Widrigkeiten des Lebens mit einem oft skurrilen, überzeichnenden, ironischen und stets geistvollen Humor begegnet. Freude an der Improvisation und am Experiment motivieren den Regisseur, dem das Engagement für die freie Theaterszene, das Kabarett eingeschlossen, als wichtiger Schwerpunkt neben der Arbeit an etablierten Häusern gilt. So inszenierte er beispielsweise seit 1990 für die Gruppe Kabarest in München und 2000 für die Münchner Lach- und Schiessgesellschaft ("3000Heinz").



Autorin: Silke Christiane Keckeis



Bibliografische Angaben zu diesem Artikel:

Keckeis, Silke Christiane: Ioan Cristian Toma, in: Kotte, Andreas (Hg.): Theaterlexikon der Schweiz, Chronos Verlag Zürich 2005, Band 3, S. 1953–1954.

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