Jón Laxdal

Aus Theaterlexikon - CH
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* 7.6.1933 Isafjord (IS), † 15.5.2005 Kaiserstuhl AG, eigentlich Jón Halldórsson-Laxdal.

Schauspielausbildung an der Schauspielschule des Nationaltheaters Island und 1956–59 am Max-Reinhardt-Seminar in Wien (mit Auszeichnung). Erste Engagements 1959–61 an den Städtischen Bühnen Rostock, 1961/62 am Ulmer Theater, 1962–64 an der Landesbühne in Wilhelmshaven (unter anderem Fiesco in Schillers "Die Verschwörung des Fiesco zu Genua"), 1964–67 am Stadttheater Hildesheim (unter anderem Titelrolle in Goethes "Clavigo" und Max Piccolomini in Schillers "Wallenstein") und 1967–68 am Kammertheater Karlsruhe (unter anderem Helmer in Ibsens "Nora oder Ein Puppenheim" und Soldat in Dorsts "Grosse Schmährede an der Stadtmauer"). Danach verschiedene Rollen an der →Innerstadtbühne Aarau (unter anderem 1968 in drei Einaktern von →Friedrich Dürrenmatt unter dem Titel "Kurs für Zeitgenossen") und bei der →Claque Baden. 1969–78 teils als Gast, teils als Ensemblemitglied am →Schauspielhaus Zürich. Dort spielte er unter anderem Laertes in Joseph Papps "Shakespeares ‹nackter› Hamlet" (Regie: Günther Büch), den Leibwächter von Gogher Gogh in der Uraufführung von →Bertolt Brechts "Turandot oder Der Kongress der Weisswäscher" (Regie: →Benno Besson/Horst Sagert), den achten Spieler in Jarrys "Vater Ubu" (Regie: Paul Pörtner), den Neffen in Brechts "Der gute Mensch von Sezuan" (Regie: Manfred Wekwerth) und Sam in der Uraufführung von Dürrenmatts "Der Mitmacher" (Regie: Andrzej Wajda). Ab 1978 arbeitete L. freischaffend als Schauspieler und Regisseur. Er wirkte unter anderem am →Corso-Theater Zürich (1981 Jakob Eberle in →Paul Burkhards "Der schwarze Hecht"), in Hamburg an den Kammerspielen und am Thalia Theater, am Theater über dem Landtag in München, am Fritz Rémond Theater im Zoo in Frankfurt am Main und am Theater Die Färbe in Singen sowie auf Tournee (1990 Schwitter in Dürrenmatts "Der Meteor", Regie: →Egon Karter). 1986 Gründung eines eigenen Theaters im aargauischen Kaiserstuhl. Nach anfänglich wechselnden Spielorten war es seit 1990 im ausgebauten Kellergewölbe des Amtshauses domiziliert und umfasste rund siebzig Plätze. Das "Theater im Amtshaus" (auch "Jón Laxdals Theater") wurde vom Aargauer Kuratorium und vom Lotteriefonds unterstützt, zu einem grossen Teil finanzierte es sich jedoch privat. Aufgeführt wurden vor allem bekannte Stücke und Autoren, häufig in L.s Bearbeitung; etwa 1989 Albees "Wer hat Angst vor Virginia Woolf?", 1992 Willy Russells "Bildung für Rita", 1993 Charles Dyers "Unter der Treppe" und A. R. Gurneys "Love Letters", 1994 Dürrenmatts "Der Meteor", →Adolf Muschgs "Rumpelstilz" und Neil Simons "Sonny Boys", 1995 Molières "Der eingebildete Kranke", 1996 Shakespeares "Die lustigen Weiber von Windsor", 1997 Dürrenmatts "Play Strindberg" und 1999 Molières "Die Schule der Frauen". L. führte jeweils Regie und verkörperte die Hauptrolle. Die weiteren Darsteller waren – neben gelegentlich professionellen Schauspielern als Gäste – Amateure, die von L. in seiner "Akademie der praktischen Theaterversuche", auch "Theaterschmiede", aus- und weitergebildet wurden. Diverse Fernseh- und Filmrollen. Autor mehrerer Theaterstücke (unter anderem des Solostücks "Der Weltsänger" und von "Der Tod in Genf", die er beide als Gastspiele an verschiedenen Orten aufgeführt hat).

Auszeichnungen

unter anderem

  • 1980 Ehrengabe für Literatur der Stadt Zürich,
  • 1981 Ritterkreuz des Falkenordens, verliehen durch die isländische Premierministerin Vigdis Finnbogadottir.


Autor: Jean Grädel



Bibliografische Angaben zu diesem Artikel: Grädel, Jean: Jón Laxdal, in: Kotte, Andreas (Hg.): Theaterlexikon der Schweiz, Chronos Verlag Zürich 2005, Band 2, S. 1088–1089.

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