Jürg Laederach

Aus Theaterlexikon
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* 20.12.1945 Basel.

L. studierte Mathematik und Physik an der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich, anschliessend Romanistik, Anglistik und Musikwissenschaft an der Universität Basel. 1969 Arbeit als Deutschlehrer in Paris, in einer Werbeagentur und in einem Reisebüro. 1974 wurde sein erstes Prosawerk "Einfall der Dämmerung" veröffentlicht, die ersten Theaterstücke entstanden gegen Ende der siebziger Jahre. Die konventionelle Unterscheidung in Prosa und Drama ist bei L.s Texten indes kaum anzuwenden. Seine Endzeitvisionen erinnern in ihren verzweifelten Leerläufen an Beckett, in ihren Sprachspielen an Wittgenstein, Ilse Aichinger und Karl Valentin. Auch die freie Improvisation des Jazz beeinflusst den Schreibstil L.s, der selbst als Jazzmusiker und ‑kritiker hervorgetreten ist. Mit den Mitteln der Reduktion, Wiederholung, Auslassung und der Assoziation schafft er lose zusammenhängende Sprachreflexionen. Die vier unter dem Titel "Fahles Ende kleiner Begierden" erschienenen Minimals (1979, darin die Farce "Japanische Spiele", uraufgeführt 1985 vom Transformtheater Berlin am Festival freier Gruppen in Hannover) bilden Gegenstücke zu den Frauenstimmen, die in "Die Lehrerin verspricht der Negerin wärmere Tränen" (Uraufführung 14.12.1978, →Schauspielhaus Zürich) den Zerfall der Persönlichkeitsstruktur als wortreichen Monolog zwischen Ich und Raum erproben. Mehrere Dramen L.s blieben bisher unaufgeführt. L. veröffentlichte zahlreiche Prosawerke – darunter "69 Arten den Blues zu spielen" (1984) und "Flugelmeyers Wahn" (1986) – und ist als Übersetzer tätig. Er übertrug beispielsweise Texte von Roger Vitrac, Raymond Roussel und Richard Foreman ins Deutsche. Weitere Bühnenwerke: "Wittgenstein in Graz" (1979), "Dummweg, das Hermelin" (Uraufführung 12.6.1980, →Theater an der Winkelwiese Zürich), "Proper Operation" (Uraufführung 31.10.1981, Tramdepot Tiefenbrunnen durch Schüler der →Schauspiel-Akademie Zürich), "Körper brennen" gemeinsam mit →Andres Müry (Uraufführung 20.9.1986, Schauspielhaus Graz), "Tod eines Kellners" (mit Müry, Uraufführung 27.4.1985, Schauspiel Bonn/Werkstattbühne), "Nacht Zettel. Sieben Theatertexte nach Shakespeares Ein Sommernachtstraum" (1987), "An Bord" (1987), "Han und Amin" (Uraufführung Forum Stadtpark Graz 1989), "Rost oder Das Denken ist immer" (Uraufführung 10.6.1989, Schauspiel Bonn), "Arden of Feversham. Cruel Version" (1993).

Auszeichnungen

unter anderem

  • 1976 und 1984 Förderpreise des Kantons Bern,
  • 1981 Förderpreis der Akademie der Künste Berlin,
  • 1986 manuskripte-Literaturpreis der Steiermärkischen Landesregierung,
  • 1988 Basler Literaturpreis,
  • 1990 Preis der Schweizerischen Schillerstiftung,
  • 1998 Werkbeitrag der Kulturstiftung Pro Helvetia,
  • 2001 Grosser Literaturpreis des Kantons Bern.


Autorin: Brigitte Marschall



Bibliografische Angaben zu diesem Artikel:

Marschall, Brigitte: Jürg Laederach, in: Kotte, Andreas (Hg.): Theaterlexikon der Schweiz, Chronos Verlag Zürich 2005, Band 2, S. 1066–1067.

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