Jürg Wyttenbach

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* 2.12.1935 Bern. ∞ Janka W.-Brun, Pianistin.

W. studierte bei Kurt von Fischer (Klavier) und →Sándor Veress (Komposition) am →Konservatorium für Musik Bern. Weitere Studien 1954–57 bei Yvonne Lefébure und Joseph Calvet am Conservatoire national supérieur de musique in Paris und bis 1959 bei Karl Engel in Hannover. 1959–67 unterrichtete W. am Konservatorium Biel und 1962–66 am Konservatorium für Musik Bern Klavier sowie 1967 bis zu seiner Pensionierung 2001 an der →Musik-Akademie der Stadt Basel Klavier und Interpretation neuer Musik. 1986 gründete er gemeinsam mit →Rudolf Kelterborn und →Heinz Holliger die Konzertreihe "Basler Musik Forum". Sowohl als Pianist wie auch als Dirigent setzt sich W. für zeitgenössische Musik ein, indem er wiederholt Werke zur Ur- oder Erstaufführung brachte und regelmässig bei Avantgarde-Festivals, etwa in Donaueschingen, Wien, Paris, Warschau und New York, in Erscheinung trat. So dirigierte er unter anderem die Uraufführungen von →Klaus Hubers "Im Paradies oder Der Alte vom Berge" (1975), Ingomar Grünauers "Die Schöpfungsgeschichte des Adolf Wölfli" nach →Adolf Wölfli (1982, beide an den →Basler Theatern, Regie jeweils: →Erich Holliger) und von Gérard Zinsstags "Ubu Cocu" (2001, →Stadttheater St. Gallen, Regie: →Peter Schweiger) sowie die Schweizer Erstaufführung von György Ligetis "Aventures – Nouvelles Aventures" (1980, Basler Theater, Regie: Ernst Poettgen). Als Komponist beschäftigt sich W. intensiv mit dem szenischen Moment der Musik, was sich bereits früh in einem deklamatorischen Gestus niederschlug ("De’ Metalli", 1966/79) und in den folgenden Jahren zu "szenischen Collagen" führte ("Kunststücke, die Zeit totzuschlagen", Hör- und Sehstück für Musiker, 1972; "Beethoven: Sacré? – Sacré Beethoven!", 1977; "Patchwork an der Wäscheleine", szenische Collage von Musikstücken und Texten von Charles Ives, 1979). Das Hauptgewicht von W.s Schaffen liegt in Solo- und Ensemblestücken des "instrumentalen und vokalen Theaters", dessen Ideal er darin sieht, das Musizieren an sich in vielfältiger Weise hör- und sichtbar zu machen, indem ein genau ausnotierter musikalischer Ablauf durch szenische Aktionen ergänzt wird. Zu dieser Werkgruppe zählen "Exécution ajournée I" (Gesten für 13 Musiker, 1970), "Encore!"(1986), "schlagZEITschlag" (1990/92) und "Serenade in Luftschlössern" (1986 eingeladen ans Festival →Aua, wir leben!). Längere und entsprechend grösser besetzte szenische Burlesken W.s sind "Harlekinade" (eine Faschingspantomime nach Mozart-Skizzen, Uraufführung 1991 an den Internationalen Musikfestwochen Luzern) sowie "Gargantua chez les Helvètes du Haut-Valais oder: Was sind das für Sitten!?"(Szenen nach Rabelais, Uraufführung 19.8.2001 am Lucerne Festival mit den Oberwalliser Spillit und →Franziskus Abgottspon als Sprecher). Zahlreiche Aufnahmen auf Tonträgern.

Auszeichnungen

unter anderem

  • 1993 Kunstpreis der Stadt Basel,
  • 2000 Brandenberger-Preis der Zürcher Stiftung Dr. J. E. Brandenberger "für seinen witzigen, überlegten und nachhaltigen Beitrag zur Lebensfreude",
  • 2003 Kompositionspreis "Marguerite Staehelin" des Schweizerischen Tonkünstlervereins,
  • wiederholte Auszeichnung mit dem "Grand Prix du Disque" sowie dem
  • "Preis der Deutschen Schallplatten-Kritik".

Literatur

  • W., J.: Instrumentales Theater und szenische Aktion – ein Gespräch mit Denis-François Rauss. In: Musiktheater. Zum Schaffen von Schweizer Komponisten des 20. Jahrhunderts, 1983.
* Schibli, Sigfried (Hg.): J. W., 1994.


Autorin: Ivana Rentsch



Bibliografische Angaben zu diesem Artikel:

Rentsch, Ivana: Jürg Wyttenbach, in: Kotte, Andreas (Hg.): Theaterlexikon der Schweiz, Chronos Verlag Zürich 2005, Band 3, S. 2128–2129.

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