Jakob Keller

Aus Theaterlexikon
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* 23.11.1911 Herisau AR, † 1.5.1992 Bern. Vater von Verena K., Opern- und Konzertsängerin.

Zunächst Coiffeur und Sänger im Extrachor des →Stadttheaters St. Gallen. Gesangsstudien bei Gertrud Fehrmann in St. Gallen sowie bei Paul Lohmann und Franziska Martienssen-Lohmann an der Staatlichen Hochschule für Musik in Berlin. Engagements 1940–42 am Staatstheater Kassel, 1942/43 am Deutschen Theater Oslo und 1944–72 am →Stadttheater Bern. K.s Stimme – ein in allen Lagen majestätisch klingender, schwarzer Bass – war prädestiniert für das seriöse Fach, besonders in den Opern Verdis (Filippo II und Grande Inquisitore in "Don Carlo", Zaccaria in "Nabucco") und →Richard Wagners (König Heinrich in "Lohengrin", Landgraf Hermann in "Tannhäuser"). In seinem umfangreichen Rollenkatalog finden sich indes neben Aufgaben für Spielbass (beispielsweise Hans Stadinger in Lortzings "Der Waffenschmied", Osmin in Mozarts "Die Entführung aus dem Serail", Sir John Falstaff in Nicolais "Die lustigen Weiber von Windsor", Kezal in Smetanas "Die verkaufte Braut") Repertoireraritäten wie Sir Giorgio in Bellinis "I puritani", Kontschak in Borodins "Fürst Igor", Oronte in →Rolf Liebermanns "Die Schule der Frauen", Zbigniew in Moniuszkos "Das Geisterschloss", Dosifej in Mussorgskys "Chowanschtschina" und Pimen in dessen "Boris Godunow", Papst Pius IV. in Pfitzners "Palestrina" sowie Tschub in Tschaikowskys "Die goldenen Schuhe". Ausserdem sang K. in Bern in mehreren Uraufführungen, so 1947 als Pfarrer in →Walter Furrers "Der Faun" (Regie: →Stephan Beinl, musikalische Leitung: →Otto Ackermann), 1963 als Achior in Mozarts szenischem Oratorium "Betulia liberata" (Regie: →Walter Oberer/→Anna Menge, musikalische Leitung: Lee Schaenen) und 1950 als Markgraf in →Armin Schiblers "Der spanische Rosenstock" (Regie: Beinl, musikalische Leitung: →Niklaus Aeschbacher) sowie in zahlreichen Schweizer Erstaufführungen (1951 Wassermann in Dvořáks "Rusalka", 1952 Temruk in Bizets "Ivan IV", 1953 mehrere Rollen in Gottfried von Einems "Der Prozess", 1954 Acciano in Verdis "I Lombardi alla prima crociata", 1960 Kotschubej in Tschaikowskys "Mazeppa", 1966 Präsident in Egks "Peer Gynt", 1967 Re di Scozia in Händels "Ariodante", 1968 Osiride und Voce in Rossinis "Mosè"). Besonderen Erfolg errang K. während seiner ganzen Karriere als Sarastro in Mozarts "Die Zauberflöte". Gastverpflichtungen an der Staats­oper Berlin, am →Städtebundtheater Biel-Solothurn, am →Grand Théâtre und im Grand Casino in Genf, am →Stadttheater Luzern, an der Bayerischen Staatsoper im Prinzregententheater München, am Stadttheater St. Gallen und am →Stadttheater Zürich. K. wirkte auch als Gesangspädagoge am Konservatorium Biel und privat in Bern.

Auszeichnungen

  • 1972 Goldene Ehrennadel des Stadttheaters Bern.


Autor: Paul Suter



Bibliografische Angaben zu diesem Artikel:

Suter, Paul: Jakob Keller, in: Kotte, Andreas (Hg.): Theaterlexikon der Schweiz, Chronos Verlag Zürich 2005, Band 2, S. 980.

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