Jaroslav Berger

Aus Theaterlexikon
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* 27.2.1916 Prag (CZ), † 11.9.1983 Zürich. Sohn des tschechischen Tänzers, Choreografen und Ballettmeisters Augustin B. (1861–1945). ∞ I. Eva Patockova, ∞ II. Anita Demarmels, ∞ III. Christa Baer, alles Tänzerinnen, die zeitweise am →Stadttheater Zürich engagiert waren.

Ausbildung an den Ballettschulen des Nationaltheaters Prag und des Bolschoi-Theaters Moskau. Erstes Engagement in Prag, kriegsbedingt auch Solotänzer und Choreograf in Amsterdam. Während einer Tournee mit der "Herbert-Nelson-Windmühle" durch die Schweiz wurde B. ans →Stadttheater Zürich engagiert, wo er ab 1946 als zweiter Ballettmeister und Solotänzer tätig war. Er choreografierte zu Beginn vor allem Einlagen in Opern und Operetten, dann "Der Dreispitz" (Musik: de Falla) und Dvořáks "Slawische Tänze", eine "Nussknacker"-Suite für den Einführungsabend 1948/49 und "Saudades do Brazil" (Musik: Milhaud), tanzte den Teufel in der Uraufführung von →Willy Burkhards Oper "Die schwarze Spinne" und gestaltete Freilichtaufführungen im Rietbergpark, Zürich, mit Serenaden und Tänzen, Strawinskys "Pulcinella", "Liebeszauber", "Gayaneh" (Suite aus der Ballettmusik von Aram Khatschaturian), Strawinskys "Le Sacre du printemps", "Adam Zéro" (Musik: Arthur Bliss), "Furioso" (Musik: →Rolf Liebermann), "La Création du monde" (Musik: Milhaud), "Skythische Suite" (Musik: Prokofjew). Daneben Zusammenarbeit mit →Voli Geiler und →Walter Morath, dem →Cabaret Cornichon, Zürich ZH und dem →Cabaret Federal in Zürich. 1955/56 übernahm B. die Tanzleitung am Stadttheater Zürich und setzte mit der Inszenierung von Tschaikowskys "Schwanensee" ein Zeichen. Der Klassiker wurde zunächst neunmal in einer reduzierten Fassung zusammen mit "Der Dreispitz" (Choreografie: →Susana y José) gegeben, dann abendfüllend in einer erweiterten Form (Besetzung: Anita Demarmels als Odette und Madeleine Hefti als Odile) noch 23 Mal gespielt. B. war als Choreograf sehr vielseitig, schuf unter anderem die Tänze zu Porters "Kiss Me, Kate" zuerst für das Staatstheater am Gärtnerplatz in München, 1957 auch für das →Stadttheater Bern, Bern BE. Nach dem grossen Erfolg seiner Tanzszenen in der legendären Uraufführung von Schönbergs "Moses und Aron" 1957 am Stadttheater Zürich wurde B. als choreografischer Mitarbeiter für die Hollywood-Produktion "König David und die Königin von Saba" eingeladen. 1957–59 leitete er das Ballett am Stadttheater Bern und brachte dort Strawinskys "Petruschka", "Serenade" (Musik: Tschaikowsky) und "Adam Zéro" heraus. 1959–61 kehrte er ans Stadttheater Zürich zurück und schuf "Silver City" (Musik: Gershwin), "Menagerie" (Musik: Giselher Klebe) und "Puppenfee" (Musik: Josef Bayer). Dann freiberuflicher Choreograf und Regisseur, choreografische Mitarbeit bei zahlreichen Sprechtheater-Inszenierungen am →Schauspielhaus Zürich, Zürich ZH (unter anderem 1968 →Max Frischs "Biografie. Ein Spiel", Regie: →Leopold Lindtberg; 1975 Giraudoux’ "Die Irre von Chaillot", Regie: →Harry Buckwitz). 1964 Gründung des Ballett-Instituts in Zürich, wo er bis 1974 unterrichtete. Seine Schule wurde von Christa B.-Baer bis 1994 weitergeführt.



Autorin: Ursula Pellaton



Bibliografische Angaben zu diesem Artikel:

Pellaton, Ursula: Jaroslav Berger, in: Kotte, Andreas (Hg.): Theaterlexikon der Schweiz, Chronos Verlag Zürich 2005, Band 1, S. 164–165.

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