Jean Grädel

Aus Theaterlexikon
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* 8.6.1943 Hefenhausen TG.

1964–67 als Primarlehrer tätig, dann Studium der Germanistik und Psychologie an der Universität Zürich. Leitung der Studententheater Konstanz/Kreuzlingen (1964–67) und Zürich (1968–71), daneben Regieassistent am →Theater am Neumarkt bei Jorge Lavelli, Eugène Ionesco und anderen. 1968 Regieassistent bei →Leopold Lindtberg am →Schauspielhaus Zürich. Ab 1968 freier Regisseur, G. inszenierte unter anderem Dorsts "Die grosse Schmährede" und Pinters "Der stumme Diener". 1971 Gründer und bis 1975 Leiter der →Claque in Baden, dort unter anderem Inszenierungen von Fassbinder/Goldonis "Das Kaffeehaus", →Heinrich Henkels "Eisenwichser", Ortons "Was der Butler sah", Vitracs "Wolf im Korb", Arrabals "Und sie legen den Blumen Handschellen an". 1976 Gründer und bis 1988 künstlerischer Leiter des Kinder- und Jugendtheaters →Spatz & Co. in Baden, dort auch als Regisseur und Schauspieler tätig. Ausserdem 1968–91 als Regisseur unter anderem am Schauspielhaus Zürich (1982/83 die Uraufführungen von →Hansjörg Schneiders "Züglete", →Dieter Bachmanns "Angscht" und →Urs Widmers "Dr Schtaatsschtreich" in der Reihe "D’Familie Chäller", Koproduktion mit dem Schweizer Fernsehen DRS), am →Stadttheater Chur (Becketts "Warten auf Godot"), am →Theater für den Kanton Zürich in Winterthur (1972 Mrożeks "Tango") und bei den Burgfestspielen Jagsthausen. 1988–97 Leiter des →Theaters an der Winkelwiese Zürich, wo G. unter anderem Lars Noréns "Nachtwache", Fassbinders "Anarchie in Bayern", die Uraufführung von →Klaus Merz’ "Die Schonung", Becketts "Endspiel" und Fos "Fabulazzo" inszenierte. 1997–2004 war er zusammen mit Armin Kerber Leiter des →Theaterhauses Gessnerallee in Zürich. Seit der Spielzeit 2003/04 leitet G. das →Theater an der Sihl in Zürich. Neben der praktischen Theaterarbeit als Regisseur und Theaterleiter war G. in Gremien und Stiftungen aktiv, unter anderem war er 1972 Gründungsmitglied der →ASTEJ, 1981–91 Stiftungsrat und 1988–91 Präsident der Gruppe Theater und Tanz bei der Kulturstiftung Pro Helvetia, 1991–97 Leiter der Abteilung Theater und Tanz der Pro Helvetia. 1975–86 war G. als Lehrer für Rollenstudium, Theaterpädagogik und Regie an der →Schauspiel-Akademie Zürich tätig.

Auszeichnungen

  • 1986 Kulturpreis des Kantons Aargau für die Arbeit des Theaters Spatz & Co. und
  • 2004 Ernennung zum Chevalier de l’Ordre des Arts et des Lettres durch den französischen Kulturminister.


Autorin: Kathrina Erizar



Bibliografische Angaben zu diesem Artikel:

Erizar, Kathrina: Jean Grädel, in: Kotte, Andreas (Hg.): Theaterlexikon der Schweiz, Chronos Verlag Zürich 2005, Band 1, S. 741–742.

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