Johannes Steiner

Aus Theaterlexikon
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* 13.1.1881 Zürich, † 27.2.1957 St. Gallen. Sohn des Malers Leonhard S., Vater der Schauspielerin Regine Brandt.

Schauspielausbildung in Berlin. Engagements als Schauspieler bis Anfang der zwanziger Jahre unter dem Namen Hans/Hanns S.: 1907/08 Volontär am Münchner Volkstheater, 1908–13 an den Vereinigten Theatern in München (königliches Theater am Gärtnerplatz und Münchner Schauspielhaus), 1913/14 am Schauspielhaus in Düsseldorf, 1917/18 am Jubiläums-Stadttheater in Klagenfurt, 1919/20 an der Leipziger Volksbühne sowie 1921–23 als Spielleiter am Schauspielhaus in Leipzig. 1923–29 war S. in Dresden als Schauspieler tätig: 1923/24 am Neustädter Schauspielhaus (Albert-Theater), 1925/26 an den Vereinigten Bühnen, 1926/27 an der Komödie (auch als Spielleiter) und 1927–29 am Albert-Theater (Schauspielhaus am Albertplatz). Danach kehrte S. auf Grund der politischen Entwicklung in die Schweiz zurück. Am →Stadttheater St. Gallen wirkte er von 1930 bis zu seinem Tod als Oberspielleiter des Schauspiels und als Schauspieler. Er spielte in über 150 Produktionen, unter anderem verkörperte er 1934 Erni Turmann in →Cäsar von Arx’ "Der Verrat von Novara", 1937 Laharpe in →Max Gertschs "Menschenrechte", 1944 den Schulleiter Dr. Cortelli in der Uraufführung von →Werner Johannes Guggenheims "Erziehung zum Menschen" sowie zahlreiche Charakterrollen wie etwa die Titelrolle in Shakespeares "König Lear" oder das hohe Alter in Raimunds "Der Bauer als Millionär". Auch in vielen seiner eigenen Inszenierungen übernahm er tragende Rollen, wie etwa Attinghausen in Schillers "Wilhelm Tell", Philipp II. in dessen "Don Carlos", die Titelrolle in Lessings "Nathan der Weise", Graf von Moor in Schillers "Die Räuber", Helmer in Ibsens "Nora" und Sir Patrick Cullen in Shaws "Der Arzt am Scheideweg". Weitere wichtige Inszenierungen waren Ibsens "Peer Gynt", Shaws "Candida" und "Pygmalion" sowie zahlreiche Schweizer Dramen, darunter die Uraufführungen von Werner Johannes Guggenheims "Die Schelmeninsel" (1931), →Jakob Rudolf Weltis "Die Venus vom Tivoli" (1931), →Max Geilingers "Das Spiel vom Paracelsus" (1941 mit S. in der Titelrolle) und →Jakob Bührers "Der Mann im Sumpf" (1947). Am 13.3.1936 wurde S.s zusammen mit Adolf Sennhauser verfasstes Stück "Das Retourbillett" am Stadttheater St. Gallen in der Regie von →Theo Modes uraufgeführt. Als Schauspieler gastierte S. am →Schauspielhaus Zürich, am →Sommertheater Winterthur, an den →Stadttheatern Basel, Chur und Luzern. Er wirkte auch in zahlreichen Hörspielen und Filmen mit, etwa in →Leopold Lindtbergs "Landammann Stauffacher" als Attinghausen und in Hans Trommers "Romeo und Julia auf dem Dorfe" als Albert Manz. Ausserdem Lehrtätigkeit am →Bühnenstudio Zürich.



Autorin: Marie-Louise Michel



Bibliografische Angaben zu diesem Artikel:

Michel, Marie-Louise: Johannes Steiner, in: Kotte, Andreas (Hg.): Theaterlexikon der Schweiz, Chronos Verlag Zürich 2005, Band 3, S. 1747.

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