John Neschling

Aus Theaterlexikon
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* 13.5.1947 Rio de Janeiro (BR).

N. stammt aus einer vor dem Zweiten Weltkrieg nach Brasilien ausgewanderten Wiener Musikerfamilie. Klavier- und Dirigierstudien in Wien bei Hans Swarowsky und in den USA bei Leonard Bernstein. Nach Abschluss seines Studiums und als Preisträger mehrerer internationaler Dirigierwettbewerbe wurde er Chefdirigent in São Paulo. 1982–88 war N. musikalischer Leiter der Portugiesischen Nationaloper in Lissabon und 1983/84 Generalmusikdirektor in Rio de Janeiro. 1990 wurde er Chefdirigent des Sinfonieorchesters St. Gallen und musikalischer Oberleiter am →Stadttheater St. Gallen (Debüt bereits 1989 mit Mozarts "Die Zauberflöte"). 1993 wurde er dort in der Nachfolge von Hermann Keckeis zunächst ad interim und 1994 definitiv Operndirektor im Dreierdirektorium zusammen mit Werner Signer und →Peter Schweiger. 1996 trat er als Chefdirigent des St. Galler Sinfonieorchesters zurück, 1997 auch als Operndirektor. Während seiner Direktionszeit setzte sich N. für einen interessanten, vom gängigen Opernrepertoire abweichenden Spielplan ein; unter anderem wurde 1994 mit grossem Erfolg Massenets "Thaïs" aufgeführt. N. dirigierte während seines St. Galler Engagements unter anderem die Verdi-Opern "Il Trovatore", "Un ballo in maschera", "Falstaff", "Macbeth" und "Aida", Bergs "Lulu", Debussys "Pelléas et Mélisande", de Fallas "La vida breve" sowie Richard Strauss’ "Elektra", "Ariadne auf Naxos" und "Salome". Als Gastdirigent tritt N. weltweit an verschiedenen Opernhäusern auf, unter anderem am →Opernhaus Zürich, an der Volksoper Wien, an der Deutschen Oper Berlin, an der Oper der Stadt Bonn, in Stuttgart, in der Arena di Verona (1997 Verdis "Macbeth"), am Teatro Regio in Turin (2000 Manfred Gurlitts "Wozzeck"), Teatro Carlo Felice in Genua (1998 Donizettis "Don Pasquale" und "Adelia"), in Palermo, Bordeaux und Washington. 1997 übernahm er das Orquestra Sinfonica do Estado de São Paulo. N. komponierte zahlreiche Filmmusiken, unter anderem zu Hector Babencos "Pixote" (1981), "Kiss of the Spider Woman" (1985) und Alain Fresnots "Desmundo" (2001).



Autorin: Ingrid Bigler-Marschall



Bibliografische Angaben zu diesem Artikel:

Bigler-Marschall, Ingrid: John Neschling, in: Kotte, Andreas (Hg.): Theaterlexikon der Schweiz, Chronos Verlag Zürich 2005, Band 2, S. 1316–1317.

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