Jos Murer

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* 5.9.1530 Zürich (Eintrag ins Taufbuch), † 16.10.1580 Winterthur ZH (Eintrag ins Totenregister). Vater des Glasmalers und Dramatikers Christoph M.

Lehre als Glasmaler. 1557–79 wiederholt als Hersteller von Standes- und Wappenscheiben für den Zürcher Rat und das Zisterzienserkloster Wettingen tätig. 1571 Mitglied des Grossen Rats von Zürich, 1578 bis zu seinem Tod Amtmann in Winterthur. M. war erfolgreicher Illustrator und Porträtist der Zürcher Offizinen Christoph Froschauer und Conrad Gessner und schuf die erste bedeutende "Landkarte des Zürcher Gebiets" (1566) und einen Stadtplan von Zürich (1574). Neben seinen handwerklich-künstlerischen Tätigkeiten verfasste er sieben moralisierende Dramen, die (mit der Ausnahme von "Der jungen Mannen Spiegel") auf biblischen Stoffen beruhen: "Naboth" (7.6.1556 aufgeführt in Winterthur, gedruckt in Zürich und Strassburg), "Belägerung der Statt Babylon" (die auf den 29. und 30.5.1559 geplante Aufführung unterblieb wegen Feuersbrünsten, Druck 1560), "Der jungen Mannen Spiegel" (basierend auf →Hans Salats "Der verlorene Sohn" und →Georg Binders "Acolastus", aufgeführt am 27.2.1560 in Zürich), "Absalom" (aufgeführt auf dem Münsterplatz in Zürich am 28.8.1565 anlässlich der Hochzeit des damaligen Bürgermeisters), "Ufferstäntnus Unseres Herren" (Aufführung am 22.4.1566 in Winterthur, Druck 1567), "Hester" (unter Einbezug von Andreas Pfeilschmidts "Esther", Aufführung am 11.2.1567 anlässlich einer Hochzeit in Zürich), "Zorobabel" (in Anlehnung an →Sixt Birck, Aufführung nach Ostern 1575 in Zürich). Entsprechend den Gepflogenheiten der Reformationsdichter gestaltete M. seine Spiele in enger Anlehnung an den Wortlaut der Bibel.

Literatur

  • Manning, Phyllis J.: J. M. and the Protestant Easter Drama, 1971.
  • Racine, André Jean: J. M., 1973.
  • Adomatis, Hans-Joachim et al. (Hg.): J. M. Sämtliche Dramen, 1974.


Autorin: Heidy Greco-Kaufmann



Bibliografische Angaben zu diesem Artikel:

Greco-Kaufmann, Heidy: Jos Murer, in: Kotte, Andreas (Hg.): Theaterlexikon der Schweiz, Chronos Verlag Zürich 2005, Band 2, S. 1295.

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