Josef Berger

Aus Theaterlexikon
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* 27.6.1902 Tiflis (Tbilissi, heute: GE), † 24.3.1969 Bern, eigentlich Wladimir Schermann. ∞ 1945 Rosette Pauli, unter dem Namen Maria Walther Schauspielerin im Ensemble der →Heidi-Bühne, Bern BE.

1912 wurden B. und seine jüdische Familie im bernischen Mont-Tramelan eingebürgert. Im selben Jahr liessen sie sich in Bern nieder, wo B. das Gymnasium besuchte. Erster Auftritt 1920 als Shylock in der Schulaufführung von Shakespeares "Der Kaufmann von Venedig" (Regie: Carl Weiss) im →Stadttheater Bern, Bern BE. Arbeit als Radiorezitator sowie als Drehbuchautor, Regisseur und Schauspieler in der Filmbranche (Propaganda-, Kultur- und Spielfilme). Daneben Sprech- und Schauspielunterricht bei Carl Weiss und Theamaria Lenz, 1929–35 Engagement am Stadttheater Bern als Dramaturg und Schauspieler. Er spielte wie damals üblich bis zu 25 meist kleinere Rollen in Operette und Schauspiel pro Spielzeit, beispielsweise Tebaldo in Goldonis "Der Diener zweier Herren", Hakenfingerjakob in →Bertolt Brecht/Weills "Die Dreigroschenoper", Rosenkranz in Shakespeares "Hamlet", Mario in →Carl Zuckmayers "Katharina Knie", Rosse in Shakespeares "Macbeth", Licht in Kleists "Der zerbrochene Krug", Machiavell in Goethes "Egmont", Just in Lessings "Minna von Barnhelm", Wulkow in Hauptmanns "Der Biberpelz" und viele Rollen in Lust-, Schau- und Singspielen sowie Operetten, die heute nicht mehr Bestandteil des deutschsprachigen Repertoires sind. Als Dramaturg war er für die Prüfung der Bühnentauglichkeit neuer Dramen zuständig und verfasste zahlreiche dramaturgische Gutachten, die im Nachlass erhalten sind. B. machte sich nach seinem Engagement am Stadttheater Bern die Pflege eines niveauvollen Mundarttheaters vor allem für Jugendliche zum Programm und gründete 1936 einen eigenen Tourneetheaterbetrieb, der mit seiner Bühnenfassung von "Heidi" nach Johanna Spyri debütierte und unter seiner Leitung als Heidi-Bühne bis 1968 über 5000 Aufführungen von siebzehn Repertoirestücken hauptsächlich in der deutschsprachigen Schweiz gab. B. schrieb die Stücke in der Regel selbst und spielte zentrale Rollen, so den Öhi in "Heidi" oder Pestalozzi in "Kniri-Seppli". Daneben war B. als Kursleiter der Schweizerischen Arbeiterbildungszentrale sowie in der Gesellschaft für das Schweizerische Volkstheater tätig. In diesem Zusammenhang verfasste er Kursliteratur: "Wie spielen wir Theater?"(1964), "Kleine Sprechschule für Spieler des Volkstheaters" (1965), "Wir spielen Theater!"(1969).

Auszeichnungen

  • 1951 Literatur-Förderpreis der Stadt Bern.

Literatur

  • Schwyzerlüt 1/1955 [Jubiläumsnummer zur 20. Spilzyt 1955/56].

Nachlass

  • Schweizerische Theatersammlung, Bern.


Autor: Stefan Hulfeld



Bibliografische Angaben zu diesem Artikel:

Hulfeld, Stefan: Josef Berger, in: Kotte, Andreas (Hg.): Theaterlexikon der Schweiz, Chronos Verlag Zürich 2005, Band 1, S. 165–166.

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