Joseph Ignaz Zimmermann

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* 15.10.1737 Schenkon LU, † 9.1.1797 Merenschwand AG.

Studierte am Jesuitenkollegium in Luzern, trat 1755 im bayerischen Landsberg am Lech dem Jesuitenorden bei und vollendete seine Studien in Altötting. 1765 Priesterweihe. 1766–69 und 1770–73 als Professor der Rhetorik am Kollegium in Solothurn tätig, wo er sich für die damals an den Jesuitenschulen wenig beachtete deutsche Sprache und Literatur einsetzte. Unter seiner Leitung wurde im Herbst 1767 die traditionelle Schulkomödie am Ende des Schuljahrs erstmals – mit einem von Z. verfertigten Stück – in deutscher Sprache aufgeführt. Für das Schuldrama in Solothurn übersetzte Z. mit "Isak" ein Schauspiel des französischen Jesuiten Pierre Brumoy (1769) und bearbeitete für das Schultheater wohl auch die Texte "Telemach" (1768), "Adiatorix" (1771), Karl Stephan Glutz’ "Urs und Viktor oder Die Thebäer" (1772) und Racines "Britannicus" (1773). Z. verfasste selbst auch Lust- und vaterländische Trauerspiele, die mit ihren aus der eidgenössischen Geschichte entlehnten Stoffen die patriotische Gesinnung der Schüler fördern sollten und somit meist deutlich pädagogisch geprägt waren. Nach der Auflösung des Jesuitenordens ging Z. 1774 an die Luzerner Höhere Lehranstalt (die ehemalige Jesuitenschule), an der er als Rhetorikprofessor wirkte und zusammen mit seinem Freund →Franz Regis Krauer pädagogische und didaktische Reformen einleitete. Mit seinem Reformplan von 1786 gestaltete er insbesondere die Luzerner Töchterschule zu einer der fortschrittlichsten Institutionen der damaligen Mädchenbildung. Bühnenwerke (Auswahl): "Dithmar" (1771, aufgeführt in Solothurn, Engelberg, Deutschland und 1774 im luzernischen Fischbach; zweite, 1783 stark umgearbeitete Auflage unter dem Titel "Sieg der Religion" 1783 aufgeführt in Luzern), "Amalie oder Die gute Erziehung" (1773, aufgeführt in Luzern 1774), "Wilhelm Tell" (aufgeführt "von den hochoberkeitlichen Schulen" in Luzern 1777), "Der Verlohrne Sohn" (gedruckt 1779, bereits zuvor aufgeführt), "Petermann von Gundoldingen oder Die Sempacher Schlacht" (aufgeführt 1779 in Luzern), "Nikolaus von Flüe oder Die gerettete Eidsgenossenschaft" (verfasst anlässlich der 300-Jahr-Feier des Stanserverkommnisses, aufgeführt 1781), "Die Kosttochter" (aufgeführt in Luzern 1783 und 1786), "Das Stadtmädchen, wie Alle seyn sollten" (aufgeführt 1784 in Luzern), "Der Oheim oder wenn man nur warten kann" (aufgeführt 1784 in Luzern und Muri), "Klärchen von Rauhbach" (aufgeführt 1787 in Luzern), "Erlachs Tod" (aufgeführt 1789 in Luzern und 1790 in Solothurn), "Benoni oder Verbrechen und Gnade" (aufgeführt 1789 in Luzern).

Literatur

  • Fiala, Friedrich: Geschichtliches über die Schule von Solothurn, Heft IV und V, 1880–81.
  • Wassmer, Jakob: Zwei um deutschen Unterricht und vaterländische Gesinnung hochverdiente Luzerner Jesuiten. In: Monat-Rosen 63/1918–19.
  • Wicki, Hans: Staat, Kirche, Religiosität, 1990.


Autor: Reto Caluori



Bibliografische Angaben zu diesem Artikel:

Caluori, Reto: Joseph Ignaz Zimmermann, in: Kotte, Andreas (Hg.): Theaterlexikon der Schweiz, Chronos Verlag Zürich 2005, Band 3, S. 2149.

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