Jossi Wieler

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* 6.8.1951 Kreuzlingen TG.

Nach der Matura halbjähriger Aufenthalt in London, dann acht Semester Regiestudium an der Universität Tel Aviv, vier Jahre Regieassistent und Regisseur am Habima Nationaltheater Tel Aviv. Ab 1980 Regieassistent am Schauspielhaus Düsseldorf, dort ab 1982 eigene Inszenierungen. 1983–85 Regisseur am Theater der Stadt Heidelberg (Ferdinand Bruckners "Die Rassen", Shakespeares "Was ihr wollt", Becketts "Endspiel"), dort auch Beginn der Zusammenarbeit mit der Bühnen- und Kostümbildnerin →Anna Viebrock. Gastinszenierungen am Schauspiel Bonn (unter anderem 1985 Kleists "Amphitryon", eingeladen zum Berliner Theatertreffen, 1989 Kleists "Der zerbrochene Krug", 1990 →Bertolt Brechts "Herr Puntila und sein Knecht Matti") und an den Württembergischen Staatstheatern Stuttgart. 1988–93 unter der Direktion von →Frank Baumbauer Hausregisseur am →Theater Basel, dort unter anderem →Andres Mürys "They Shoot Horses, Don’t They?"nach Horace McCoy, Čechovs "Ivanov", Shakespeares "Ein Sommernachtstraum" und "Der Kaufmann von Venedig", Gozzis "Turandot", Lessings "Nathan der Weise", Ibsens "Peer Gynt", Schillers "Don Karlos", Uraufführung von →Hansjörg Schertenleibs "Schilten" nach Hermann Burger, alle ausgestattet von Viebrock. 1993 wechselte W. zusammen mit Baumbauer ans Deutsche Schauspielhaus in Hamburg, wo er bis 2000 regelmässig inszenierte, meist in Ausstattungen von Viebrock, etwa 1993 Elfriede Jelineks "Wolken.Heim."(das zum Berliner Theatertreffen eingeladen wurde und wofür W. von der Zeitschrift "Theater heute" zum "Regisseur des Jahres" gewählt wurde), 1994 die Uraufführungen von Tankred Dorsts "Herr Paul" und Gundi Ellerts "Josephs Töchter", 1995 Labiches­ "Das Sparschwein" und Shakespeares "Das Wintermärchen", 1996 Handkes "Kaspar" und 2000 Dorsts "Merlin". Daneben schuf er Inszenierungen unter anderem für die Salzburger Festspiele (darunter 1998 die Uraufführung von Jelineks "er nicht als er"), für das →Theater Neumarkt Zürich (1996 →Max Frisch/Judith Gerstenbergs "Die Vorgezeichneten") sowie erneut für das Theater Basel (1999 Uraufführung von Gisela von Wysockis "Abendlandleben oder Apollinaires Gedächtnis. Spiele aus Neu Glück"). Seit Mitte der neunziger Jahre führt W. auch im Musiktheater Regie. In enger Zusammenarbeit mit dem Dramaturgen Sergio Morabito inszenierte er regelmässig an der Staatsoper Stuttgart (1994 Mozarts "La clemenza di Tito", 1996 Rossinis "L’Italiana in Algeri", 1998 Händels "Alcina", 1999 Monteverdis "L’incoronazione di Poppea" und →Richard Wagners "Siegfried", 2001 Verdis "Don Carlo", 2002 Bellinis "Norma"), aber auch am Theater Basel (2000 Verdis "Macbeth") und an den Salzburger Festspielen (2001 Richard Strauss’ "Ariadne auf Naxos", in der Kritikerumfrage der Zeitschrift "Opernwelt" zur "Aufführung des Jahres" gewählt). Im Sprechtheater inszenierte W. zuletzt an den Münchner Kammerspielen unter der Intendanz von Baumbauer (2001 Euripides’ "Alkestis", eingeladen zum Berliner Theatertreffen, 2003 Laura Carringtons "Das Fest des Lamms"), am Schauspiel Hannover und am →Schauspielhaus Zürich (2001 die Uraufführung von Jelineks "Macht nichts", 2002 Jon Fosses "Winter"). W. ist Mitglied der Deutschen Akademie der darstellenden Künste Frankfurt am Main.

Auszeichnungen

unter anderem

  • 2002 Konrad-Wolf-Preis der Akademie der Künste Berlin.


Autor: Thomas Blubacher



Bibliografische Angaben zu diesem Artikel:

Blubacher, Thomas: Jossi Wieler, in: Kotte, Andreas (Hg.): Theaterlexikon der Schweiz, Chronos Verlag Zürich 2005, Band 3, S. 2097–2098, mit Abbildung auf S. 2098.

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