Jost Meier

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* 15.3.1939 Solothurn.

Nach dem Beginn eines Mathematik- und Physikstudiums an der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich Violoncello- und Kompositionsstudium bei Rolf Looser (Lehrdiplom am Konservatorium Biel, Konzertdiplom am →Konservatorium für Musik Bern). Anschliessend Studien bei →Frank Martin in Naarden-Bussum in Holland. Als Cellist wirkte M. 1963–67 im Tonhalle-Orchester Zürich und in der Camerata Bern. 1969 war er Gründungsmitglied der Orchestergesellschaft Biel (OGB) und als erster Chefdirigent bis 1980 mitverantwortlich beim Aufbau eines professionellen Konzert- und Theaterorchesters. Mit der Übernahme des Musiktheaters Biel durch die OGB (infolge der Auflösung des →Städtebundtheaters Biel-Solothurn) wurde M. 1971 zugleich musikalischer Oberleiter des →Musiktheaters der Orchestergesellschaft Biel. Hier bewirkte er in Ansätzen den Zugang zum neueren Musiktheater (Menotti, →Heinrich Sutermeister, Milhaud). 1980–83 wirkte M. als Dirigent an den →Basler Theatern. Seither war er als Gastdirigent in der Schweiz, in vielen Ländern Europas, in den USA und in Australien tätig. 1983–88 künstlerische Leitung der "Opere e concerti in Piazza grande" in Locarno zusammen mit →Martin Markun. M. unterrichtete an der →Musik-Akademie der Stadt Basel und am →Schweizer Opernstudio in Biel (heute Teil der →Hochschule der Künste Bern). Er lebt in Basel und Arcegno im Tessin. Nach ersten Kompositionen für verschiedene Kammerensembles und Orchester in den sechziger Jahren entstanden die Ballettkompositionen "XY" für Kammerorchester und Magnetband (Uraufführung 1971 am Städtebundtheater Biel-Solothurn, Choreografie: →Nestor Mondino), "Das trunkene Schiff" (Uraufführung 22.11.1971 an den Basler Theatern, Libretto, Regie und Choreografie: →Pavel Šmok nach Rimbaud) und "La Vie funambulesque" (Uraufführung 1984 im Rahmen des Festival de Lausanne, Choreografie: →Riccardo Duse, musikalische Leitung: →Ewald Körner). Angeregt durch die langjährige Theaterpraxis wandte sich M. 1982 der Opernkomposition zu. Bereits in den frühen Instrumentalwerken sind szenische Bilder, Gesten und Dialoge angelegt. Wesentliche Anreize bildeten die Bühnenstücke von →Hansjörg Schneider, wobei M. insbesondere dessen markante Sprache entgegenkam. Auf Librettobearbeitungen von Markun komponierte er "Sennentuntschi" (Oper in fünf Bildern nach Schneiders gleichnamigem Schauspiel, Uraufführung 23.4.1983 an den Städtischen Bühnen Freiburg im Breisgau, Regie: Markun), "Der Drache" (nach dem "Märchen" von Jewgenij Schwarz, Uraufführung 23.5.1985 an den Basler Theatern, Regie: Markun, musikalische Leitung: →Harri Rodmann), 1987 "Augustin" (Oper in zwei Akten nach Schneiders "Der liebe Augustin", Uraufführung 21.4.1988 an den Basler Theatern, Regie: Markun, musikalische Leitung: Hans Urbanek) und "Der Zoobär" (Kammeroper in vier Bildern nach einem Fragment von Kurt Schwitters, Uraufführung 1987 am Konservatorium Zürich, Regie: Peter Rasky, musikalische Leitung: M.). Allen diesen Bühnenwerken ist entweder die Isolation von Menschen und/oder die Zerstörung der Umwelt und der natürlichen Ressourcen gemeinsam. Strukturell stehen musikalisierte Dialoge im Vordergrund. M. sprengt oft die geradlinige szenische Erzählweise, baut Satire und absurde Wendungen ein und nähert sich mitunter dem Kabarett. Das gesellschaftliche Netz, das Verhältnis der Menschen untereinander wird meistens in musikalischen Motivbezügen eingefangen. 1993 entstand als nachhaltigstes Bühnenwerk "Dreyfus – die Affäre" (Libretto: George Whyte, Uraufführung in Koproduktion mit dem →Theater Basel am 8.5.1994 an der Deutschen Oper Berlin, Regie: Torsten Fischer, musikalische Leitung: Christopher Keene), ein "historisches Dokument für das Musiktheater" (Götz Friedrich), das die Ausgrenzung, politisch-juristische Verfolgung und die Isolation des französisch-jüdischen Offiziers Alfred Dreyfus erzählt. In "Dreyfus" weicht der dialogisierende Sprechgesang oft dem affektiven Monolog. Historisierende Einblendungen stehen neben radikalen klanglichen Kontrasten. 1995 komponierte M. die Commedia musicale "Pilger und Fuchs" (Libretto: Schneider, Uraufführung 1.3.1995 am Städtebundtheater Biel-Solothurn, Regie: Markun, musikalische Leitung: M.). 1999 wurde M. zusammen mit →Jean-François Bovard und →Michel Hostettler als Komponist für das Festspiel der →Fête des Vignerons in Vevey engagiert.

Auszeichnungen

unter anderem

  • 1969 Kompositionspreis des Office de la radio et de la télévision française (ORTF) in Paris für das Ballett "La Vie funambulesque",
  • 1984 Preis des "Festival de Lausanne",
  • 1985 Kunstpreis des Kantons Solothurn,
  • 1989 Ernennung zum Ehrenmitglied des Bieler Musiktheaters,
  • 1995 Kulturpreis der Stadt Biel,
  • 1999 Spartenpreis des Kantons Basel-Landschaft und
  • 2003 Grosser Musikpreis des Kantons Bern.

Literatur

  • Renggli, Hanspeter: Eine soziale Verpflichtung. In: Der Bund, 12.11.2003.


Autor: Hanspeter Renggli



Bibliografische Angaben zu diesem Artikel:

Renggli, Hanspeter: Jost Meier, in: Kotte, Andreas (Hg.): Theaterlexikon der Schweiz, Chronos Verlag Zürich 2005, Band 2, S. 1218–1219.

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