Julian Dillier

Aus Theaterlexikon
Wechseln zu: Navigation, Suche

* 26.2.1922 Sursee LU, † 15.1.2001 Basel.

Besuch des Gymnasiums in Sarnen, 1943–48 Kanzlist des Verhöramts Obwalden, 1948–64 Sekretär der Staatskanzlei und stellvertretender Landschreiber, 1964–69 Sekretär des kantonalen Erziehungsdepartements, 1969–87 Redaktor bei Schweizer Radio DRS in Basel, wo er als Hörspielregisseur tätig war und Dialektsendungen gestaltete. D.s lyrische und dramatische Werke zeichnen sich durch eine volksnahe Sprache aus. Bei den Kernser Spielleuten war er als Vereinspräsident, Autor, Regisseur und Darsteller tätig. Seit den vierziger Jahren schrieb und übersetzte D. Theaterstücke in Obwaldner Mundart; er begann mit religiösen Spielen und befasste sich zunehmend mit historischen Stoffen. Zu seinen Bühnenwerken zählen unter anderem: "Herr sei uns gnädig" (1947), "Drhaimä"(Uraufführung 1950, Jodelklub Kerns), "Fuischt umä Schlissel" (Uraufführung 1952, Kerns), "Dr Schatz hinderäm Helgästeckli" (Uraufführung 1952, Kernser Spielleute), "Dr letzt Pannerherr von Obwaldä"(Uraufführung 1956, Kernser Spielleute), das Festspiel "Schlacht von Marignano" (aufgeführt anlässlich des 18. Obwaldner Schützenfestes 1956 durch die Kernser Spielleute, Regie: →Rudolf Joho, Musik: August Wirz) und "Die Nebelschlucht" (1977, Dialektfassung von John Millington Synges "The shadow of the glen"). D. schrieb auch Hörspiele (1950 "Die alt Brygg", 1952 "Ds Gloggeglyt", 1954 wurde für das Radio "Dr Schatz hinderäm Helgästeckli" umgearbeitet, Regie alle: Paul Schenk; 1961 "Dr Fähnligilg", Regie: Robert Egger»), vor allem aber Mundartlyrik, zum Beispiel "Gedankä, wo barfuess chemid" (1973) und "Landsgmeindsgred" (1988). Besonders interessant sind seine prägnanten, kritischen Sprüche und Aphorismen ("So z’sägä. Es paar Sprych", 1974). 1986 erschien die autobiografische Erzählung "Frau Bartsch". 1970–73 war D. Präsident der →GSVT und 1979–85 des Innerschweizer Schriftstellervereins. Ab 1986 präsidierte er das Internationale Dialektinstitut (heute: Institut für regionale Sprachen und Kulturen) in Innsbruck. Als Radioredaktor, Verbandsfunktionär und Verleger war D. Kulturvermittler und -förderer.

Auszeichnungen

  • 1979 Heinrich-Federer-Preis,
  • 1990 Obwaldner Kulturpreis,
  • 1991 Oberrheinischer Kulturpreis,
  • 1992 Friedestrompreis,
  • 2001 Innerschweizer Literatur- und Kulturpreis.

Literatur

  • Hoffmann, Fernand/Berlinger, Josef: Die neue deutsche Mundartdichtung, 1978. Sondernummer der Literaturzeitschrift "Orte" 82/1992–93.


Autor: Jürg Seiberth



Bibliografische Angaben zu diesem Artikel:

Seibert, Jürg: Julian Dillier, in: Kotte, Andreas (Hg.): Theaterlexikon der Schweiz, Chronos Verlag Zürich 2005, Band 1, S. 471.

Normdaten