Kammersprechchor Zürich, Zürich ZH

Aus Theaterlexikon
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Gegründet wurde der K. 1951 von der Schauspielerin →Ellen Widmann mit der Idee, die Chöre in antiken und klassischen Theaterstücken präzise und lebendig zu gestalten. Ziel war es, ein gemeinsames Chorsprechen zu entwickeln, das sich nicht in gleichmässig skandierender Monotonie erschöpfen, sondern frei fliessend und natürlich betont erklingen sollte. Mitglieder des K. waren Schauspielschüler Widmanns sowie Laien, heute sind es ausschliesslich Laien. In den fünfziger und frühen sechziger Jahren wirkte der K. bei Theater- und Opernaufführungen mit, so am →Schauspielhaus Zürich bei Claudels "Die Geschichte von Tobias und Sara" (1953, Regie: →Karlheinz Streibing), den Sophokles-Dramen "König Oedipus" (1954, Regie: →Kurt Hirschfeld), "Antigone" (1955, Regie: →Werner Kraut) und "Aias" (1965, Regie: →Leopold Lindtberg), Goethes "Faust I" und "Faust II" (1957 beziehungsweise 1958, Regie: Lindtberg), am →Stadttheater Zürich bei der szenischen Uraufführung von Schönbergs "Moses und Aron" (1957, Regie: →Karl-Heinz Krahl, musikalische Leitung: →Hans Rosbaud), an den Salzburger Festspielen erneut bei Goethes "Faust I" und "Faust II" (1961 beziehungsweise 1963, Regie: Lindtberg), an der Piccola Scala in Mailand bei der Uraufführung von Berios "Passaggio" (1963, Regie: Virginio Puecher, musikalische Leitung: Berio) sowie mit dem Burgtheater Wien in Athen wiederum bei Sophokles’ "König Oedipus" (1966, Regie: Gustav Rudolf Sellner). Entscheidend für den K. war die Begegnung mit dem Komponisten →Wladimir Vogel, der Werke für mehrstimmigen Sprechchor komponierte. Sein Oratorium "Thyl Claes" wurde 1952 durch den K. unter →Robert F. Denzler im Radiostudio Zürich aufgeführt. Vogel schuf für den K., in dem er einen idealen Interpreten seiner Werke für Sprechchor gefunden hatte, mehrere Kompositionen dieser Kunstgattung. Weitere Komponisten liessen sich durch den K. inspirieren, und so brachte er zahlreiche Auftrags- und Widmungswerke zur Uraufführung. Nicht mehr skandiertes Sprechen auf der Bühne, sondern das Spiel mit Rhythmen und Melodien eines Textes stand hier im Vordergrund. Heute tritt der K. fast nur noch in Konzerten auf. Sein Repertoire umfasst Werke von Eric Bergman, Mauricio Kagel, Darius Milhaud, Einojuhani Rautavaara, Ernst Toch sowie von den Schweizer Komponisten Armin Brunner, →Armin Schibler, →Martin Derungs, Christoph Delz, →Rolf Urs Ringger und anderen. Neben seinen Zürcher Konzerten trat der K. unter anderem in Berlin, Donaueschingen, Hamburg, Köln, München, Wien, Rom, London und Paris auf. Die künstlerische Leitung und die Sprachregie des K. hatten nach Widmann (bis 1974) Margrit Müller (1974–78), →Richard Merz (1979–2000) und Tillmann Braun (seit 2000) inne, Dirigenten waren Fred Barth (1953–71 und 1977–85), Werner Bärtschi (1972–73), Karl Scheuber (1973–77) und Bernhard Erne (seit 1985).

Auszeichnungen

  • 1969 Scotoni-Preis der Stadt Zürich.


Autor: Christian Jauslin



Bibliografische Angaben zu diesem Artikel:

Jauslin, Christian: Kammersprechchor Zürich, Zürich ZH, in: Kotte, Andreas (Hg.): Theaterlexikon der Schweiz, Chronos Verlag Zürich 2005, Band 2, S. 960–961.