Karl Ferber

Aus Theaterlexikon
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* 17.11.1903 Wien (A), † 6.8.1966 St. Gallen.

1921 Matura, neben dem Studium der Jurisprudenz Schauspielunterricht. Erstes Engagement als Schauspieler 1923–25 in Meissen, danach 1925/26 an den Vereinigten Theatern Breslau. 1926/27 Spielleiter des Schauspiels und Darsteller am Stadttheater Meissen, 1927/28 Schauspieler am Reußischen Theater Gera, 1928/29 an den Vereinigten Städtischen Theatern in Düsseldorf und 1929/30 am Münchener Volkstheater. 1930/31 Regisseur des Schauspiels und Darsteller an den Städtischen Bühnen in Graz, 1931/32 Schauspieler am Stadttheater Münster, 1932/33 Spielleiter und Darsteller am Deutschen Theater in Mährisch-Ostrau (Tschechoslowakei), im Sommer in Franzensbad (Tschechoslowakei), 1933/34 wiederum in Graz und im Sommer 1934 am Stadttheater Marienbad (Tschechoslowakei). 1934, nach dem Dollfuß-Mord, kam F. nach St. Gallen, wo er bis zu seinem Tod am →Stadttheater St. Gallen wirkte. 1934–42 war er als erster Charakterheld und Bonvivant im Schauspiel engagiert (unter anderem Saladin in Lessings "Nathan der Weise", Gessler in Schillers "Wilhelm Tell" und Leicester in dessen "Maria Stuart", Oberon in Shakespeares "Ein Sommernachtstraum" und Jago in dessen "Othello"), 1942–54 zunächst als Regisseur des Schauspiels verpflichtet (Inszenierungen unter anderem der Schweizer Erstaufführungen von Anouilhs "Einladung ins Schloss" 1948 und O’Neills "Gier unter Ulmen" 1954 sowie der Uraufführungen von →Arnold H. Schwengelers "Der Fälscher" 1949, →Albert Jakob Weltis "Ramon Lull" 1951 und →Hans Wilhelm Kellers "Familie Humphrey" 1952), später auch der Oper (Verdis "La Traviata", →Richard Wagners "Der fliegende Holländer", 1949 Uraufführung von Max Haefelins Kammeroper "Notturno", 1951 Schweizer Erstaufführung von Händels "Acis und Galatea"). 1954–56 Oberspielleiter des Schauspiels und der Oper, wobei er weiterhin als Schauspieler auftrat. 1956–66 war F. Direktor des Stadttheaters St. Gallen, übernahm aber auch weiterhin zahlreiche tragende Rollen (unter anderem 1963 Shylock in Shakespeares "Der Kaufmann von Venedig") und führte Regie (unter anderem bei den Schweizer Erstaufführungen von Hofmannsthals «Der Abenteurer und die Sängerin 1957 und Blachers Kammeroper "Die Flut" 1959). Zudem nahm er zahlreiche Gastspielverpflichtungen in Deutschland und Österreich wahr. In St. Gallen schätzte man vor allem seinen vielfältigen Spielplan und seine Auswahl der Künstlerinnen und Künstler. Unter seiner Direktion wirkten der Kapellmeister →Max Lang und der Ballettmeister →Horst Lehrke. Zusammen mit dem Komponisten Harald Barth schrieb F. die Operette "Der vergessene Kuss", die 1939 am Stadttheater St. Gallen zur Uraufführung kam. 1945–49 und 1952–55 war F. im Ortsausschuss des →SBKV leitend aktiv.



Autorin: Marie-Louise Michel



Bibliografische Angaben zu diesem Artikel:

Michel, Marie-Louise: Karl Ferber, in: Kotte, Andreas (Hg.): Theaterlexikon der Schweiz, Chronos Verlag Zürich 2005, Band 1, S. 573–574.

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